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Uro-News

, Volume 22, Issue 4, pp 58–58 | Cite as

Überaktive Blase: Viel zu trinken schadet eher

  • Peter Leiner
Literatur kompakt
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Patienten mit überaktiver Blase profitieren nicht von der gängigen Empfehlung, pro Tag zwei Liter Flüssigkeit und mehr zu trinken.

In einer systematischen Untersuchung auf der Grundlage von wissenschaftlichen Publikationen, die zwischen 1972 und 2017 veröffentlicht worden waren, überprüften US-Wissenschaftler, welchen gesundheitlichen Nutzen reichliches Trinken hat und welche Patienten viel trinken sollten. Insgesamt 47 Studien konnten berücksichtigen werden.

Von ursprünglich 21 Studien, an denen Patienten mit überaktiver Blase teilgenommen hatten, konnten die Wissenschaftler vier für ihre Studie nutzen. In einer randomisierten prospektiven Studie mit 110 Patientinnen stellte sich zum Beispiel heraus, dass eine Abnahme der täglichen Trinkmenge von 1.600 auf 870 ml Häufigkeit und Drang zum Wasserlassen signifikant reduzierte und zudem die Lebensqualität verbesserte. Waren die Patientinnen dagegen angewiesen worden, täglich mehr zu trinken, wurde das Einnässen häufiger. Schließlich sei in einer systematischen Übersicht auf der Grundlage von fünf randomisierten und fünf Beobachtungsstudien festgestellt worden, dass bei Patienten mit überaktiver Blase eine erhöhte Flüssigkeitsaufnahme keinen Effekt auf den Harndrang hat, aber mit einer Zunahme der Pollakisurie korreliert, wie die Wissenschaftler berichten.

Ein Nutzen großer Trinkmengen wurde mit Evidenzklasse 1 nur bei Patienten mit Urolithiasis festgestellt. Viel trinken war in den neun berücksichtigten Studien mit einer verringerten Rezidivrate assoziiert. Bei Patienten, die über fünf Jahre mehr als zwei Liter täglich tranken, trat das erste Rezidiv erst nach knapp 39 Monaten auf, bei Patienten ohne Empfehlungen zum täglichen Trinkvolumen bereits nach 25 Monaten. In einer Metaanalyse hatte sich zudem herausgestellt, dass viel zu trinken mit einer Reduktion der primären Urolithiasis assoziiert war. Schließlich ging aus der Analyse von zwei randomisierten Studien mit Kopfschmerzpatienten und von drei Studien mit Hirninfarktpatienten hervor, dass viel zu trinken Schmerzintensivität und -dauer verringern und das Trinken von täglich zwei Liter Flüssigkeit einen erneuten Schlaganfall verhindern kann (beides Evidenzklasse 2).

Fazit: Eine hohe Flüssigkeitsaufnahme bei überaktiven Blase ist mit einer Zunahme der Pollakisurie assoziiert, hat aber keinen Effekt auf den Harndrang. Die Bedeutung einer vermehrten Flüssigkeitsaufnahme ist beim Patientenmanagement zu berücksichtigen. Eine Qualitätsbewertung der einzelnen Studien fand nicht statt.

Literatur

  1. Wood LN et al. Is it safe to reduce water intake in the overactive bladder population? A systematic review. J Urol. 2018; https://doi.org/10.1016/j.juro.2018.02.3089.Google Scholar

Copyright information

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Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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