HNO

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Interessenkonflikte in Leitlinien

Leserbriefe
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Conflicts of interest in guidelines

Leserbrief zu

Weber R (2018) Kommentar zur Leitlinie Rhinosinusitis – was ist wichtig, was ist neu? HNO 66:34–37.  https://doi.org/10.1007/s00106-017-0430-0

Herr Weber fasst in der Januar-Ausgabe der HNO die aus seiner Sicht wichtigsten Aspekte der in der gleichen Ausgabe publizierten Langfassung der Leitlinie „Rhinosinusitis“ [1] zusammen. In seinem Artikel äußert sich Herr Weber auch zu dem wichtigen Thema der Interessenkonflikte und führt aus: „Sowohl in der Veröffentlichung als in der Leitlinie fehlt die detaillierte Offenlegung der Beziehungen der Autoren zur Industrie.“

Wir danken Herrn Weber, dass er mit seinem Kommentar auf das wichtige Thema der Interessenkonflikte hingewiesen hat. Im Rahmen des Leitlinienprozesses und bei der Auswahl der beteiligten Fachvertreter und Autoren muss immer wieder zwischen der fachlichen Expertise und dem Vorhandensein von Interessenkonflikten abgewogen werden. Gerade diejenigen, die sich über Jahre wissenschaftlich und klinisch intensiv mit einem Thema auseinandergesetzt haben, sind häufig in unterschiedlicher Weise durch die externe Finanzierung von Forschungsprojekten, durch Beratungstätigkeiten oder die Zugehörigkeit zu Schulen oder Interessengruppen in ihrer Meinungsbildung beeinflusst. Auf der anderen Seite wird diese fachliche und wissenschaftliche Expertise zwingend benötigt, wenn die Leitlinie keine reine Zusammenstellung der aktuellen Evidenz, sondern eine handlungsorientierte klinische Leitlinie sein soll. Vor diesem Hintergrund hat auch die Arbeitsgemeinschaft der Wissenschaftlichen Medizinischen Fachgesellschaften (AWMF) keineswegs gefordert, dass die Beteiligten am Leitlinienprozess frei von jedwedem Interessenkonflikt sein müssen. Vielmehr hat sie, neben der Forderung nach Offenlegung möglicher Konflikte, Handlungsempfehlungen veröffentlicht, wie mit diesen Konflikten umgegangen werden sollte. Diesen Empfehlungen hat die genannte Leitlinie in vollem Umfang entsprochen. Wie in der Langversion der Leitlinie dargestellt, wurden alle Interessenkonflikte offengelegt, innerhalb der Leitliniengruppe diskutiert und bewertet und konkrete Maßnahmen daraus abgeleitet. Wie aus dem Leitlinientext hervorgeht, haben sich z. B. einzelne Mitglieder der Leitlinienkommission bei der Abstimmung zu Fragestellungen, zu denen relevante Interessenkonflikte erkannt wurden, der Stimme enthalten oder von einer Erstellung von definierten Inhalten bzw. Kapiteln Abstand genommen.

Die Interessenkonflikterklärungen einer Leitlinie gehen über die üblicherweise geforderten Erklärungen in den einschlägigen Zeitschriften hinaus. Während in Fachzeitschriften in der Regel nur definierte Interessenkonflikte der Autoren des eigentlichen Texts abgefragt werden, wird bei einer Leitlinie gefordert, umfangreiche Interessenkonflikterklärungen aller am Leitlinienprozess Beteiligten vorzuhalten. Dies geschieht daher auch häufig nicht in der Zeitschrift, sondern gemeinsam mit dem Leitlinienprotokoll auf der Homepage der AWMF.

Aus technischen Gründen waren die Interessenkonflikte zur Leitlinie „Rhinosinusitis“ zeitweise nicht auf der Homepage der AWMF einsehbar, wofür die Leitlinienautoren zwar nur bedingt verantwortlich waren, sich aber gerne an dieser Stelle entschuldigen. Herr Weber hatte sich entschieden, im Rahmen seines Artikels auf diesen Umstand hinzuweisen. Wir danken für diesen Hinweis, der uns ermöglichte, dafür zu sorgen, dass die Erklärungen kurzfristig wieder online gestellt wurden. Als erfahrenem Leitlinienautor war Herrn Weber jedoch sicherlich bekannt, dass die AWMF grundsätzlich keine Leitlinien publiziert, ohne dass entsprechende Interessenkonflikterklärungen vorliegen.

Letztlich danken wir für die Möglichkeit, auf diese Weise klarzustellen, dass in der genannten Leitlinie allen berechtigten Forderungen nach einer Offenlegung von Interessenkonflikten in vollem Umfang nachgekommen wurde.

Boris A. Stuck, im Namen der Autoren der Leitlinie

Notes

Interessenkonflikt

B.A. Stuck gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Literatur

  1. 1.
    Stuck BA, Beule A, Jobst D, Klimek L, Laudien M, Lell M, Vogl TJ, Popert U (2018) Leitlinie „Rhinosinusitis“ – Langfassung. HNO 66:38–74.  https://doi.org/10.1007/s00106-017-0401-5 CrossRefPubMedGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  1. 1.Universitätsklinikum Gießen und Marburg GmbHMarburgDeutschland

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