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ProCare

, Volume 23, Issue 3, pp 32–32 | Cite as

Die Motivation fördern

Sport & Ernährung bei Krebs
  • Springer Fachmedien Wiesbaden
schwerpunkt onkologie
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Eine Krebserkrankung bedeutet enormen Stress. Mit Bewegung und Sport sowie der richtigen Ernährung können Betroffene selbst viel dazu beitragen, den Krankheitsverlauf positiv zu beeinflussen und ihre Lebensqualität deutlich zu verbessern. Allerdings führt der erkrankungs- und behandlungsbedingte Stress dazu, dass Antrieb und Aktivität des Patienten sinken. Pflegepersonen können hier sehr viel bewirken und die Motivation individuell fördern.

Die Pflege — nah am Patienten und einflussreich

Die positiven Auswirkungen von Sport auf den Krebspatienten sind vielfältig, wie Claudia Pferschy, Gesundheits- und Krankenpflegekraft im KH Oberwart und selbst aktive Athletin, bei den 17. Onkologischen Wintergesprächen von Novartis im Jänner in Wien erklärte: Die körperliche Fitness sorgt dafür, dass der Betroffene über mehr Reserven verfügt, was speziell bei den belastenden Therapien wichtig ist, und Sport senkt den Insulin- und Leptinspiegel. Weil die im Fettgewebe gespeicherten Hormone das Tumorwachstum fördern, senkt er durch den Abbau von Fettgewebe das Risiko eines Krankheitsrückfalls. Sport wirkt gegen Muskelabbau und gegen Fatigue, er fördert die Erneuerung der Mitochondrien und verbessert dadurch die Zellatmung und schließlich hebt Sport auch das Selbstbewusstsein. Das große Hindernis, diese Erkenntnisse umzusetzen, sind die Motivation und die Fatigue als Begleiterscheinung der Erkrankung und der Therapie. Das Programm muss dem Patienten daher angepasst werden, um zu funktionieren. „Wichtig“, so Pferschy, „sind die persönlichen Interessen. Jeder soll sich Aktivitäten aussuchen, die er gerne macht.“ Alles, was die Muskeln beansprucht und das Wohlbefinden steigert, ist erlaubt. Daher können auch Tanzen und Motorradfahren als Bewegungsmöglichkeit mit dem Patienten vereinbart werden — und die Wahrscheinlichkeit, dass der Betroffene aktiv wird, steigt damit beträchtlich.

Damit lässt sich die Abwärtsspirale umkehren: Aktiv am Genesungsprozess mitzuwirken, Chemotherapie-Nebenwirkungen wie auch die chronische Müdigkeit zu reduzieren, das Nachlassen der Ängste und eine Zunahme der mentalen Kräfte sowie weniger Schmerz-, Schlaf- und Beruhigungsmittel tragen zu einer spürbaren und auch objektiv messbaren Verbesserung der Lebensqualität bei und führen wieder zu einer aktiven Teilnahme am sozialen Leben. Eine oft drohende Vereinsamung lässt sich vermeiden und ein positiver Kreislauf wird in Gang gesetzt. „Sport kann Einschränkungen entgegenwirken“, so Pferschy. Wichtig seien — wenn möglich — sowohl Ausdauertraining wie Schwimmen, Walking oder Dauerlauf, als auch Krafttraining an Maschinen oder mit Hanteln, die die Motorik und Koordination verbessern, ebenso wie Beweglichkeits- und Entspannungstraining.

Vorsicht ist bei bestimmten Sportarten und Begleiterkrankungen geboten. So etwa bei Patienten, die bereits Knochenmetastasen aufweisen — hier eignen sich Schwimmen oder Radfahren am Ergometer als schonende Varianten. Bei Herzinsuffizienz, akuten allergischen Reaktionen, fieberhaften Infekten, unter Antibiotikatherapie oder bei Diabetes sei Sport kon-traindiziert, stellte Pferschy fest. Auch hier gilt: Auf die individuelle Konstitution und das richtige Maß kommt es an.

Zielgerichtete Anleitung zu mehr Bewegung sollte bereits während des stationären Aufenthalts beginnen — mit Physiotherapie, Krafttraining im Bett oder Stiegensteigen. Ziel ist, eine Schwächung möglichst zu vermeiden oder einzubremsen und mit frühzeitiger Information und präventiven Maßnahmen die positiven Wirkungen von Sport und Bewegung bestmöglich zu nützen.

Ernährung kann Symptome bessern

Bewegung ist auch in Hinblick auf eine angestrebte Gewichtsreduktion notwendig, idealerweise in Kombination mit einer bewussten Ernährung. Denn die Hälfte der Patienten nimmt innerhalb eines Jahres nach Diagnose, vor allem während der Chemotherapie, fünf bis sechs Prozent Gewicht zu, stellte Claudia Petru, Diätologin aus Graz, fest. Die Erkrankung bringt meist das gesamte Leben des Betroffenen durcheinander: Medikamente können die Gewichtszunahme ebenso fördern wie die Fatigue. Patienten schonen sich bewusst, ändern ihre Essgewohnheiten und Bewegungsmuster und der Hormonspiegel ändert sich ebenfalls. Dem sollte mit gezielten Maßnahmen gegengesteuert werden, betonte Petru. Bei Krebspatienten sei jedenfalls zwischen gesunder und symptomspezifischer Ernährung zu unterscheiden. Dies gelte sowohl bei Nebenwirkungen wie der Xerostomie, wo saure Lebensmittel den Speichelfluss fördern und damit die Beschwerden lindern — als auch bei der Stabilisierung des Gewichts. Durch die Nähe zum Patienten können Gesundheits- und Krankenpflegepersonen wertvolle Unterstützung geben.

Photo © Halfpoint / Getty Images / iStock

Zu Beginn einer Ernährungsberatung sollte jeweils die Ist-Analyse mit einem Ernährungsprotokoll stehen, um sich die tatsächliche Nährstoffaufnahme bewusst zu machen. Empfehlungen reichen von Lebensmitteln mit geringerer Energiedichte, also weniger Kalorien, über das Weglassen zuckerhaltiger Getränke und den Umgang mit Süßhunger bis zu einer Limitierung des Essenzeitraums pro Tag und Bewegung. Drastische Diäten sollten jedoch verhindert werden, so Petru, denn: „Alles, was extrem ist, kann auch in dieser Phase mehr schaden als nützen.“

Quelle: Novartis Onkologische Wintergespräche Session Onkologisches Pflegepersonal- in Kooperation mit AHOP Freitag, 12. 1. 2018r

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© Springer-Verlag Wien 2018

Authors and Affiliations

  • Springer Fachmedien Wiesbaden
    • 1
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