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Der Internist

, Volume 59, Issue 4, pp 307–308 | Cite as

Ganzheitliche Versorgung des Menschen in der Inneren Medizin

  • C. C. Sieber
Einführung zum Thema
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Holistic treatment of humans in internal medicine

„Innere Medizin – Medizin für den ganzen Menschen“ – diesen Ausspruch von Walter Siegenthaler habe ich zum Leitmotto des diesjährigen Jahreskongresses der Deutschen Gesellschaft für Innere Medizin (DGIM) gewählt, denn der biomedizinische Fortschritt hat mitnichten dazu geführt, dass die Integration dieses Wissens aus dem breiten Spektrum der Inneren Medizin ein nicht steter Auftrag an uns für die Behandlung der uns anvertrauten Patienten sein soll. Die DGIM ist somit aufgefordert, sich diesem Umgang mit Komplexität gerade auch als wissenschaftliche Fachgesellschaft zu stellen. Dies ist denn auch in dieser Ausgabe von Der Internist, die zeitgleich zum 124. Jahreskongress erscheint, beispielhaft widergespiegelt.

Wir leben in einer Zeit, die Superlative schätzt, wenn nicht gar liebt. Immer höher, immer weiter, eventuell auch immer niedriger (gilt nicht nur für die Zinsen). So könnte man meinen, wenn man die Empfehlungen für die idealen Blutdruckwerte sieht. Die Leitlinien haben diese nun richtigerweise für die betagten und hochbetagten Menschen angepasst. Die Frage beginnt aber schon früher: Wie messen wir denn nichtinvasiv den Blutdruck bei älteren Menschen? Dem wird in der Arbeit von U. Hoffmann nachgegangen. Wie sich zeigt, sollte für einen gut definierbaren Anteil unserer älteren Patienten ein niedrigerer Blutdruck denn <135 mm Hg mit einem Zielkorridor von 125 bis 134 mm Hg empfohlen werden. Es sind dies Patienten mit einem höheren kardiovaskulären Risiko. Blutdruckwerte von systolisch <120 mm Hg und/oder diastolisch <70 mm Hg sind aber auch bei diesen Patienten zu vermeiden.

„Mens sana in corpore sano“ – ohne gesunden Körper funktionieren auch die mentalen Leistungen schlecht. Immer mehr wird deutlich, dass ein gestörter Gang ein guter Prädiktor für die aktuelle und kommende mentale Leistungsfähigkeit ist. Dies wird in der Diagnostik und auch Therapie eingesetzt; denn eine Gang- und Bewegungsschulung zeigt deutliche positive Effekte bei älteren, in diversen physischen und psychischen Domänen beeinträchtigten Menschen. Dies wird im Beitrag von E. Freiberger genauer beschrieben.

Ohne gesunden Körper funktionieren auch die mentalen Leistungen schlecht

Ältere Patienten – vor allem im Krankenhaus – zeigen sehr häufig eine Mangelernährung. Im Beitrag von R. Wirth geht es um die Frage, ob bei mangelernährten Patienten bzw. nach einer Fasten- oder Hungerperiode eine kalorienreiche (par)enterale Ernährungstherapie negative bis deletäre Wirkungen haben kann. Bei Kenntnis der Risikofaktoren und Pathophysiologie – insbesondere Elektrolytentgleisungen – kann diesem sogenannten Refeeding-Syndrom erfolgreich vorgebeugt werden. Ziel der Arbeit ist es, für die Bedeutung des Refeeding-Syndroms gerade bei geriatrischen Patienten zu sensibilisieren.

Infektionskrankheiten rücken wieder vermehrt in den Fokus der Gesellschaft und Politik. Dies nicht nur aufgrund neuer Keimspektren als Folge der Globalisierung und stark erhöhten Mobilität vieler Menschen, sondern auch wegen zunehmender Antibiotikaresistenzen. Zum sinnhaften Einsatz von Antibiotika wurden Antibiotic-Stewardship-Programme entwickelt, wofür dem Schwerpunkt Infektiologie der DGIM viel Dank gebührt. Kochbücher ohne engagierte und versierte Köche sind aber nur Anleitungen. Klinische Expertise in der Infektiologie ist mehr denn je gefragt und verlangt nach einer spezifischen Kompetenz. Wenngleich Infektionskrankheiten ein integraler Teil der allgemeinen Inneren Medizin sind, kann ein Krankenhaus ohne eine starke klinische Infektiologie nicht wirklich im High-End-Bereich arbeiten. Dazu braucht es nebst der Zusatzbezeichnung „klinische Infektionsmedizin“ mittelfristig auch einen eigenen Facharzt wie in den meisten uns umgebenden Ländern. Wichtig wäre auch, dass das infektiologische Konsil im DRG-System adäquat abgebildet wird, was aktuell nicht der Fall ist. Diese Aspekte werden im Beitrag von G. Fätkenheuer et al. dargelegt.

„The future is now“: Die gezielte Förderung unserer jüngeren Kollegen auf dem Gebiet der Inneren Medizin ist wichtig, um nicht zu sagen vital. Dass die DGIM dies schon seit Jahren mit einer ganzen Palette von Förderungsmöglichkeiten und -programmen verfolgt und kontinuierlich erweitert, ist sehr erfreulich. Es hilft wenig, wenn sich die Innere Medizin als Ganzes und auch in den Schwerpunkten – was das Wissen und die diagnostisch-therapeutischen Möglichkeiten betrifft – erfreulich schnell weiterentwickelt, wir aber nicht die Kolleginnen und Kollegen haben, die dies auch über die nächsten Dezennien effektiv umsetzen können. Wie breit das Spektrum der Fördermöglichkeiten der DGIM geworden ist, wird im Beitrag von Y. Möller et al. umfassend in den Mitteilungsseiten der DGIM in dieser Ausgabe dargestellt.

So wünsche ich Ihnen bei der Lektüre dieser Ausgabe von Der Internist viele stimulierende Informationen.

Es grüßt herzlich

C.C. Sieber

Notes

Interessenkonflikt

C.C. Sieber gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinik für Allgemeine Innere Medizin und GeriatrieKrankenhaus Barmherzige Brüder RegensburgRegensburgDeutschland
  2. 2.Institut für Biomedizin des Alterns (IBA)Friedrich-Alexander-Universität Erlangen-NürnbergNürnbergDeutschland

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