InFo Onkologie

, Volume 21, Issue 1, pp 3–3 | Cite as

Die Anforderungen für niedergelassene Onkologen nehmen zu!

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Prof. Dr. Stephan Schmitz

Vorsitzender des Berufsverbandes der Niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland e. V., Köln

Die niedergelassenen Hämatologen und Onkologen in Deutschland garantieren allen Patienten unabhängig vom Versichertenstatus einen niederschwelligen Zugang zum qualifizierten onkologischen Facharzt. Es gibt keine Terminprobleme, der Zugang zu Innovationen ist für Jedermann garantiert. Trotz solcher Erfolge für Patienten und Gemeinwohl steht die Onkologie zukünftig vor großen Herausforderungen.

Mehr Hightech, mehr Spezialisierung, mehr Patienten

Die Onkologie ist zurzeit eines der innovativsten Fachgebiete der Medizin. Das bedeutet für die Onkologen noch mehr Hightech-Medizin mit hoher Verantwortung und gleichzeitig enger Bindung an den Patienten; d. h., moderne Onkologen müssen sowohl über „hard skills“ (Forschergeist, externe Evidenz) als auch über „soft skills“ (soziale Kompetenz, interne Evidenz) verfügen.

Zudem nimmt auch die Spezialisierung in der Onkologie rasant zu. Immer mehr Fachdisziplinen behandeln jeweils nur Segmente des gesamten Krankheitsbildes. Gerade deshalb ist es dringend notwendig, dass es einen einheitlichen Behandlungsprozess gibt, der von einem gesamtverantwortlichen Onkologen geführt wird.

Bei weiter steigenden Patientenzahlen kann die onkologische Versorgung nur gemeistert werden, wenn es gelingt, die leistungsfähige Versorgungsstruktur zu sichern und fortzuentwickeln. Diese definiert sich durch den Zweiklang aus Comprehensive Cancer Center (CCC) plus einer leistungsfähigen, flächendeckenden ambulanten und stationären Versorgung durch niedergelassene medizinische Onkologen und Krankenhäuser.

Wissenstransfer in die Praxis stärken — aber wie?

Für wissenschaftlich gesicherte neue Therapien muss ein schneller Innovationstransfer in die Breite der onkologischen Versorgung sichergestellt werden. Wie muss das Versorgungssystem unter den qualitativ neuen Anforderungen der personalisierten Medizin organisiert sein, um dieses Ziel zu erreichen? Der Schlüssel ist die Kooperation. In der Regel werden innovative Medikamente — aber auch die innovativen molekulargenetischen diagnostischen Verfahren — in der pharmazeutischen Industrie entwickelt; die notwendigen frühen klinischen Studien werden dann durch die CCC organisiert und durchgeführt.

Sobald ein diagnostisches Verfahren oder Medikament klinisch relevant für die Versorgung der Patienten wird, muss diese Innovation auch im Alltag zur Verfügung stehen. Die Spezialisten in den Schwerpunktpraxen und Krankenhäusern sollen und müssen den Patienten diese Innovationen — natürlich streng indikationsgerecht und evidenzbasiert — anbieten können. Die gesetzlichen, regulatorischen und strukturellen Voraussetzungen dazu sind gegeben.

Eine neue Generation von Onkologen

Auch die Ökonomisierung der Medizin wird Strukturen und Rahmenbedingungen nachhaltig beeinflussen. Die Ökonomisierungstendenzen sind offensichtlich: Viele Labore fusionieren zu immer größer werdenden Wirtschaftsunternehmen. Onkologische Praxen werden durch nicht ärztliche Institutionen aufgekauft.

Gleichzeitig ist ein Generationswandel zu verzeichnen: Jüngere Kolleginnen und Kollegen haben andere Erwartungen an ihre Arbeitswelt, etwa was den Ausgleich von Arbeit und Freizeit bzw. Familie betrifft. Dies bedeutet aus meiner Sicht, moderne Praxisstrukturen zu entwickeln, die für die jungen Kolleginnen und Kollegen attraktiv sind.

Zusammengefasst nehmen die Anforderungen an die niedergelassenen Onkologen zu. Viele neue Entwicklungen und damit einhergehende Herausforderungen sind für die Patienten positiv (z. B. medizinischer Fortschritt). Einige Entwicklungen muss man sicher kritisch betrachten. Wir sollten versuchen, die Zukunft proaktiv mitzugestalten.

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