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Uro-News

, Volume 22, Issue 4, pp 61–61 | Cite as

Prostatakarzinom: Überleben nach Operation so gut wie nach Radiatio

  • Peter Leiner
Literatur kompakt
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Männer mit einem lokalisierten Hochrisiko-Prostatakarzinom leben nach einer Operation nicht länger als nach einer externen Bestrahlung mit Brachytherapie, wie die Ergebnisse einer umfangreichen retrospektiven Studie vermuten lassen.

Da keine randomisierte Studie exisitiert, in der in dieser Hochrisikogruppe der Effekt der radikalen Prostatektomie mit dem einer Bestrahlung verglichen wird, haben US-amerikanische Onkologen in der US-amerikanischen Nationalen Krebsdatenbank dokumentierte Befunde von fast 43.000 Patienten ausgewertet. Diese hatten ein lokalisiertes Hochrisiko-Prostatakarzinom — bei dem per se die Mortalität höher ist als bei niedrigem Risiko — im T-Stadium 3 oder höher, mit einem PSA-Wert vor der Therapie über 20 ng/dl oder einen Gleasonscore zwischen acht und zehn in der Biopsie. Die Diagnose war zwischen 2004 und 2013 gestellt worden. Die Männer wurden operiert (n = 24.688), erhielten eine externe Bestrahlung plus Androgendeprivation (n = 15.435) oder eine externe Bestrahlung plus Brachytherapie mit oder ohne Antihormonbehandlung (n = 2.642).

Nach Angaben der Ärzte starben während des Follow-up von median etwa 36 Monaten 2.342 Patienten (5 %). Beim Parameter Gesamtüberleben gab es zwischen der Gruppe mit Operation und der Gruppe mit externer Bestrahlung plus Brachytherapie (mit oder ohne Antihormontherapie) keinen signifikanten Unterschied (Hazard Ratio [HR]: 1,17; 95%-Konfidenzintervall: 0,88–1,55). Allerdings sei die externe Bestrahlung plus Antihormontherapie — also ohne Brachytherapie — mit einer höheren Mortalität assoziiert gewesen als die radikale Prostatektomie (HR: 1,53: 95%-Konfidenzintervall: 1,22–1,92). Dabei waren die Gruppen unter anderem hinsichtlich des Gleasonscores vor der Therapie, des klinischen T-Stadiums, des PSA-Werts, des Allgemeinzustands sowie des pathologischen Lymphknotenstatus gematcht.

Doch auch wenn es sich um eine retrospektive Studie gehandelt habe, liege der Vorteil der Analyse darin, dass für die Untersuchung „real world“-Daten von sehr gut charakterisierten Patienten zur Verfügung gestanden hätten, betonten die Studienautoren. An randomisierten Studien würden dagegen nur sehr stark ausgewählte Patienten teilnehmen.

Bei Patienten mit lokalisiertem Hochrisiko-Prostatakarzinom nach einer radikalen Prostatektomie verglichen mit der Situation nach einer externen plus internen Bestrahlung zeigte sich kein signifikanter Unterschied beim Gesamtüberleben.

© s_l / stock.adobe.com

Fazit: Weil es zwischen der radikalen Operation und der Bestrahlung plus Brachytherapie offenbar keinen signifikanten Unterschied gibt, sollten sich Patienten vor ihrer Entscheidung für eine der Behandlungsoptionen mit einem erfahrenen onkologischen Chirurgen sowie einem onkologischen Strahlentherapeuten — am besten mit beiden gleichzeitig — beraten. Entsprechend sollten im Zusammenhang mit möglichen Nebenwirkungen der jeweiligen Behandlung und dem Überlebensvorteil die Präferenzen der Patienten ausgelotet werden.

Auch wenn randomisierte Studien eigentlich das beste Mittel zum Vergleich der Wirksamkeit von Behandlungsoptionen sind, hält der onkologische Radiologe Ronald C. Chen die Studie der US-amerikanischen Onkologen für die beste derzeit verfügbare Evidenz im Zusammenhang mit der Wirksamkeit der Therapie beim Hochrisiko-Prostatakarzinom. Das vorliegende Studienergebnis liege wohl der Wirklichkeit am nächsten.

Literatur

  1. Ennis RD et al. Brachytherapy-Based Radiotherapy and Radical Prostatectomy Are Associated With Similar Survival in High-Risk Localized Prostate Cancer. J Clin Oncol. 2018; https://doi.org/10.1200/JCO.2017.75.9134.Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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