Orthopädie & Rheuma

, Volume 21, Issue 2, pp 48–48 | Cite as

Ärzte sollten ihre Helferinnen ins QM-Boot holen

Qualitätsmanagement — zu oft noch Mauerblümchen im Praxisalltag

  • Anne-Christin Gröger
Praxis konkret
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Die sektorenübergreifende Richtlinie zum Qualitätsmanagement des Gemeinsamen Bundesausschusses ist seit rund einem Jahr in Kraft. In vielen Praxen schlummert aber noch großes Optimierungspotenzial, sind sich Experten einig.

Die Umsetzung von Standards im Qualitätsmanagement (QM) und bei der Patientensicherheit scheitert bei niedergelassenen Ärzten oft am Widerstand oder Unwillen der Praxisführung. „Es gibt nicht wenige Praxen, wo es an Rückhalt durch den Chef fehlt“, berichtete Dr. Kirstin Börchers, Gynäkologin und Inhaberin eines auf Qualitätsmanagement spezialisierten Unternehmens bei einer Veranstaltung des Verbandes medizinischer Fachberufe (VmF).

Eine zentrale Rolle bei der Implementierung entsprechender Maßnahmen spielten die Medizinischen Fachangestellten (MFA): Die Strukturierung der Handlungsabläufe durch die MFA minimiert Zeitverluste und sorgt für mehr Patientensicherheit im Praxisbetrieb. Einen Appell an die niedergelassenen Ärzte richtete auch Hedwig François-Kettner, Vorsitzende im Aktionsbündnis Patientensicherheit. „Wenn der Rückhalt durch den Chef fehlt, laufen alle Qualitätsmanagementmaßnahmen ins Leere.“

G-BA-Richtlinie gibt Orientierung

Dabei ist die Umsetzung eines QM-Systems längst Gesetz. „Die aktuelle Richtlinie des Gemeinsamen Bundesausschusses, kurz G-BA, verlangt von jeder Arztpraxis die Einführung eines solchen Systems“, betonte Börchers. „Damit haben die Praxen eine gute und verbindliche Leitlinie, welche Anweisungen umgesetzt werden müssen.“ Ihrer Erfahrung nach setzten etwa ein Drittel der Praxisinhaber diese Vorgaben begeistert um und nehmen dafür auch Geld in die Hand. „Es ist aber noch viel Luft nach oben“, betonte die QM-Expertin.

Dr. Theodor Windhorst, Präsident der Ärztekammer Westfalen-Lippe, wies ebenfalls auf die wichtige Funktion der Helferinnen für das QM hin. „Wir brauchen MFA mit wachen Augen und offenen Ohren, die sehen, was wo passiert und wo Fehler vorkommen können.“ Der wichtigste Punkt sei hierbei die Kommunikation untereinander sowie eine entsprechende Unternehmenskultur in der Praxis. „Wir müssen Fehler offen und ohne Angst kommunizieren, damit sie nicht ein zweites Mal vorkommen“, so Windhorst. „Werden Sie zu Anwälten Ihrer Patienten, setzen Sie sich notfalls an den entsprechenden Stellen wie den Kassenärztlichen Vereinigungen, dem Gesundheitsamt oder den Kassen dafür ein, dass Fehler nicht wiederholt werden“, appellierte er an die MFA. Dabei gehe es nicht um Denunzierung, sondern darum, Verantwortung gegenüber den Patienten zu zeigen.

QM-Investitionen lohnen sich

François-Kettner wies darauf hin, dass die Einführung eines QM-Systems die Praxis zunächst einmal Geld koste, das aber später wieder eingespart werden könne. „15 % der Gesundheitsausgaben wären vermeidbar, wenn ein Patientensicherheitssystem in den Unternehmen etabliert werden würde“, sagte sie. Brigitte März, Referatsleiterin MFA im VmF, wies darauf hin, dass es für die Implementierung von QM-Systemen Fördermittel gebe, die Arztpraxen abfragen könnten.

Positiv werteten die QM-Experten die Tatsache, dass die Fehlermeldesysteme bei den niedergelassenen Fachärzten offen für alle Mitarbeiter und nicht wie in der Zahnmedizin nur den Zahnärzten vorbehalten sind.

In vielen Praxen niedergelassener Ärzte stünden die QM-Ampeln noch nicht auf Grün, beklagen QM-Fachleute.

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Authors and Affiliations

  • Anne-Christin Gröger
    • 1
  1. 1.

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