Gefährden Kortisonspritzen den Erfolg der Mikrodiskektomie?

Zwischen epiduralen Steroidinjektionen und mikrochirurgischer Diskektomie sollte wahrscheinlich ein zeitliches Sicherheitsintervall eingehalten werden. Nach Daten aus den USA könnte sonst die Rate an Reoperationen zunehmen.

Die Rezidivrate nach mikrochirurgischer Behandlung eines Bandscheibenvorfalls liegt mit 1-21 % relativ hoch. Zu den Risikofaktoren für einen erneuten Prolaps könnten auch epidurale Steroide gehören: Weniger als sechs Wochen vor der Operation verabreicht, scheinen sie mit einem erhöhten Risiko für Reoperationen verknüpft zu sein, stellte eine Studie der Universität Chicago anhand von Versicherungsdaten von fast 12.800 Patienten fest.

Bei allen war Bandscheibengewebe offen mikrochirurgisch entfernt worden. 1.090 (8,5 %) Patienten hatten in den sechs Monaten vor der Operation epidurale Steroidinjektionen erhalten. Von ihnen wurden in den folgenden sechs Monaten 3,6 % erneut operiert, die Rate lag damit nicht höher als bei Patienten ohne Steroidgabe (3,2 %). Eine erhöhte Häufigkeit von Reoperationen war jedoch zu verzeichnen, wenn nur die Steroidinjektionen in den Wochen 0-2, 2-4 oder 4-6 vor dem Eingriff berücksichtigt wurden; die Unterschiede in den ersten beiden Zeiträumen (7,3 % vs. 2,3 % und 6,5 % vs. 3,2 %) waren statistisch signifikant. Epidurale Steroide in den letzten sechs Wochen vor einer Mikrodiskektomie erwiesen sich als unabhängiger Risikofaktor für eine weitere Bandscheibenoperation, wenn andere Einflüsse wie Alter, Rauchen, Adipositas, Rheuma und Diabetes berücksichtigt wurden. Die Wahrscheinlichkeit eines erneuten Eingriffs war damit fast doppelt so hoch wie ohne eine solche Vorbehandlung (Odds Ratio 1,9). Steroidinjektionen, die länger als sechs Wochen zurücklagen, waren dagegen nicht mit einer Zunahme von Reoperationen assoziiert. Ebenfalls unerheblich war die Anzahl der Injektionen.

Dass sich präoperative Injektionen von Kortikosteroiden unter Umständen nachteilig auswirken können, ist vor allem für Kniegelenk- und Schulteroperationen beschrieben worden. Berichtet wird dabei auch über eine verzögerte Regeneration von Knorpel und Sehnen. Eine gestörte Heilung von Weichgewebe könnte auch den erneuten Operationsbedarf nach Mikrodiskektomien erklären: Wenn der Anulus fibrosus nicht heilt, prädisponiert das für Prolapsrezidive.

Fazit: Die Studie hat trotz der großen Teilnehmerzahl deutliche Schwächen; zu nennen ist vor allem das Fehlen von Informationen zur Art des Rezidivs und den Kriterien für eine erneute Operation. Die Studienautoren halten es zwar für wahrscheinlich, dass der zweite Eingriff innerhalb von sechs Monaten auf derselben Ebene erfolgte - mit Sicherheit sagen können sie es aber nicht. Entsprechend vorsichtig sind sie mit ihren Schlussfolgerungen: Wenn ihre Daten in weiteren Studien bestätigt würden, könnte dies die Applikation von epidermalen Steroiden vor Mikrodiskektomien verändern. In den sechs Wochen vor einer Mikrodiskektomie sollte eventuell auf epidurale Steroidinjektionen verzichtet werden, denn ansonsten ist das Risiko, in den folgenden sechs Monaten erneut operiert zu werden, fast verdoppelt. Dr. Beate Schumacher

Bhattacharjee S et al. Preoperative lumbar epidural steroid injections administered within 6 weeks of microdiscectomy are associated with increased rates of reoperation. Eur Spine J 2020; doi: 10.1007/s00586-020-06410-x

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Schumacher, B. Gefährden Kortisonspritzen den Erfolg der Mikrodiskektomie?. Orthop. Rheuma 23, 22 (2020). https://doi.org/10.1007/s15002-020-2844-4

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