HNO Nachrichten

, Volume 48, Issue 2, pp 16–16 | Cite as

Fortgeschrittene Kopf-Hals-Tumoren: Aufgeteilte Chemotherapie effektiv?

  • Judith Neumaier
Literatur kompakt
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Weniger Toxizität bei gleicher Wirksamkeit durch eine Splittung der Induktionschemotherapie? Den Daten einer Phase-II-Studie zufolge scheint diese Strategie aufzugehen. Patienten mit lokal fortgeschrittenen resezierbaren oralen und oropharyngealen Tumoren hatten vor der Operation die TPF-Chemotherapie in zwei Fraktionen pro Zyklus erhalten.

In der Rubrik „Literatur kompakt“ werden die wichtigsten Originalarbeiten aus der internationalen Fachliteratur referiert.

© Mehmet Dilsiz / Fotolia.com

In der Therapie lokal fortgeschrittener Kopf-Hals-Tumoren ist der Nutzen der Induktionschemotherapie mit Docetaxel, Cisplatin und Fluorouracil (TPF) vor der Operation nicht eindeutig geklärt. Aufgrund der Toxizität stellt sich die Frage, ob diese Behandlung überhaupt machbar ist. Daher wurde die Sicherheit von TPF in einer Phase-I-Studie geprüft, wobei das Aufteilen der Dosis die Toxizität reduzierte, ohne die Wirksamkeit zu beeinflussen. Nun wurden die Ergebnisse der daran anschließenden offenen, prospektiven Phase-II-Studie publiziert.

Eine Induktionschemotherapie verlängerte die progressionsfreie Zeit.

© Mathias Ernert, NCT, Heidelberg (Symbolbild mit Fotomodell)

Die Patienten erhielten TPF aufgeteilt auf zwei Gaben eines jeden Zyklus (Docetaxel: 30 mg/m2, Cisplatin: 40 mg/m2, Fluorouracil: 2.000 mg/m2 an den Tagen 1 + 8 q21d). Responder (definiert als Patienten mit einer Reduktion des Tumorvolumens ≥ 30 % nach Zyklus 1) erhielten drei Zyklen, Nonresponder nur einen Zyklus vor der Operation sowie eine postoperative Radio(chemo)therapie. Der primäre Endpunkt war das progressionsfreie Überleben nach 24 Monaten. 54 Patienten (davon 91 % im Stadium IVa, 72 % mit einem Oropharynxkarzinom) wurden in die Per-Protocol-Analyse aufgenommen. 70 % der Patienten sprachen auf den ersten Chemotherapiezyklus an. Die Nonresponder waren signifikant jünger als die Responder (54,4 vs. 58,9 Jahre; p = 0,032).

88,5 % der Responder und 60,6 % der Nonresponder lebten 24 Monate ohne Progression (p = 0,005). Das mittlere progressionsfreie Überleben betrug bei Respondern 38,8 Monate und bei Nonrespondern 26,1 Monate. Das Gesamtüberleben nach 24 Monaten betrug 97,3 % bei Respondern und 73,7 % bei Nonrespondern (p = 0,032). In der Intention-to-treat-Analyse war das progressionsfreie Überleben bei Respondern im Vergleich zu Nonrespondern ebenfalls signifikant verbessert, allerdings zeigten sich beim Gesamtüberleben keine signifikanten Unterschiede.

Die häufigsten unerwünschten Ereignisse (Grad 3) waren Neutropenien bei 26 % der Patienten während der Induktionschemotherapie sowie Mukositis bei 13 % der Patienten während der postoperativen Radiochemotherapie. Während der Therapie und der Nachbeobachtung gab es bei der Lebensqualität und der Schluckfunktion keine Unterschiede zwischen Respondern und Nonrespondern.

Fazit: Diese Studie bestätigt die Machbarkeit einer ungewöhnlich langen Induktionschemotherapie bei Patienten mit lokal fortgeschrittenen Kopf-Hals-Tumoren. Die Selektion der Patienten nach dem ersten Chemotherapiezyklus scheint eine geeignete Strategie zu sein. Patienten, die auf die gesplittete Gabe der TPF-Induktionschemotherapie vor der Operation ansprachen, erreichten gute onkologische Ergebnisse.

Literatur

  1. Inhestern J et al. A two-arm multicenter phase II trial of one cycle chemoselection split-dose docetaxel, cisplatin and 5-fluorouracil (TPF) induction chemotherapy before two cycles of split TPF followed by curative surgery combined with postoperative radiotherapy in patients with locally advanced oral and oropharyngeal squamous cell cancer (TISOC-1). Ann Oncol. 2017; 28: 1917–22CrossRefGoogle Scholar

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Authors and Affiliations

  • Judith Neumaier
    • 1
  1. 1.

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