Der Chirurg

, Volume 89, Issue 4, pp 255–256 | Cite as

Frühkarzinome im hepatopankreatobiliären Bereich

Einführung zum Thema
  • 76 Downloads

Early stage carcinoma in the hepatopancreaticobiliary region

Die Prognose solider Malignome ist stadien- und bekanntermaßen von den Therapieoptionen abhängig. Bei den Hohlorganen des Gastrointestinaltraktes hat sich in den letzten Jahrzenten eindeutig gezeigt, dass das „screening“ von Frühformen sowie deren endoluminale Therapie für den Patienten prognostisch extrem günstig sind. Um ein Ähnliches bemüht man sich ebenfalls bei den Malignomen des hepatobiliopankreatischen Systems. Hier ist die Diagnostik von Frühkarzinomen ungleich schwieriger. In den letzten Jahren hat sich eine Reihe prämaligner Läsionen konturiert, die auch einer bildgebenden Diagnostik zugänglich ist. Minimalinvasive Verfahren, diese Läsionen zu therapieren, sind bisher nicht absehbar. In diesem Bereich bleibt also die onkologische Chirurgie der kurative Therapieansatz der Wahl. Insofern ist die Aufarbeitung in einem Themenheft von Der Chirurg aus meiner Sicht sehr sinnvoll und für jeden Viszeralchirurgen, der in dieser Region chirurgisch tätig ist, wissenswert.

Im ersten Beitrag werden Frühformen des Pankreaskarzinoms und prämaligne Läsionen von C. Kahlert et al. vorgestellt. Es wird gezeigt, dass sich bei familiärer Häufung ein Risikoprofil herausarbeiten lässt, unter dem Patienten unbedingt regelmäßig untersucht werden sollten. Die Behandlung stellt die onkologische Resektion dar. Ebenso sollte mit Trägern bestimmter Mutationen sowie auch mit Patienten mit einer hereditären chronischen Pankreatitis verfahren werden. Viele prämaligne Läsionen können bisher in der Schnittbildung nicht visualisiert werden (z. B. pankreatische intraepitheliale Neoplasien, PanIN). Hier werden moderne Diagnostika der Zukunft („liquid biopsies“ und daraus insbesondere Exosomen), so zeichnen sich Trends derzeit ab, hilfreich sein. Für die Risikostratifizierung der intraduktalen papillären muzinösen Neoplasien (IPMN) gibt es eine neue Klassifikation.

V. Fendrich und D. Bartsch beschäftigen sich mit der „bunten“ Gruppe der kleinen neuroendokrinen Neoplasien des Pankreas. Als Frühläsionen gelten hier solitäre Raumforderungen bis 2 cm Durchmesser. Diese sollen in bis zu 95 % mit dem endoskopischen Ultraschall zu diagnostizieren sein. Die Diagnostik wird durch die Positronenemissionstomographie-Computertomographie (PET-CT) mit verschiedenen Radiopharmaka ergänzt. Bei den kleinen nichthormonproduzierenden Läsionen stellt sich, da nur wenige maligne degenerieren, die Frage der Operationsindikation. Hier wird eine engmaschige bildmorphologische Kontrolle empfohlen. Wenn sie operiert werden, erfolgen parenchymsparende Enukleationen, die zunehmend laparoskopisch durchgeführt werden. Bei Patienten mit multipler endokriner Neoplasie (MEN) 1 ist die Wachstumsrate bei kleinen Läsionen entscheidend für die Operationsindikation. Es werden die laparoskopischen und roboterassistierten Techniken im Weiteren kurz vorgestellt.

Im dritten Beitrag präsentieren H.M. Tautenhahn et al. Präkanzerosen und Frühkarzinome des Gallengangsystems. Vorgestellt wird zunächst die neue UICC(Union internationale contre le cancer)-Klassifikation. Präkanzerosen sind die biliären intraepithelialen Neoplasien (BilIN), die intraduktalen papillären Neoplasien (IPN-B) sowie die intraduktalen tubulopapillären Neoplasien (ITPN), die meist erst im Resektat diagnostiziert werden. In der Diagnostik der Gallengangmalignome werden weiter Computertomographie (CT), Magnetresonanztomographie (MRT) mit Magnetresonanzcholangiographie (MRC) und ggf. eine endoskopisch retrograde Cholangiopankreatikographie (ERCP) mit Bürstenzytologie angewendet. Es stehen bis heute keine zuverlässigen Serum‑/Biomarker zur frühen Detektion zur Verfügung. Besteht ein hinreichender Verdacht auf das Vorliegen einer Präkanzerose oder eines Frühkarzinoms ergibt sich die Indikation zur radikalen Operation. Beim Vorliegen der funktionellen Nichtresektabilität kann auch bei Frühkarzinomen die Indikation zur Lebertransplantation bedacht werden. Ab der Tumorformel pT1b beim Gallenblasenkarzinom gibt es jetzt einen Konsens zur radikalen Resektion unter Mitnahme des Gallenblasenbetts. Eine Resektion des Hauptgallangangs ist bei Tumorbefall des Ductus cysticus indiziert.

Bisher gibt es keinerlei Daten zum kurativen Ansatz der endoskopischen Therapie bei Cholangiokarzinomen, weder die Radiofrequenzablation noch die photodynamische Therapie können eine Tumorfreiheit herbeiführen.

Im letzten Beitrag des Themenheftes behandeln P. R. Scherber et al. das hepatozelluläre Karzinom (HCC) als Frühkarzinom der Leber. Für die Vorstufen dieser Malignome gibt es eine Vielzahl von Synonymen z. B. Dysplasie, dysplastischer Knoten, kleines HCC, „small-cell dysplasia“ oder „small early-stage HCC“, ohne dass jedoch eine international anerkannte pathomorphologische Definition für diese maligne Veränderung existiert. In den TNM- bzw. UICC-Klassifikationen definieren sich die frühen Stadien durch einen solitären Knoten < bzw. >2 cm. Gemäß der BCLC(Barcelona Clinic Liver Cancer) -Einteilung spricht man von einem sehr frühen Stadium bei singulären HCC-Knoten <2 cm oder Carcinoma in situ bei Patienten mit Child-Pugh A und ECOG PS 0. Exemplarisch wird der diagnostische Algorithmus der „European Association for the Study of the Liver“ (EASL) zitiert. In Abhängigkeit der Anzahl und Verteilung der Knoten sowie der Leberfunktion stehen diesen Patienten als kurative Behandlungsmöglichkeiten die Resektion, die Lebertransplantation oder lokal-ablative Verfahren zur Verfügung. Im Zuge der Etablierung minimalinvasiver Operationsverfahren haben sich laparoskopische Leberresektionen, insbesondere bei Patienten mit Leberzirrhose, als sehr vorteilhaft erwiesen.

Mit diesem Themenheft sind sicher die aktuellen klinischen Belange zum Thema der Frühkarzinome zusammengefasst. Ich wünsche den Lesern angenehme Stunden beim Studium der Beiträge.

Prof. Dr. U. Settmacher

Notes

Interessenkonflikt

U. Settmacher gibt an, dass kein Interessenkonflikt besteht.

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2017

Authors and Affiliations

  1. 1.Klinik für Allgemein‑, Viszeral- und GefäßchirurgieUniversitätsklinikum JenaJenaDeutschland

Personalised recommendations