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InFo Onkologie

, Volume 21, Issue 1, pp 56–56 | Cite as

Neue Therapieoption bei der TTP

  • Katharina Arnheim
Thrombotisch-thrombozytopenische Purpura

Mit dem bivalenten Nanobody Caplacizumab hat sich in der Phase-III-Studie HERCULES eine innovative Therapie bei der erworbenen thrombotisch-thrombozytopenischen Purpura (TTP) bewährt [Scully M et al. ASH. 2017;Abstr LBA-1]. Ursächlich für diese „orphan disease“ sind Autoantikörper gegen das Enzym ADAMTS13, sodass die Spaltung des van-Willebrand-Faktors (VWF) ausbleibt. Die sich bildenden Mikrothromben aus VWF-Multimeren und Plättchen führen in der Folge zu Gewebeischämie und Endorganschäden wie Herzinfarkt und Schlaganfall. „Unbehandelt verläuft die TTP fast immer tödlich; die Mortalität liegt bei > 90 %“, informierte Robert K. Zeldin, Ablynx, Zwijnarde, Belgien. Standard bei der TTP ist derzeit die Kombination aus Plasmapherese und Immunsuppression, durch die die Sterblichkeit auf 10–20 % gesenkt werden kann. Mit Caplacizumab wurde ein Anti-VWF-Nanobody entwickelt, der gegen die A1-Domäne des VWF gerichtet ist und so die Interaktion zwischen VWF-Multimeren und Thrombozyten in der Mikrozirkulation verhindert. Wie Zeldin erläuterte, handelt es sich bei Naonobodies um therapeutische Proteine, die nur aus den schweren Antigen-bindenden Ketten von Antikörpern bestehen.

In der HERCULES-Studie wurden 145 TTP-Patienten zusätzlich zu Plasmapherese und Immunsuppression randomisiert der aktiven Therapie mit Caplacizumab oder Placebo zugeteilt. Primärer Endpunkt war die Zeit bis zur Normalisierung der Plättchenzahl. „Mit Caplacizumab behandelte Patienten hatten zu jedem Zeitpunkt im Studienverlauf eine 1,55-mal höhere Chance für eine Plättchennormalisierung“, berichtete Zeldin (p < 0,01). So hatten an Tag 5 95 % der Verumpatienten, aber nur 77 % der Placebopatienten eine normale Plättchenzahl erreicht. Auch beim wichtigen sekundären Endpunkt, der Kombination aus TTP-bedingtem Tod, TTP-Rezidiv oder schwerem thromboembolischem Ereignis, erwies sich Caplacizumab mit einer Reduktion der Ereignisrate auf ein Viertel als signifikant überlegen (12,7 % vs. 49,3 %; p < 0,0001). Zahl der Plasmapherese-Tage und Krankenhaustage, ausgetauschtes Plasmavolumen und Aufenthalt auf der Intensivstation wurden ebenfalls erheblich gesenkt. Die Rate schwerer therapiebedingter Nebenwirkungen war im Verumarm mit 14,1 % höher als unter Placebo (5,5 %), wobei Nasenbluten am häufigsten auftrat. Auf Basis der Studiendaten bietet sich Caplacizumab damit laut Zeldin als wichtige neue Option bei der TTP an.

Literatur

  1. Bericht vom 59th Annual Meeting der American Society of Hematology (ASH) vom 9. bis 12. Dezember 2017 in Atlanta, GA/USAGoogle Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Katharina Arnheim
    • 1
  1. 1.

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