Manuelle Medizin

, Volume 56, Issue 2, pp 119–121 | Cite as

European Journal of Manual Medicine

Warum dieser neue Untertitel?
Editorial
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European Journal of Manual Medicine

Why this new subtitle?

Liebe Leserinnen,

liebe Leser,

wir Menschen sind ja manchmal etwas unaufmerksam, aber sicher haben doch viele von Ihnen bemerkt, dass sich der Untertitel unserer Zeitschrift gewandelt hat.

Bis Heft 12 im Jahr 2017 hatte die Zeitschrift den Untertitel Chirotherapie | Manuelle Therapie | Ärztliche Osteopathie | Ärztliche Chiropraktik | Muskuloskeletale Medizin.

Der neue Untertitel ab Heft 1 2018 lautet: European Journal of Manual Medicine.

Mit dem bisherigen Untertitel sollte darauf hingewiesen werden, dass manuelle Diagnostik und Behandlung historisch und marktorientiert mit unterschiedlichen Bezeichnungen entwickelt und angeboten wurden und werden. Die zugrunde liegenden Konzepte haben aber sehr große Schnittmengen, nämlich die Ausrichtung auf die Funktion und Funktionsstörung, und sind damit auf die Funktionskrankheit des Bewegungssystems gerichtet. Diese Konzepte, ihre wissenschaftlichen Grundlagen und die vorhandenen praktischen Erfahrungen einer breiten Leserschaft mitzuteilen, ist und bleibt das Ziel unserer Zeitschrift; „Manuelle Medizin“ steht dafür als der beste Oberbegriff [1, 2].

In Europa besteht die Situation, dass Funktionsstörungen am Bewegungssystem sowie die damit verbundenen Aktivitätseinschränkungen und Schmerzen der Patienten unter verschiedenen Begriffen Gegenstand der Leistungen von Ärzten und Physiotherapeuten sind. Die in Großbritannien vor einigen Jahren ins Leben gerufene englischsprachige Zeitschrift International Musculoskeletal Medicine hat nicht den erhofften Erfolg erzielt.

Unsere Ergebnisse sollen einem breiteren Interessentenkreis geöffnet werden

Die Deutsche Gesellschaft für Manuelle Medizin (DGMM) sowie die Österreichische und Schweizerische Ärztegesellschaft für Manuelle Medizin entschlossen sich daher, den neuen, auf Europa gerichteten Untertitel für ihre Zeitschrift zu wählen. Die Gesellschaften, die Herausgeber und der Verlag verbinden damit die Erwartung, zukünftig auch Beiträge aus anderen europäischen Ländern publizieren und die eigenen Ergebnisse einem breiteren Interessentenkreis zuführen zu können. Dazu gehört aber auch, dass zusätzlich zu den bisher schon veröffentlichten englischen Zusammenfassungen auch ganze Beiträge in englischer Sprache publiziert werden können, wenn diese internationalen Ansprüchen genügen. In diesen Fällen wird eine deutschsprachige Zusammenfassung mit veröffentlicht. Bei den englischen Beiträgen besteht dann die Möglichkeit, diese als Open-Access-Publikation frei zugänglich zu machen – ein Verfahren, das zunehmend auch in der medizinischen wissenschaftlichen Literatur Verbreitung findet und in einigen Ländern staatlich gefördert wird. Im Falle der Zeitschrift Manuelle Medizin haben sich die DGMM und der Springer Medizin Verlag entschieden, diesen Weg gemeinsam zu gehen und Open-Access-Publikationen finanziell zu fördern.

Die Arbeit „Reliability of functional findings. Delphi process and reliability study for tests of somatic dysfunction in patients with chronic tension headache“ von Niemier et al. eröffnet die Publikation englischsprachiger Beiträge. Die Autoren haben ein Studienprotokoll entwickelt, um die von Manualmedizinern erhobenen Daten hinsichtlich der Relevanz somatischer Funktionsstörungen für die Pathogenese des chronischen Spannungskopfschmerzes zu untersuchen. Im Ergebnisse wurden 38 verschiedene klinische Tests als relevant für chronischen Spannungskopfschmerz identifiziert. Aufgrund der Interrater-Reliabilität wurde eine Untergruppe von Tests als relevant bei chronischem Spannungskopfschmerz angenommen.

Passend dazu berichten Pothmann et al. über die vielversprechenden Ergebnisse ihrer prospektiven, randomisierten, bizentrischen Studie mit 71 unter Kopfschmerzen leidenden Kinder im Alter von 6 bis 17 Jahren. Ein „kritisches Review der Evidenzlage zu komplexen funktionellen multimodalen Behandlungskonzepten und funktionellen monomodalen Behandlungsansätzen für Kinder und Jugendliche mit infantiler Zerebralparese“ erstellte Niemier.

Schneider et al. widmeten sich dem Stellenwert der Entität des Tennisellenbogen und erläutern die konservativen manuellen sowie die operativen Behandlungsmöglichkeiten.

Mokov und Kollegen zeigen in ihrer Studie, dass die Zunahme der Hüftabduktion im Patrick-Test nicht nur als ein Zeichen der Beseitigung von Funktionsstörungen der Lenden-Becken-Hüft-Region, z. B. nach einer erfolgreichen manualmedizinischen Behandlung, angesehen werden kann, sondern möglicherweise auch ein Prädiktor für die Schmerzlinderung in dieser Körperregion und die Reduktion der entsprechenden funktionellen Beeinträchtigungen im Alltag ist.

Lauenroth et al. fanden in ihren Untersuchungen, dass die Ganggeschwindigkeit einen großen Einfluss auf die Kinematik des Gangs auf dem Laufband hat und folglich die Interpretation der Gangdaten in der klinischen Praxis unter Berücksichtigung der Ganggeschwindigkeit erfolgen sollte.

Bitte zögern Sie nicht, auch Ihre eigenen Erfahrungen, Meinungen sowie wissenschaftlichen und praktischen Ergebnisse Ihren Kollegen mitzuteilen, nun möglicherweise auch über die Grenzen der deutschsprachigen Länder hinaus.

Mit besten Grüßen

Lothar Beyer

Notes

Interessenkonflikt

L. Beyer gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

  1. 1.
    DeStefano L (2010) Greenman’s Principles of Manual Medicine. Point (Lippincott Williams & Wilkins), PhiladelphiaGoogle Scholar
  2. 2.
    Lewit K (2007) Manuelle Medizin bei Funktionsstörungen des Bewegungsapparates. Elsevier, MünchenGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Ärztehaus Mitte JenaJenaDeutschland

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