Das Modell der Berliner Kinderschutzambulanzen

Neuköllner Erfahrungen nach einem Jahr der institutionalisierten Zusammenarbeit von klinischer Kindermedizin und Jugendhilfe in Kinderschutzfällen

The Berlin outpatient child protection model

1-year experience at the child protection clinic Neukölln with intensified cooperation between pediatric clinical practice and youth welfare services

Zusammenfassung

Hintergrund

In Berlin sind im Jahr 2016 fünf Kinderschutzambulanzen (KSA) mit der Aufgabe der elektiven und ambulanten medizinischen Abklärung bei Verdachtsfällen von Kindeswohlgefährdungen im Rahmen eines Modellprojektes betraut worden und stehen seitdem involvierten nicht klinikgebundenen Einrichtungen des Landes Berlin wie Jugendämtern oder den Kinder- und Jugendgesundheitsdiensten mit ihrer medizinischen Kompetenz beratend zur Seite. Das Vorgehen der KSA ist vollumfänglich in die Datenschutzgesetzgebung des Landes Berlin eingebunden. Zum Ende des Modellprojektes wird die Arbeit für die Bewertung des Modellprojektes seitens des Senates anonymisiert evaluiert werden. Eine dieser KSA ist an der Klinik für Kinder- und Jugendmedizin des Klinikums Neukölln angesiedelt.

Methodik

Dargestellt werden die Ergebnisse der KSA in Neukölln des Jahres 2017 unter Auflistung der Einweisergruppen, der Vorstellungsgründe und der abschließenden Wertung.

Ergebnisse

Im Jahr 2017 wurden 145 Kinder in der KSA vorgestellt, größtenteils von öffentlichen Zuweisern oder aus der Kinderklinik selbst zur vertieften Abklärung bei zuvor unklaren, aber nicht akut bedrohlichen Konstellationen. In 67 Fällen lag tatsächlich eine Kindeswohlgefährdung vor; bei 34 Kindern lag keine Kindeswohlgefährdung vor: Somit konnte in 70 % der Vorstellungen eine eindeutige Einschätzung erreicht werden. Bei 40 Patienten konnte eine Kindeswohlgefährdung nicht ausgeschlossen werden; in 4 Fällen konnte keine vertiefte Diagnostik stattfinden. Neben der Pädiatrie und der Kinderchirurgie war die Kinder- und Jugendpsychiatrie das am häufigsten involvierte Fachgebiet. In der KSA-Arbeit konnte eine intensivierte Zusammenarbeit mit den öffentlichen Einrichtungen etabliert werden.

Diskussion

Die KSA hat sich als ein sehr taugliches Instrument in der Klärung möglicher Kindeswohlgefährdungen erwiesen, die in der engen Kooperation mit den öffentlichen Einrichtungen geeignet ist, diese mit medizinisch fundierten Befunden in der Entscheidungsfindung zu unterstützen.

Abstract

Background

In 2016 in Berlin 5 child protection clinics were instituted by the Senate in line with a pilot project. Their tasks are the elective and outpatient clarification in cases of possible child neglect and maltreatment in order to provide well-founded medical advice to youth welfare offices. The procedure of the child protection clinics is completely incorporated into the data protection act of the State of Berlin. At the end of the pilot project an anonymous evaluation will be carried out on behalf of the Senate. Of these five clinics one is incorporated into the department of pediatrics at the Klinikum Neukölln, Berlin.

Methods

The cumulative results of 1 year of this clinic from 2017 are reported giving details regarding initial referral, reasons for presentation and the final assessment.

Results

In 2017 a total of 145 children were referred and examined, most of them from youth welfare services or following a short hospital stay which excluded any acute threat. In 67 cases, clear indications of child maltreatment or neglect could be demonstrated and in 34 children any form of child neglect or maltreatment could be excluded; consequently 70% of all cases could be clearly evaluated. Child maltreatment could not definitely be excluded in 40 children and in 4 cases an in-depth evaluation was not possible. Besides pediatrics and pediatric surgery, child psychiatry was the specialty most frequently involved. During the period reported, an intensified collaboration between this clinic and the public youth welfare services could successfully be established.

Conclusion

The child protection clinic proved to be a highly effective instrument in the elective clarification of possible cases of child neglect and maltreatment in close cooperation with youth welfare services. It provides support to these services with medically founded advice in questionable cases.

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Abb. 1
Abb. 2
Abb. 3

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Correspondence to H. von Soosten or S. Rother.

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Interessenkonflikt

H. v. Soosten, S. Rother, S. von Bismarck und R. Rossi geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Dieser Beitrag beinhaltet keine von den Autoren durchgeführten Studien an Menschen oder Tieren.

Additional information

Die Autoren H. v. Soosten und S. Rother haben zu gleichen Teilen zum Manuskript beigetragen.

Redaktion

B. Koletzko, München

T. Lücke, Bochum

E. Mayatepek, Düsseldorf

N. Wagner, Aachen

S. Wirth, Wuppertal

F. Zepp, Mainz

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von Soosten, H., Rother, S., von Bismarck, S. et al. Das Modell der Berliner Kinderschutzambulanzen. Monatsschr Kinderheilkd 168, 608–614 (2020). https://doi.org/10.1007/s00112-019-0651-2

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Schlüsselwörter

  • Kindeswohlgefährdung
  • Jugendamt
  • Medizinischer Kinderschutz
  • Jugendhilfe
  • SGB V und VIII

Keywords

  • Child neglect and maltreatment
  • Youth welfare office
  • Medical child protection
  • Youth welfare
  • Social insurance code