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Orthopädie & Rheuma

, Volume 21, Issue 2, pp 12–12 | Cite as

Infektionsprophylaxe: Cefazolin-Einmalgabe vor Implantatentfernung enttäuscht

  • Elke Oberhofer
Literatur kompakt
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Obwohl das Entfernen von Marknägeln, Drähten, Schrauben oder Platten nach einer Fraktur des Fußes oder Unterschenkels als „sauberer“ (nicht kontaminierter) Eingriff gilt, kommt es postoperativ immer wieder zu Wundinfektionen. In der Literatur werden in diesem Zusammenhang Infektionsraten von mehr als 12 % angegeben. Ein niederländisches Forscherteam hat nun untersucht, ob dem Problem von Wundinfektionen nach der Implantatentfernung mit einer einmaligen antibiotischen Prophylaxe beizukommen ist.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

In ihrer randomisierten Multicenter-Studie verglichen Dr. Manouk Backes vom Academic Medical Center in Amsterdam und ihr Team zwei Strategien bei insgesamt 500 Patienten (Durchschnittsalter 44 Jahre) mit Unterschenkelfrakturen: 232 von ihnen erhielten vor der Entfernung des Implantats einen intravenösen Bolus mit 1.000 mg Cefazolin in 0,9%iger Kochsalzlösung, der Verglleichsgruppe wurde lediglich Kochsalz injiziert.

Nach Ablauf des geplanten sechsmonatigen Follow-up konnten die Daten von 228 Patienten in der Cefazolingruppe und von 242 in der Kochsalzgruppe ausgewertet werden. Insgesamt hatten 66 Patienten (14 %) innerhalb von 30 Tagen nach der Implantatentfernung eine SSI (Surgical Site Infection) entwickelt, 30 in der Antibiotikagruppe, 36 in der Vergleichsgruppe. Der Unterschied war mit 13,2 gegenüber 14,9 % nicht signifikant (p = 0,60).

Eine tiefe Wundinfektion hatten insgesamt acht Patienten entwickelt; davon befanden sich sieben in der Gruppe ohne Antibiotikum. Die Forscher weisen jedoch darauf hin, dass dieser numerische Unterschied statistisch gesehen ebenfalls nicht signifikant war. Auch im Hinblick auf die Lebensqualität und das funktionelle Ergebnis zeigte sich kein nennenswerter Unterschied. Die tiefen Wundinfektionen wurden überwiegend mittels chirurgischem Débridement behandelt, die oberflächlichen mit oralen Antibiotika. Die Behandlung resultierte in beiden Patientengruppen in vergleichbaren Zufriedenheitswerten (7,5 beziehungsweise 7,8 auf der Zehn-Punkte-VAS (Visuelle Analog-Skala).

Mit einem Anteil von 14 % war die SSI-Rate in der Studie überraschend hoch. Wie die Autoren betonen, überstieg sie sogar jene nach Frakturversorgung mit offener Reposition und interner Fixation. Diese war, bevor man die routinemäßige Antibiotikagabe eingeführt hatte, bei über 8 % gelegen.

Warum die einmalige Cefazolingabe nicht genügte, um die Patienten vor Wundinfektionen zu bewahren, bleibt unklar. Das Erstgenerations-Cephalosporin wird bei orthopädischen Eingriffen zur Frakturfixation in der Regel erfolgreich eingesetzt. Den Wissenschaftlern zufolge könnte das Studiendesign eine Rolle gespielt haben: So habe man etwa bereits in Fällen einer Wunddehiszenz ohne nachgewiesene Infektion die Verdachtsdiagnose SSI gestellt und entsprechend antibiotisch therapiert. In relativ vielen Fällen sei keine Kultur zur mikrobiologischen Abklärung angelegt worden. Und nicht zuletzt sei an die Möglichkeit von Biofilmen auf den Implantaten zu denken, durch die sich die Sensibilität für Antibiotika drastisch reduzieren könne.

Fazit: In der vorliegenden Studie gelang es nicht, durch einmalige intravenöse Gabe von 1.000 mg Cefazolin Wundinfektionen nach der Entfernung orthopädischer Implantate zuverlässig zu vermeiden. Die Autoren regen weitere Untersuchungen an, um herauszufinden, ob die gewählte Dosierung des Antibiotikums zu einer ausreichenden biologischen Verfügbarkeit im Unterschenkel führt. Auch sei es möglicherweise sinnvoll, in künftigen Studien die tiefe Wundinfektion, bei der sich zumindest ansatzweise ein Effekt der antibiotischen Infektionsprophylaxe gezeigt habe, als primären Endpunkt zu wählen. Die US-amerikanischen Centers for Disease Control and Prevention (CDC) empfehlen in ihren aktuellen Leitlinien generell keine Antibiotikaprophylaxe vor dem Herausnehmen orthopädischer Implantate. Dennoch gibt es Experten, die diese Maßnahme befürworten.

Literatur

  1. Backes M et al. Effect of Antibiotic Prophylaxis on Surgical Site Infections Following Removal of Orthopedic Implants Used for Treatment of Foot, Ankle, and Lower Leg Fractures. A Randomized Clinical Trial. JAMA. 2017;318(24):2438–45. https://doi.org/10.1001/jama.2017.19343CrossRefGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Elke Oberhofer
    • 1
  1. 1.

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