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Manuelle Medizin

, Volume 53, Issue 5, pp 321–324 | Cite as

Zum 80. Geburtstag von Univ. Prof. Dr. Hans Tilscher

  • A. Lechner
Laudatio
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On the 80th birthday of Univ. Prof. Hans Tilscher

Hans Tilscher (Abb. 1) wurde am 29.8.1935 geboren. 1954 legte er die Reifeprüfung am Bundesrealgymnasium in Wien ab. Noch im gleichen Jahr begann er das Medizinstudium, das er sich durch verschiedene Nebentätigkeiten (Sportlehrer, Volkstanzlehrer, Hauslehrer und Schankbursche) selbst finanzierte. Im Jahr 1961 promovierte er zum Doktor der gesamten Heilkunde.
Abb. 1

Univ. Prof. Dr. Hans Tilscher (Mit freundl. Genehmigung)

Von 1961 bis 1965 absolvierte Hans Tilscher im Wilhelminenspital der Stadt Wien seine Ausbildung zum praktischen Arzt (Arzt für Allgemeinmedizin). Mit dem Ius Practicandi wurde ihm die Berechtigung zur selbstständigen Berufsausübung in Österreich verliehen.

Hans Tilscher setzte seine Berufslaufbahn aber nicht als Arzt für Allgemeinmedizin fort, sondern ließ sich von 1965 bis 1969 zum Facharzt für Orthopädie und orthopädische Chirurgie im Orthopädischen Spital Wien Speising ausbilden.

1969 wurde die neuroorthopädische Ambulanz an der Wiener Neurologischen Universitätsklinik mit Prof. Franz Gerstenbrand gegründet, die Hans Tilscher bis zum Jahr 1981 als Voluntär leitete.

1969 eröffnete Hans Tilscher auch seine Facharztpraxis in Wien-Floridsdorf. Nach 20 Jahren legte er seine Kassenvertragsarzttätigkeit nieder, als Wahl- und Privatarzt trifft man Hans Tilscher auch heute noch 3-mal pro Woche in seiner Ordination an.

Im ereignisreichen Jahr 1969 eröffnete Hans Tilscher am Sonntag, den 27. Juli, den D-Kurs (Diagnostikkurs für Chirotherapie) im Sitzungssaal der Gemeinde Pörtschach am Wörthersee (Kärnten) mit 18 Teilnehmern. Es waren z. T. auch Ärzte anwesend, die, obwohl schon nahe dem Berufsende, noch einmal Handgriffe lernen wollten, um sich damit ein Zubrot zur Pension zu sichern. Nach einer kurzen theoretischen Einführung wurde auf hölzernen Schreibtischen geübt. Glücklich konnten jene sein, die ein Sitzpolster ergatterten, um beispielsweise den Gegenhaltegriff bei der Manipulation der Brustwirbelsäule nicht mit voller „Härte“ verspüren zu müssen. Diese Kursleitung wurde Hans Tilscher von Hans-Dieter Wolff übertragen, der diese Kurse ursprünglich selbst durchführte.

1970 wurde Hans Tilscher von der Deutschen Gesellschaft für Manuelle Medizin mit der Leitung manualmedizinischer Kurse in Deutschland beauftragt. Bis 1992 leitete er beispielsweise in Boppard auch Abschlusskurse für manuelle Medizin (Abb. 2).
Abb. 2

Univ. Prof. Dr. Hans Tilscher bei der manualmedizinischen Behandlung: (Rotations-)Manipulation LWS-Gegentechnik in Seitenlage. x Punctum fixum – Verriegelung (Gegenhalt) kaudal über Dornfortsatz und Becken. Pfeile Punctum mobile – Manipulation kranial über Dornfortsatz und Schulter (Mit freundl. Genehmigung)

1970 kam es zu den ersten Kontakten mit Prof. Manfred Eder und auch mit den sog. Randgebieten der Medizin (Akupunktur, Neuraltherapie, Homöopathie usw.).

1971 gründete Hans Tilscher die erste Abteilung für Konservative Orthopädie und Rehabilitation im deutschen Sprachraum, und zwar im Orthopädischen Spital Wien Speising. Das vorrangige Ziel dieser Abteilung waren Diagnose, Therapie und Rehabilitation von Störungen des Stütz- und Bewegungsapparates mit dem Schwerpunkt Wirbelsäule.

1973 erfolgte die Gründung einer Ludwig Boltzmann Forschungsstelle für Rehabilitation, später Ludwig-Boltzmann-Institut für Konservative Orthopädie und Rehabilitation.

1982 habilitierte Hans Tilscher an der Universität Innsbruck für „Konservative Orthopädie unter besonderer Berücksichtigung der manuellen Medizin“.

Ohne Unterbrechung ist Univ. Prof. Hans Tilscher seit 1982 Präsident der Österreichischen Ärztegesellschaft für Manuelle Medizin.

1988 wurde ihm der Berufstitel außerordentlicher Universitätsprofessor verliehen.

Als Präsident der Internationalen Gesellschaft für Manuelle Medizin (FIMM) von 1992–1995 war Hans Tilscher auch Veranstalter des FIMM-Kongress 1995 in der Wiener Hofburg mit ca. 600 Teilnehmern.

Es seien nur einige der vielen internationalen und nationalen Auszeichnungen im Leben von Hans Tilscher erwähnt:
  • 1987 Verleihung der Ernst-von-Bergmann-Plakette durch die Deutsche Bundesärztekammer für die Verdienste um die ärztliche Fortbildung

  • 1995 Ehrenmitglied der Internationalen Gesellschaft für Manuelle Medizin

  • 1994 Verleihung des Österreichischen Ehrenkreuzes 1. Klasse des Bundesministeriums für Wissenschaft und Kunst und Verleihung des Goldenen Ehrenzeichens des Landes Wien

  • 1999 Päpstliches Komturkreuz des Silvesterordens, überreicht von Kardinal Dr. Christoph Schönborn

  • 1999 Verleihung des Großen Goldenen Ehrenkreuzes des Landes Kärnten, Ehrenmitglied der Medizinischen Gesellschaft für Oberösterreich und Ehrenmitglied der Österreichischen Schmerzgesellschaft

  • 2002/2003 Ehrenpräsident und Ehrenmitglied des Berufsverbandes der Österreichischen Fachärzte für Orthopädie und orthopädische Chirurgie

  • 2004 Goldenes Ehrenzeichen der Ärztekammer für Wien

Univ. Prof. Hans Tilscher ist Verfasser von fast 500 Publikationen, davon 16 Büchern, und auch Herausgeber von zahlreichen VHS-Bändern, DVDs, CDs zum Thema Prävention von Wirbelsäulenstörungen.

Beispiele:
  • Eder M., Tilscher H.: Schmerzsyndrome der Wirbelsäule

  • Eder M., Tilscher H.: Du und Deine Wirbelsäule.

  • Eder M., Tilscher H.: Chirotherapie – vom Befund zur Behandlung

  • Tilscher H. Eder M.: Manuelle Medizin – konservative Orthopädie

  • Tilscher H., Eder M.: Der Wirbelsäulenpatient

  • Tilscher H., Eder M.: Der Kreuzschmerz im Wechsel der Lebensabschnitte

  • Tilscher H., Eder M.: Die Wirbelsäulenschule aus ganzheitsmedizinischer Sicht

  • Tilscher H., Eder M: Die Wirbelsäulenschule

  • Tilscher H., Eder M.: Lehrbuch der Reflextherapie – konservative Orthopädie

  • Tilscher H., Eder M.: Infiltrationstherapie.

  • Tilscher H., Eder M.: Die Klinik der Wirbelsäule – Befunderhebung, Therapieplanung

  • Tilscher H.: Die Wirbelsäule der Frau

  • Tilscher H.: Die Rehabilitation von Wirbelsäulengestörten

  • Tilscher H.: Ursachen für Lumbalsyndrome

  • Tilscher H.: Richtig bewegen im Alter – ein orthopädischer Ratgeber für Senioren

  • Tilscher H.: Auch Ärzte haben Gefühle – Anekdoten aus dem Medizinerleben

  • Bergmann H., Bischko H., Gerstenbrand F., Klingler D., Steinbereithner K., Tilscher H. (Hrsg): Moderne Schmerzbehandlung

  • Tilscher H., Wessely P., Eder M., Porges P., Jenkner F. (Hrsg): Kopfschmerzen – zur Diagnostik und Therapie von Schmerzformen außer Migräne

  • Tilscher H., Hanna M. (Hrsg): Die gestörte Wirbelsäule. Diagnose – Therapie – Rehabilitation – Prävention

Unzählige Artikel hat Hans Tilscher auch für unsere Zeitschrift „Manuelle Medizin“ verfasst. Einige Beispiele nur aus der letzten Zeit:
  • 2010: Die Bedeutung der bildgebenden Verfahren in der konservativen Orthopäde und manuellen Medizin

  • 2010: Klinisch-manualmedizinische Untersuchungstechniken am Bewegungsapparat

  • 2011: Die alternde Hand

  • 2011: Infiltrationstherapie bei alternden Menschen

  • 2011: Der alternde Bewegungsapparat

  • 2011: Das alternde Knie

  • 2011: Manuelle Medizin – konservative Orthopädie

  • 2012: Blockierung versus Hypermobilität

  • 2013: Die Halswirbelsäule der Frau

  • 2013: Die Wirbelsäule der Frau

  • 2015: Das Zervikalsyndrom – konservativ-orthopädische Aspekte

  • 2015: Das Zervikalsyndrom als Aufgabe der manuellen Medizin und konservativen Orthopädie

Hans Tilscher organisierte auch viele Symposien und Kongresse, z. B.
  • 1986: Symposium „Der nichtmigränische Kopfschmerz“, Universitätsklinik Wien

  • 1989: Symposium „Der Kreuzschmerz im Wechsel der Lebensabschnitte“, Universitätsklinik Wien

  • 1991: I. Kongress „Wirbelsäulenstörungen – ihre Erkennung und Vermeidung aus ganzheitlicher Sicht“, Universitätsklinik Wien, Hörsaalzentrum

  • 1992: II. Kongress für „Wirbelsäulenstörungen – ihre Erkennung und Vermeidung aus ganzheitlicher Sicht“, Budocenter Wien

  • 1995: 11. Internationaler Kongress für Manuelle Medizin, FIMM, Hofburg, Wien

  • 1998: Symposium „30 Jahre Manuelle Medizin in Pörtschach“, Congress-Center Pörtschach

  • 1998: Symposium „25 Jahre Ludwig Boltzmann Institut für Konservative Orthopädie und Rehabilitation“, Orthopädisches Spital, Wien

  • 2001: Kongress „30 Jahre Abteilung für Konservative Orthopädie – manuelle Medizin und verwandte Methoden“, Orthopädisches Spital Wien

  • 2002: Kongress „Der Rückenschmerz“, Hilton Wien

  • 2003: Kongress „30 Jahre Ludwig Boltzmann Institut. Der Mensch mit seinen Störungen des Stütz- und Bewegungsapparates“

  • 2004: Jubiläumstagung 35 Jahre Kurse für manuelle Medizin in Pörtschach, Congress-Center Pörtschach

  • 2008: Jubiläumstagung Zum 40. Mal – Kurse für manuelle Medizin in Pörtschach „Das Kreuzdarmbeingelenk“, Congress-Center Pörtschach

  • 2010: Kongress „Muskeln im Fokus“, Congress-Center Pörtschach

  • 2011: Kongress „Der alternde Bewegungsapparat“, Congress-Center Pörtschach

  • 2012: Kongress „Die Wirbelsäule der Frau“, Congress-Center Pörtschach

  • 2013: Kongress „OP or not OP – Erkrankungen des Bewegungsapparates in der Praxis“, Congress-Center Pörtschach

  • 2014: Kongress „Das Zervikalsyndrom mit seinen ‘Facetten’. Die Halswirbelsäule: was sie kann, was sie stört und was ihr hilft“, Congress-Center Pörtschach

  • 2015: Kongress „Die gestörte Wirbelsäule – eine Aufgabe für die Praxis vom Befund zur Behandlung“, Congress-Center Pörtschach

Univ. Prof. Dr. Hans Tilscher gehört zu den wenigen wirklich begabten, geradezu genialen Ärzten, die in den letzten 5 Jahrzehnten die manuelle Medizin wiederentdeckten, analysierten und weiterentwickelten. In diesem Zusammenhang darf man aber auch auf andere Ideologen und große „Techniker“ (auch auf Nichtärzte) wie Guttmann, Frisch, Wolff, Sell, Bischof, Biedermann, Baumgartner, Fröhlich, Dvorak, Lewitt, Janda, A. Stoddard, Kaltenborn, Hinsen und Evjenth nicht vergessen.

Hans Tilscher wollte es in seinem Leben immer „wissen“. Er scheute keine Mühen und Wege und er hat dadurch unzählige manualmedizinische Techniken kennen gelernt. Diese hat er immer auf ihre praktische Anwendbarkeit überprüft und sie bei Bedarf auch entsprechend „adaptiert“. Dadurch haben die Schüler bei Hans Tilscher gelernt, ohne Umwege, direkt „vom Befund zur Behandlung“ zu gelangen. Erst durch das zusätzliche Einbringen notwendiger theoretischer Wissensinhalte und durch das „Entwirren“ der verschiedenen Techniken, die laufend von den verschiedenen Schulen angeboten wurden, wurde die manuelle Medizin, die als konservativ-orthopädische Methode bei funktionellen (schmerzhaften) Störungen des Stütz- und Bewegungsapparates mit ihren diagnostischen Möglichkeiten unverzichtbar ist, für alle Interessenten erlernbar und für die neue Generation von „Tutoren“ auch lehrbar. Manualmedizinische Techniken spielen aufgrund ihrer Ökonomie und ihrer oft sehr rasch zu beobachtenden Effizienz eine außergewöhnliche Rolle in der Behandlung einschlägiger Beschwerdebilder.

Hans Tilscher überließ nichts dem Zufall. Er hat alle Diagnostik- und Therapietechniken, die er kennenlernte, in den 32 Jahren des Primariats an der Abteilung für Konservative Orthopädie mit 66 Betten im Orthopädischen Spital Wien Speising an rund 29.500 stationären Patienten auf ihre „Alltagstauglichkeit“ hin überprüft oder auch selbst erst entwickelt (Abb. 3).
Abb. 3a,b

Manualmedizinische Untersuchung der Halswirbelsäule (Mit freundl. Genehmigung)

Die Anzahl der gehaltenen Vorträge, Referate bei Kongressen, Tagungen, Kursen und Seminaren beläuft sich auf über 2000 und dabei hat er rund 55.000 Hörer mit seinen Ausführungen begeistert.

Für den verheirateten (3 Kinder, 5 Enkelkinder) und didaktisch außerordentlich großen Lehrer Hans Tilscher ist Kontinuität besonders wichtig. Dieses Prinzip, das er mitunter auch apodiktisch anwendete, ist sicher ein wesentlicher Teil seines beruflichen und privaten Erfolges. Auch einem guten Schluck Bier oder Wein kann er Positives abgewinnen und den vielen Anekdoten aus seinem Leben kann man in gemütlicher Runde stundenlang zuhören.

Für Hans Tilscher ist (manuelle) Medizin, gleichbedeutend mit konservativer Orthopädie, nicht nur eine Berufung, sondern auch eines seiner Hobbys. Dazu gehören aber auch noch Musik (Mozart, Händel, Schubert, Bruckner – seit 1958 Mitglied des Wiener Männergesangvereins mit Konzerten unter Etti, Karajan, Balatsch etc.) und Sport (Laufen, Golf-Handicap 29). Dazu einer seiner vielen Aussprüche: Menschen mit Handicap 0 bis 10 dürfen keinen Beruf und Menschen mit Handicap 10 bis 20 dürfen keine Familie haben.

Wir bedanken uns bei Hans Tilscher, einem echten Doyen der Manualmedizin, für das, was er bisher für die konservative Orthopädie geleistet hat und freuen uns auch auf das, was er dafür noch in seinem Leben leisten wird. Als Freund wünsche ich Dir, lieber Hans, für die Zukunft noch viel Gesundheit, Vitalität, ungebrochene intellektuelle Unrast und Schaffensfreude. Ich bin mir sicher, dass sich alle Kollegen des Vorstandes der ÖÄGMM, alle Mitglieder unserer Gesellschaft und alle, die Dich kennenlernen durften, diesen ehrlich gemeinten Glückwünschen gerne anschließen.

Nach Mark Twain: „Das Geheimnis des Glücks ist es, statt der Geburtstage die Höhepunkte des Lebens zu zählen.“

Im Namen des Vorstandes

MR Dr. Alexander Lechner

Vizepräsident der ÖÄGMM

Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 2015

Authors and Affiliations

  1. 1.WienÖsterreich

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