Nach Tonsillektomie

Eagle-Syndrom durch Styloid-Fraktur

Die Rachenmandeln war der junge Mann los, es folgten pochende Halsschmerzen und Schluckstörungen. HNO-Ärzte entfernten schließlich aus dem parapharyngealen Raum eine knöcherne Masse. Offenbar war bei der Tonsillektomie der Griffelfortsatz zerbrochen.

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© Prostock-Studio / Getty Images / iStock (Symbolbild mit Fotomodell)

Vielleicht waren die Chirurgen bei der Tonsillektomie etwas zu rabiat - jedenfalls entwickelte ein junger Mann nach dem Eingriff pochende Halsschmerzen und eine Dysphagie, die mit hoher Wahrscheinlichkeit von einer Fraktur des Griffelfortsatzes bei der Operation herrührte. Ärzte um Dr. Monica Azmy vom Montefiore Medical Center in New York fanden Monate später im parapharyngealen Raum eine knöcherne Masse, welche die Beschwerden verursachte, jedoch keinen ipsilateralen Processus styloideus und auch kein Ligamentum stylomandibulare.

Der Mann stellte sich den HNO-Experten drei Monate nach Beginn der Beschwerden vor. Die Schmerzen hatten sich kurz nach der Entfernung der Tonsillen eingestellt. Er war daraufhin ohne großen Erfolg von einem niedergelassenen Arzt mit Antibiotika behandelt worden.

Styloidfragment als Grund für Beschwerden?

Die körperliche Untersuchung in der Klinik ergab keine Auffälligkeiten, im CT erkannten die Ärzte eine Kalzifikation im rechten parapharyngealen Raum. Eine MRT-Angiografie im Halsbereich war unauffällig.

Zunächst versuchten die HNO-Experten durch den Mund peritonsillar an die Stelle zu kommen, was aber nicht gelang - der Eingriff verlief ohne Befund, der Patient hatte noch immer Schmerzen. Schließlich probierten sie es transzervikal. Während der Op. bemerkten sie das fehlende Ligamentum stylomandibulare und fanden an dessen Stelle eine 7 mm große knöcherne Masse umgeben von Bindegewebe. Die Beschwerden verschwanden nach der Extraktion der Masse komplett.

Ligamentum stylomandibulare gerissen

Vermutlich dislozierte der Mundsperrer bei der Tonsillektomie den Kiefer, wodurch das Ligamentum stylomandibulare riss und ein Teil des Styloids abbrach, was zu dem knöchernen Fragment führte, so die Erklärung der Ärzte um Amzy. Dies löste dann die typischen Eagle-Syndrom-Beschwerden aus. Möglicherweise hatte der Patient einen verlängerten Griffelfortsatz oder ein bereits kalzifiziertes Ligament, weshalb er besonders empfänglich für Verletzungen in diesem Bereich war, vermuten die Experten. Da kein CT vom Zeitpunkt vor der Tonsillektomie vorlag, bleibt dies jedoch eine Hypothese.

Stimmt sie, handle es sich hier um die erste Beschreibung einer iatrogenen Stylalgie durch ein Knochenfragment nach einem HNO-Eingriff, schreiben die Ärzte. Neben den klassischen Ursachen für ein Eagle-Syndrom wie verlängerte Styloide und kalzifizierte Ligamente sollten Ärzte auch traumatische Ereignisse nach HNO- oder Zahn-Kiefer-Operationen als Gründe für Halsschmerzen und Dysphagie in Betracht ziehen, geben die Experten um Azmy zu bedenken.

Azmy MC et al. A Curious Case of Persistent Throat Pain - Bone Fragment in the Parapharyngeal Space. Jama Otolaryngol Head Neck Surg 2020; https://doi.org/10.1001/jamaoto.2020.1583

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Müller, T. Eagle-Syndrom durch Styloid-Fraktur. CME 18, 7 (2021). https://doi.org/10.1007/s11298-020-1876-z

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