Deutsche Daten

Vier von zehn PrEP-Nutzern haben eine STI

Erhöht eine HIV-Präexpositionsprophylaxe (PrEP) die Prävalenz anderer sexuell übertragbarer Infektionen (STI) außer HIV? Diese Vermutung liegt nahe, da die antiviralen Medikamente zwar vor HIV, nicht aber vor anderen STI schützen - meist aber genommen werden, um bei minimalem HIV-Risiko ohne Kondom Sex haben zu können.

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Präexpositionsprophylaxe (PrEP) schützt vor HIV - nicht aber vor anderen sexuell übertragbaren Infektionen.

Zur Frage, wie hoch die Prävalenzen der STI in den unterschiedlichen Gruppen von Männern sind, die Sex mit Männern haben (MSM), gebe es aktuelle Daten aus Deutschland, so PD Dr. Stefan Esser, Essen. "Die Daten zeigen: Die Prävalenz unter PrEP-Usern ist sehr hoch." Er bezieht sich auf eine Studie des Robert-Koch-Instituts mit infektiologischen Schwerpunktpraxen aus neun deutschen Großstädten.

Zwischen Februar und August 2018 wurden 2.321 MSM aufgenommen, von 2.303 lagen komplette Daten vor [BMC Infect Dis. 2020; 20: 110]. Erforderlich für die finale Analyse waren Informationen über den HIV-Status und die Ergebnisse von Screeningtests auf Chlamydia trachomatis, Mycoplasma genitalium, Neisseria gonorrhoeae und Trichomonas vaginalis. Untersucht wurden rektale und pharyngeale Proben (standardisiertes Entnahme-Kit) sowie der Urin. 51 % der Gesamtgruppe waren HIV-positiv und hatten in den letzten sechs Monaten median fünf verschiedene männliche Sexualpartner. Über Sex ohne Kondom berichteten 74 %, 45 % über den Konsum von Partydrogen und 80 % hatten in der Anamnese eine STI. 30 % der Gesamtgruppe hatten mindestens eine bakterielle STI, aber nur knapp ein Drittel hatte Symptome, die meisten waren beschwerdefrei. Unter den HIV-positiven Teilnehmern hatten 31 % STI, bei den HIV-negativen Teilnehmern ohne PrEP waren es 25 % und unter den HIV-negativen mit PrEP-Anwendung waren es 40 %. Infektionen mit M. genitalium waren am häufigsten (17 %) gefolgt von C. trachomatis (10,4 %) und N. gonorrhoeae (10,2 %). Trichomonas war sehr selten. Ein erhöhtes Risiko für eine STI bestand bei mehr als fünf Sexualpartnern (Faktor 1,65), Sex ohne Kondom (2,11) und Konsum von Partydrogen (1,65).

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Correspondence to Dr. med. Nicola Siegmund-Schultze.

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Siegmund-Schultze, N. Deutsche Daten. Uro-News 24, 8 (2020). https://doi.org/10.1007/s00092-020-4284-5

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