Der Internist

, Volume 58, Issue 5, pp 427–428 | Cite as

Das humane Mikrobiom

Einführung zum Thema

The human microbiome

Antoni van Leeuwenhoek gebührt der Ruhm für den ersten Blick ins menschliche Mikrobiom: Er beobachtete 1683 unter dem Mikroskop Bakterien aus seinem Mund und schätzte deren Zahl größer als die Zahl der Menschen in den Niederlanden [1]. Später standen lange Zeit pathogene Mikroorganismen im Brennpunkt der Wissenschaft, apathogenen wurde kaum Bedeutung beigemessen. Die modernen genetischen Hochdurchsatzverfahren erst haben uns in die Lage versetzt, die Vielzahl von Spezies, die die Oberflächen des menschlichen Körpers bewohnen, zu charakterisieren. Ihre Funktion und Bedeutung beginnen wir gerade erst zu verstehen. Wissenschaftlich ist das Gebiet in einer rasanten Entwicklung – die Literaturzitate sind in den letzten Jahren dramatisch angestiegen, alle zwei Jahre verdoppelt sich ihre Zahl (Abb. 1).
Abb. 1

Zitate zu „microbiome“ in PubMed von 2007 bis 2016

Aber nicht nur die schiere Vielzahl und Diversität sind Neuland, noch wichtiger ist der Einfluss der Mikroorganismen auf das Immunsystem, den Metabolismus und so auch auf Gesundheit und Krankheit. Auch hier lernen wir fast täglich Neues. In dieser Ausgabe von Der Internist nehmen wir deshalb erstmals das Mikrobiom ins Zentrum eines eigenen Schwerpunkts und konzentrieren uns dabei auf das intestinale Mikrobiom sowie Ernährung, Metabolismus und Autoimmunität.

Das Mikrobiom hat erheblichen Einfluss auf Immunsystem, Metabolismus und Gesundheit

Die Grundlagen und aktuellen Methoden werden im Beitrag von Steinhagen u. Baumgart, Berlin, dargestellt. Im Beitrag von Derer et al., Lübeck, steht die Ernährung als wesentlicher Einflussfaktor im Zentrum. Der Beitrag schildert auch die Grundlagen der Bedeutung des Mikrobioms für den Metabolismus und damit auch für metabolische Erkrankungen. Die Zusammenhänge zwischen intestinalem Mikrobiom und metabolischen Erkrankungen werden im Beitrag von Bischoff, Hohenheim, intensiv beleuchtet. Auch in der Pathogenese von Autoimmunerkrankungen spielt das Mikrobiom vermutlich eine wichtige Rolle. Dies wird im Beitrag von Schröder u. Ibrahim, Lübeck, diskutiert.

Der fäkale Mikrobiomtransfer hat sich in der Behandlung der rezidivierenden Clostridium-difficile-Kolitis als sehr effektiv erwiesen, andere Anwendungen werden untersucht. Den aktuellen Stand dieser Therapieform und mögliche Weiterentwicklungen beschreiben Lübbert et al. aus Leipzig und Regensburg in ihrem Beitrag.

Es ist klar, dass eine einzelne Ausgabe von Der Internist nicht die gesamte Breite der aktuellen Forschung aufzeigen kann. Möglich ist nur ein kurzer Blick in ein faszinierendes neues Gebiet, das uns in den nächsten Jahren noch viel beschäftigen und sicherlich auch in Der Internist eine große Rolle spielen wird.

B. Salzberger

H. Lehnert

J. Mössner

Notes

Interessenkonflikt

B. Salzberger, H. Lehnert und J. Mössner geben an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

  1. 1.
    van Leeuwenhoek A (1684) Ondervindingen en beschouwingen der onsigtbare geschapene waarheden. D. VAN GAESBEECK, Leyden, S 1–19Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.Stabstelle InfektiologieUniversitätsklinikum RegensburgRegensburgDeutschland
  2. 2.Präsidium der Universität zu LübeckUniversität zu LübeckLübeckDeutschland
  3. 3.Klinik und Poliklinik für Gastroenterologie und Rheumatologie, Department für Innere Medizin, Neurologie und DermatologieUniversitätsklinikum Leipzig AöRLeipzigDeutschland

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