Ist das Ende der Pandemie in Sicht?

Is the end of the pandemic in sight?

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen,

das Jahr 2021 hat begonnen und ist für viele Menschen mit sehr vielen Hoffnungen verbunden, v. a. auch mit der Hoffnung auf wirksame Impfungen und eine hohe Impfbereitschaft, die neben dem gesundheitlichen Schutz eine weitestgehende Rückkehr zur Normalität ermöglichen soll und damit auch zu dem, was wir aus unserem „alten“ Leben vermissen.

Dennoch gibt es viel Ungewissheit darüber, was wir in den kommenden Wochen und Monaten erwarten können. Was wir im vergangenen Jahr erlebt haben, war auf der einen Seite geprägt von enorm großem Einsatz, Durchhaltevermögen sowie Klugheit und Kreativität vieler Menschen, um Patienten zu versorgen, Leben zu retten, Angehörige zu betreuen, unsere Kinder und Studierenden zu unterrichten oder unsere Wirtschaft am Laufen zu halten. Was wir aber auch erlebt haben, war eine große Verunsicherung, Angst und nicht zuletzt Irrationalität. Dass Menschen sich während einer Krise mit begrenzt verlässlichen Informationen so fühlen, ist normal. Die Pandemie hat uns aber auch erneut vor Augen geführt, wie schmal der Grat der Vernunft gerade in Krisenzeiten sein kann, wenn Menschen vehement gegen Maßnahmen demonstrieren, die uns alle schützen sollen.

Wir stehen vor einer der größten und komplexesten Impfkampagnen in der Geschichte unseres Landes. Die Einteilung von Personengruppen nach höchster, hoher und erhöhter Priorität hinsichtlich des Anspruchs auf Schutzimpfung ist erst der Anfang. Die logistische Herausforderung, möglichst zügig und gleichzeitig planvoll viele Menschen zu impfen, trifft auf eine sehr unterschiedliche Impfbereitschaft: diejenigen, die dringend darauf warten und nicht schnell genug geimpft werden können; die anderen, die zögerlich sind und erst einmal abwarten wollen, welche Erfahrungen mit den neuen Impfstoffen gesammelt werden; und diejenigen, die sich nicht impfen lassen möchten. Was dies z. B. für die Versorgung von Risikogruppen wie Krebspatienten bedeutet, ist im Einzelnen noch nicht ganz klar. Es gibt Hinweise, dass COVID-19 zu Verzögerungen bei der Diagnostik und dem Therapiebeginn geführt hat – teils weil Patienten aus Angst vor Ansteckung Termine abgesagt haben, teils weil z. B. Krebsoperationen verschoben oder Behandlungen verändert werden mussten [1, 2]. Diese Verzögerungen erhöhen die Besorgnis über die zukünftige Inzidenz und die Therapieergebnisse bei Krebspatienten. Dass eine Verzögerung der kurativen Behandlung unabhängig von COVID-19 das Sterberisiko erhöht, zeigen Daten einer aktuellen großen Metaanalyse [3] für 7 Tumorarten und für die Hauptbehandlungsmodalitäten Operation, systemische Behandlung und Strahlentherapie. Die kommenden Wochen und Monate werden zeigen, welche Auswirkungen die Impfung auf die Versorgung von Krebspatienten haben wird und welche Versorgungsstrategien sich längerfristig als erfolgreich erweisen werden.

Es wird mehrere Monate dauern, bis genug Menschen geimpft sein werden, um das normale Leben wieder aufnehmen zu können. Und – ein Impfstoff ist kein Ausschalter. Die Hygienemaßnahmen werden uns noch längere Zeit begleiten. Haben wir uns 2020 an die Normalität einer Pandemie gewöhnen müssen, steht uns mit der Impfkampagne und den vielfältigen Auswirkungen für die medizinische Versorgung in diesem Jahr eine neue große Herausforderung bevor.

Es ist mir eine besondere Freude, Sie als neue Schriftleiterin von FORUM begrüßen zu dürfen. Ich bin meinem Vorgänger und geschätzten Kollegen Florian Lordick sehr dankbar, dass ich eine so gut etablierte und viel gelesene Zeitschrift übernehme, die ein enorm breites Themenspektrum abdeckt. Ich freue mich ebenso über und auf die Zusammenarbeit mit Gabriele Staab, Managing Editorin, sowie mit Dr. Stefanie Schumacher-Schmidt, Teamleiterin der Springer Onkologie-Zeitschriften, und Claudia Kehl, Projekt-Koordinatorin. Wir beginnen das FORUM-Jahr 2021 mit dem wichtigen Thema onkologische Chirurgie und haben kompetente Autorinnen und Autoren für spannende Beiträge gewonnen.

Ich wünsche Ihnen viel Freude und neue Erkenntnisse beim Lesen

Ihre

Anja Mehnert-Theuerkauf

Literatur

  1. 1.

    American Society of Clinical Oncology (2020) COVID-19 patient care information. https://www.asco.org/asco-coronavirus-information/care-individuals-cancer-during-covid-19. Zugegriffen: 08.01.2021

  2. 2.

    European Society for Medical Oncology (2020) Cancer patient management during the COVID-19 pandemic. https://www.esmo.org/guidelines/cancer-patient-management-during-the-covid-19-pandemic. Zugegriffen: 08.01.2021

  3. 3.

    Hanna TP, King WD, Thibodeau S, Jalink M, Paulin GA, Harvey-Jones E, O’Sullivan DE, Booth CM, Sullivan R, Aggarwal A (2020) Mortality due to cancer treatment delay: systematic review and meta-analysis. BMJ 371:m4087. https://doi.org/10.1136/bmj.m4087

    Article  PubMed  PubMed Central  Google Scholar 

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Mehnert-Theuerkauf, A. Ist das Ende der Pandemie in Sicht?. Forum 36, 1–2 (2021). https://doi.org/10.1007/s12312-020-00894-w

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