Komplementärmedizin in der Gynäkologie

Complementary medicine in gynecology

Für das Jahr 2020 werden gemäß Robert-Koch-Institut 510.000 Krebsneudiagnosen erwartet, davon knapp die Hälfte bei Frauen.

Krebs ist eine Erkrankung, die nicht nur den Körper belastet, sondern sich auch auf Ebenen wie Psyche, Lebensqualität und soziales Umfeld auswirkt. Daher ist es nur verständlich, dass Patientinnen neben der schulmedizinischen Therapie nach Möglichkeiten suchen, die über die Behandlung der „causa externa“ hinausgehen. Anders als die traditionelle Schulmedizin, die den Fokus auf physiologisch objektivierbare Mechanismen bei der Entstehung von Krankheiten legt, versucht die Komplementärmedizin, alle Faktoren zu berücksichtigen, die Einfluss auf die Krankheitsentstehung, aber auch auf die primäre und die sekundäre Prävention haben, wie Psyche, Lebensstil und Emotionen.

“Wesentlich für die integrative-komplementäre Medizin sind Stärkung und Förderung von Ressourcen”

Ein wesentlicher Teilaspekt der integrativen-komplementären Medizin besteht in der Stärkung und der Förderung von gesundheitlichen Ressourcen. Die komplementäre bzw. integrative Medizin steht somit für eine ganzheitliche medizinische Versorgung und vollzieht einen Paradigmenwechsel von der rein biomedizinischen zur biopsychosozialen Auffassung von Gesundheit und Krankheit. Aus dieser holistischen Auffassung heraus umfasst ein integrativ-komplementärmedizinischer Ansatz auch Therapiekonzepte, die oft nicht zu einer schulmedizinischen, leitlinienorientierten Patientenversorgung gerechnet werden.

Ziel einer jeglichen Krebstherapie sollte mittlerweile eine individualisierte Therapie sein! Diese sollte sich nicht nur nach den Leitlinien richten, sondern auch die Bedürfnisse, Wertvorstellungen und Erwartungen der Patientin mitberücksichtigen. Die patienteneigenen Ressourcen, aber auch die Eigenverantwortung sollten in jeder Therapiephase mit bedacht und besprochen werden.

Die Arbeitsgemeinschaft Gynäkologische Onkologie (AGO) hat im Jahre 2014 die Kommission „Integrative Medizin“ gegründet, die als Schnittstelle für die Implementierung von Therapieformen aus dem Bereich der Komplementärmedizin fungiert, für deren Anwendung bei Tumorpatienten eine Rationale oder erste klinische Evidenz vorliegt. Diese Methoden werden analysiert unter der Fragestellung einer möglichen Einbindung in umfassende onkologische Konzepte.

Ein strukturiertes Fortbildungscurriculum zur Komplementärmedizin in der Gynäkologie wird für Ärzte seit 2019 angeboten. Weiterführende Informationen finden sich unter www.ago-online.de.

Der Schwerpunkt dieser Ausgabe von Der Gynäkologe widmet sich dem Thema Komplementärmedizin in der Gynäkologie und wurde von Mitgliedern der AGO Kommission „Integrative Medizin“ verfasst.

Wir wünschen Ihnen viel Freude beim Lesen!

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Prof. Dr. Marion Kiechle

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Dr. Daniela Paepke

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M. Kiechle und D. Paepke geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

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Kiechle, M., Paepke, D. Komplementärmedizin in der Gynäkologie. Gynäkologe 54, 4 (2021). https://doi.org/10.1007/s00129-020-04720-1

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