Warum färbte sich der Urinbeutel lila?

Paraplegiker mit ungewöhnlichem Befund

Angesichts eines merkwürdigen Farbspiels in seinem Blasenkatheter vermutete ein 60-jähriger Patient aus dem indischen Karnal Schlimmes: Sein Urin war auf einmal lilafarben.

Der Patient war seit einer Wirbelsäulenverletzung vor zwei Jahren Paraplegiker und trug wegen seiner Harninkontinenz einen Dauerkatheter. Bei der Untersuchung in der Notaufnahme fanden die Ärzte zunächst keine weiteren Auffälligkeiten. Die mikroskopische Urindiagnostik ergab allerdings zahlreiche Leukozyten und einen alkalischen pH-Wert von 7,6. Eine Urinkultur förderte Escherichia (E.) coli zutage.

Dieser Befund veranlasste das Klinikteam, nach entsprechendem Antibiogramm eine Therapie mit Ciprofloxacin zu beginnen. Der Katheter wurde gewechselt; der neue Beutel blieb daraufhin klar.

Den Ärzten zufolge ist das Phänomen - im Englischen "purple urine bag syndrome" (PUBS) genannt - bei Trägern eines Dauerkatheters gar nicht so selten. Dahinter steckt eine von bakteriellen Enzymen unterhaltene chemische Reaktionskaskade, die im Verdauungstrakt ihren Ausgang nimmt [Kumar U et al. Urol Case Rep. 2020; https://doi.org/fq6x].

Dabei wird die in Nahrungsmitteln enthaltene Aminosäure Tryptophan von Darmbakterien zu Indol abgebaut, das in der Leber zu Indican verstoffwechselt und über die Nieren ausgeschieden wird. Sind im Harntrakt Bakterien vorhanden, die in der Lage sind, bestimmte Enzyme (Phosphatase, Sulfatase) zu bilden, kommt es durch diese zur Umwandlung des Indicans in Indoxyl. Dieses wiederum wird in Gegenwart von Sauerstoff - also erst wenn der Urin im Beutel landet - zu blauem Indigo und rotem Indirubin oxidiert. Zusammen ergeben beide Pigmente den violetten Farbton.

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© Kumar U et al. Urol Case Rep. 2020; https://doi.org/fq6x

Merkwürdiges Farbspiel in einem Blasenkatheter

Beim PUBS handelt es sich um eine Blickdiagnose, die in den meisten Fällen "kein aggressives Vorgehen" erfordert, so die Autoren des Fallberichts.

Außer E. coli zählen etwa Proteus mirabilis, Pseudomonas aeruginosa oder Klebsiella pneumoniae zu den Phosphatase-Bildnern. Hauptrisikofaktor für die Entstehung des Phänomens ist die Dauerkatheterisierung. Darüber hinaus können Dehydrierung, chronische Nierenerkrankungen, Obstipation oder Azotämie gerade bei alkalischem pH ein PUBS begünstigen. Ein Risiko für die Patienten besteht allenfalls durch den Harnwegsinfekt. Daher sollte gegebenenfalls eine antibiotische Therapie gemäß Antibiogramm durchgeführt werden. In jedem Fall empfiehlt es sich, den Katheter zu wechseln und dessen Indikation zu überprüfen.

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Oberhofer, E. Paraplegiker mit ungewöhnlichem Befund. Uro-News 25, 9 (2021). https://doi.org/10.1007/s00092-021-4526-1

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