Effekt der Adenotonsillektomie: Urteil der Eltern ist verlässlicher als die Polysomnografie

Ob und wie sich eine Adenotonsillektomie auf das Verhalten von Kindern mit obstruktiver Schlafapnoe auswirkt, lässt sich kaum an den Parametern der Polysomnografie ablesen. Mehr Verlass ist darauf, wie die Eltern die Störung der Atmung beurteilen.

Werden Kinder mit obstruktiver Schlafapnoe einer Adenotonsillektomie unterzogen, wirkt sich das meist positiv auf ihr Verhalten aus - in kognitiver, sozialer und emotionaler Hinsicht. Anzunehmen wäre, dass diese Veränderungen mit objektiven polysomnografischen Parametern korrelieren, etwa mit einer Verbesserung des Apnoe-Hypopnoe-Index (AHI). Folgt man den Ergebnissen einer Sekundäranalyse des Childhood Adenotonsillectomy Trial (CHAT), ist das aber nur bedingt der Fall.

An der CHAT-Studie waren 453 Kinder im Alter zwischen fünf und neun Jahren beteiligt. Alle hatten die polysomnografische Diagnose einer obstruktiven Schlafapnoe erhalten, definiert als AHI von ≥ 2 Ereignissen pro Stunde (bzw. als AHI ≥ 1 plus klinische Symptome einer schlafbezogenen Atmungsstörung). Die Eltern hatten zudem anhand standardisierter Fragebögen die Atmungsstörung während des Schlafs ihrer Kinder eingeschätzt. Auch die psychologischen Verhaltensmerkmale der Kinder wurden standardisiert abgefragt. Schließlich erfolgte die randomisierte Zuweisung der Kinder zur Adenotonsillektomie oder zu beobachtendem Abwarten ("watchful waiting") mit unterstützender Versorgung, mit Unterricht in Schlafhygiene und Therapie von Begleitkrankheiten wie Asthma oder allergischer Rhinitis.

Sieben Monate nach der Randomisierung wurde die Polysomnografie wiederholt. Auch die Eltern gaben erneut ihr Urteil über den Schlaf der Kinder ab. Beides, die objektiven Messwerte und das subjektive Urteil, korrelierten die Forschenden mit den ebenfalls erneut bestimmten Verhaltensmerkmalen der Kinder.

Wer eine Assoziation zwischen den gemessenen somnografischen Parametern und positiven Verhaltensänderungen der Kinder erwartet hatte, sah sich getäuscht. In sieben von acht Merkmalsdomänen korrelierten die Verhaltensergebnisse nur mit dem Urteil der Eltern, nicht mit den Resultaten der Polysomnografie.

Fazit: "Diese Befunde legen nahe, dass die Polysomnografie die behandelnden Ärzte nur eingeschränkt in die Lage versetzt, therapiebedingte Verbesserungen der verhaltensneurologischen Morbidität von Kindern mit obstruktiver Schlafapnoe abzuschätzen", schreiben die Autoren.

Isaiah A et al. Predictors of Behavioral Changes After Adenotonsillectomy in Pediatric Obstructive Sleep Apnea. A Secondary Analysis of a Randomized Clinical Trial. JAMA Otolaryngol Head Neck Surg. 2020;146:900-8

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Bublak, R. Effekt der Adenotonsillektomie: Urteil der Eltern ist verlässlicher als die Polysomnografie. HNO Nachrichten 51, 16 (2021). https://doi.org/10.1007/s00060-021-7487-9

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