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Der Nervenarzt

, Volume 89, Issue 4, pp 375–375 | Cite as

Tremor

  • D. Berg
  • G. Deuschl
Einführung zum Thema
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Tremor

Der Tremor ist ein so einfaches Symptom, das zudem auch leicht zu messen ist. Dennoch ist noch wenig über die zugrunde liegenden Mechanismen bekannt und die Aufdeckung der pathogenetischen Grundlagen und damit klinisch aussagekräftiger Imaging- oder Laborparameter ist noch wenig entwickelt. Daher bleibt dieses Gebiet eines der spannendsten Bereiche der klinischen Untersuchung und die gestalthafte Erfassung spielt noch immer eine große Rolle in der praktischen Diagnostik. Um hier zumindest für die detaillierte Beschreibung der verschiedenen Tremorsyndrome eine gleiche Sprache zu etablieren, hat die „Tremor Task Force der Internationalen Movement Disorder Society“ soeben eine neue Klassifikation erstellt, die im Mittelpunkt des Leitthemas „Tremor“ in dieser Ausgabe von Der Nervenarzt steht [1]. Zusätzlich werden in diesem Themenheft aber auch die pathophysiologischen Grundlagen und Therapiemöglichkeiten des Tremors erläutert. Ziel ist es, den aktuellen Stand darzustellen und Hinweise für den praktischen Gebrauch zu geben.

Drei Artikel dieses Themenheftes legen die neue Grundlage der klinischen Nomenklatur und die damit verbundenen Untersuchungsschritte dar. Im Artikel von F. Gövert et al. werden die Systematik und die häufigsten Tremorformen bearbeitet. J. Becktepe et al. beschreiben die selteneren Tremores, die heute anhand klarer Kriterien meist eindeutig diagnostizierbar sind. Der Beitrag von G. Deuschl und D. Berg fasst den gegenwärtigen Stand der Erkenntnisse zum essenziellen Tremor zusammen, dem häufigsten Tremor mit einer Lebenszeitprävalenz von 0,9 %. Im Beitrag von K. Zeuner et al. werden die neuen Einsichten zum funktionellen Tremor (psychogenen Tremor) vorgestellt. Hier ist durch Einbeziehung kognitiver Zugänge ein neues Bild entstanden, was nicht nur zu einem klaren Diagnosealgorithmus, sondern auch zu neuen Therapien geführt hat.

Zwei grundlagenorientierte Themen haben im letzten Jahrzehnt besonders zum besseren Verständnis des Tremors beigetragen. Früher nahm man an, dass Tremores durch Schrittmacher erzeugt werden, die aufgrund oszillatorischer Eigenschaften umschriebener Neuronenpopulationen zu einer Rhythmisierung der Muskelaktivität führen. Diese Annahme wurde durch neue Untersuchungen abgelöst, die synchronisierte oszillatorische zerebrozerebellare Netzwerke nachgewiesen haben, die unter definierten pathologischen Bedingungen wirksam werden. Die zugrunde liegenden molekularen Grundlagen sind aber noch unbekannt. Der Stand dieser Forschungen wird im Artikel von Muthuraman et al. zusammengefasst.

Mit der rasanten Weiterentwicklung der Genetik konnte mittlerweile die Ursache zahlreicher monogenischer Erkrankungen mit dem Präsentiersymptom Tremor aufgedeckt werden. Viele genetische Projekte, die mit großem Aufwand nach Ursachen des essenziellen Tremors gesucht haben, sind aber bislang erfolglos geblieben, was in dem Beitrag von G. Kuhlenbäumer und F. Hopfner zusammengefasst wird.

Wir danken den Autoren ganz herzlich für den großen Aufwand, die komplexen Zusammenhänge so übersichtlich aufzubereiten, dass sie für den Nichtspezialisten verstehbar werden. Wir hoffen, damit ein gutes Stück Neurologie leichter erfassbar zu machen.

Prof. Dr. Daniela Berg

Prof. Dr. Günther Deuschl

Notes

Interessenkonflikt

D. Berg und G. Deuschl geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

  1. 1.
    Bhatia KP, Bain P, Bajaj N, Elble RJ, Hallett M, Louis ED, Raethjen J, Stamelou M, Testa CM, Deuschl G (2018) Consensus Statement on the classification of tremors. From the task force on tremor of the International Parkinson and Movement Disorder Society. Mov Disord. 33(1):75–87.  https://doi.org/10.1002/mds.27121 CrossRefPubMedGoogle Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinik für Neurologie, Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus KielChristian Albrechts UniversitätKielDeutschland

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