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Editorial

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Liebe Leserinnen und Leser,

als „langen Sommer der Migration“ bezeichneten die Migrationsforscher Vassilis Tsianos und Bernd Kasparek das Jahr 2015, in dem die Zuwanderung nach Deutschland ihren bisherigen Höhepunkt erreichte. Bis heute prägt er die öffentliche Debatte und das politische Klima hierzulande. Schon jetzt dürfte es daher gerechtfertigt sein, von einem Meilenstein, vielleicht auch einer Zäsur in der jüngsten Zeitgeschichte zu sprechen. Migration im Allgemeinen und Fluchtmigration im Besonderen gehören jedoch seit jeher zur Geschichte der Menschheit; auch in Deutschland gibt es sie und die damit verbundenen Debatten nicht erst heute. Zugleich ist Migration ein „Urthema“ der Geographie, aus dem sich viele praktische Fragen ergeben. Den Phänomenen „Flucht und Migration“ eine eigene Ausgabe des STANDORT zu widmen, lag also auf der Hand. Dabei wird das Thema etwas umfassender behandelt, als es in der aufgeregten Debatte derzeit häufig der Fall ist.

Gegenwärtig sind weltweit über 65 Mio. Menschen auf der Flucht, die Hälfte davon sind Minderjährige und Kinder. Nur ein kleiner Teil von ihnen beabsichtigt, nach Europa zu gelangen.

Das vorliegende Heft richtet den Blick daher nicht nur auf das Ankunftsland Deutschland, es thematisiert auch, in welchen Aufbruchskontexten internationale Migrationsströme aktuell entstehen. Die Beiträge von Andreas Spaeth, Stefan Bepler und Olaf Haub erörtern, unter welchen Bedingungen Menschen ihre Heimat im subsaharischen Afrika, an der Westküste von Myanmar sowie auf den Philippinen verlassen; sie ordnen das Migrationsgeschehen in diesen Räumen auch historisch ein.

Die Artikel von Marie-Sophie Deuter, Susen Engel, Anna Mantel, Michael Noack, Henning Nuissl, Jörg Weingarten und Jale Wohlert beleuchten verschiedene Facetten von Ankunft und Integration in Deutschland. Sie gehen beispielsweise ein auf die Chancen für Stadtentwicklung und regionale Ökonomie, die die jüngste Zuwanderung bieten kann, beleuchten aber auch kritische Aspekte wie die räumliche Verteilung und Unterbringung geflüchteter Menschen in den Kommunen. Weiterhin geht es um die mangelnde Einbeziehung bereits ansässiger Migranten-Communities in die politisch forcierten Integrationsbemühungen sowie um die latente Diskriminierungsgefahr. Den Auftakt macht der Artikel von Andreas Pott und Antonie Schmiz mit einem komprimierten und erhellenden Abriss der geographischen Migrationsforschung und ihrer gegenwärtigen Herausforderungen. Abgerundet wird das Heft durch ein Interview mit Prof. Almohamad, der selbst jüngst aus Syrien geflohen ist.

Eine spannende Lektüre wünschen

Henning Nuissl

Stefan Bepler

Andreas Spaeth

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© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.BerlinDeutschland
  2. 2.HeuchelheimDeutschland
  3. 3.LeunDeutschland

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