Multidisziplinäre Erfolge in der Bekämpfung des kolorektalen Karzinoms

Multidisciplinary success in the fight against colorectal cancer

Das kolorektale Karzinom ist eine der führenden krebsbedingten Erkrankungs- und Todesursachen. Im Jahr 2016 erkrankten in Deutschland 25.990 Frauen und 32.300 Männer neu an einem kolorektalen Karzinom, fast 25.000 Menschen verstarben daran [2]. Während das mittlere Erkrankungsalter für Frauen bei 76 Jahren liegt, erkranken Männer 4 Jahre früher. Das Lebenszeitrisiko, an einem kolorektalen Karzinom zu erkranken bzw. zu versterben, liegt bei Frauen bei 4,9 % bzw. 2,3 % und bei Männern bei 6,0 % bzw. 2,8 %. Zwischen 2003 und 2012, den ersten 10 Jahren nach Einführung der Vorsorgekoloskopie ab dem 55. Lebensjahr in Deutschland, ist die Darmkrebsinzidenz in den Altersgruppen ab 55 Jahren um 17–26 % zurückgegangen [1].

Die 3 parallelen Bemühungen zur Senkung von Inzidenz und Mortalität mittels Risikofaktormodifikation, Screening und multimodaler Therapie zeigen Erfolge [4]. Lebens- und Ernährungsgewohnheiten in den Ländern der westlichen Welt tragen ganz wesentlich zur hohen Inzidenz des kolorektalen Karzinoms bei. Wesentliche Faktoren sind Übergewicht, mangelnde körperliche Bewegung und eine ungesunde Ernährung. Epidemiologische Daten deuten an, dass etwa 50 % aller kolorektalen Karzinome auf Lebensstilfaktoren zurückgeführt werden können [3]. Eine wichtige Herausforderung bleibt die Identifikation von Risikogruppen, insbesondere Personen mit hereditären Darmkrebssyndromen. Neben der Modifikation von Risikofaktoren haben vor allem Screening und Früherkennung zu einer Senkung der Inzidenz und damit auch der Mortalität des kolorektalen Karzinoms beigetragen. Eine ganz wesentliche Rolle kommt hier der Koloskopie zu, da sie präkanzeröse Polypen detektieren und auch gleichzeitig therapieren kann. Durch die Integration der sog. künstlichen Intelligenz in die endoskopische Bildtechnik kann die Detektionsrate von Adenomen in Studien signifikant weiter erhöht werden. Neuere endoskopische Techniken, wie die Submukosadissektion und die Vollwandresektion, haben zu einer weiteren Ausweitung der interventionellen Möglichkeiten beigetragen.

Ein zentraler Fortschritt in der Therapie des kolorektalen Karzinoms ist die Umsetzung der wissenschaftlichen Evidenz in der täglichen Routine. Hier kommt der Etablierung von evidenzbasierten Empfehlungen, wie in der S3-Leitlinie zum kolorektalen Karzinom, und der zunehmend standardisierten und qualitätsgesicherten Behandlung von Darmkrebspatienten in interdisziplinären zertifizierten Darmkrebszentren eine besondere Rolle zu. Die Behandlung in einem Darmkrebszentrum geht dabei nachweislich sowohl mit einer geringeren Krankenhaussterblichkeit als auch mit einem längeren Gesamtüberleben einher.

Die Molekularbiologie hat auf verschiedenen Ebenen Einzug in die Diagnostik und Therapie von Patienten mit kolorektalem Karzinom gehalten. So gehören Mikrosatellitenanalysen und die Bestimmung des RAS- und RAF-Mutationsstatus mittlerweile in die tägliche Routine zur Steuerung der medikamentösen Tumortherapie. Zukünftig werden diese Analysen nicht nur aus dem Tumorgewebe, sondern als Liquid Biopsy auch aus dem Blut regelhaft erfolgen. Darüber hinaus steht zu erwarten, dass molekulare Analysen aus dem Blut auch neue Ansätze für das Screening bieten werden.

In der aktuellen Ausgabe von Der Gastroenterologe haben wir Artikel zu diesen verschiedenen Aspekten des kolorektalen Karzinoms für Sie zusammengestellt, die Ihnen beim Lesen einen detaillierten Überblick – bearbeitet von namhaften Spezialisten – erlauben. Wir wünschen viel Freude beim Lesen und dem damit verbundenen Erkenntnisgewinn.

Literatur

  1. 1.

    Brenner H, Schrotz-King P, Holleczek B, Katalinic A, Hoffmeister M (2016) Declining Bowel Cancer Incidence and Mortality in Germany. Dtsch Arztebl Int 113:101–106

    PubMed  PubMed Central  Google Scholar 

  2. 2.

    RKI (2020) Krebs in Deutschland | 2015/2016 | Darm C8-C20. https://www.krebsdaten.de/Krebs/DE/Content/Publikationen/Krebs_in_Deutschland/kid_2019/kid_2019_c18_c20_darm.pdf?__blob=publicationFile. Zugegriffen: 29. Apr. 2020

  3. 3.

    Islami F, Goding Sauer A, Miller KD, Siegel RL, Fedewa SA, Jacobs EJ et al (2018) Proportion and number of cancer cases and deaths attributable to potentially modifiable risk factors in the United States. CA Cancer J Clin 68:31–54

    Article  Google Scholar 

  4. 4.

    Zauber AG (2015) The impact of screening on colorectal cancer mortality and incidence: has it really made a difference? Dig Dis Sci 60:681–691

    Article  Google Scholar 

Download references

Author information

Affiliations

Authors

Corresponding authors

Correspondence to Prof. Dr. R. Jakobs or Prof. Dr. F. Kolligs.

Ethics declarations

Interessenkonflikt

R. Jakobs und F. Kolligs geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Rights and permissions

Reprints and Permissions

About this article

Verify currency and authenticity via CrossMark

Cite this article

Jakobs, R., Kolligs, F. Multidisziplinäre Erfolge in der Bekämpfung des kolorektalen Karzinoms. Gastroenterologe 15, 257–258 (2020). https://doi.org/10.1007/s11377-020-00454-7

Download citation