Heilberufe

, Volume 70, Issue 4, pp 62–62 | Cite as

Expertengruppe formuliert Manifest

„Mit Eliten pflegen“

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PflegePositionen 4/2018
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Das „Sofortprogramm Pflege“ im Koalitionsvertrag von Union und SPD reicht nach Meinung einer von der Robert Bosch Stiftung GmbH einberufenen Expertengruppe nicht aus, um den Pflegenotstand abzuwenden. Im Manifest „Mit Eliten pflegen“ wird das deutlich ausgesprochen.

Um genügend Fachpersonal für die Pflege zu gewinnen, müsse der Beruf insgesamt attraktiver werden und bessere Karrierechancen bieten. Dies könne nur gelingen, wenn den professionell Pflegenden mehr und auch neue Verantwortungen übertragen werden, beispielsweise durch die geregelte Übernahme von ärztlichen Aufgaben der Primärversorgung im ländlichen Raum und mehr professionelle Autonomie bei allen Interventionen, die pflegerische Fachexpertise verlangen.

Bild der Pflege ändern

„Wir brauchen dringend attraktivere Karrierewege in der Pflege. Dazu müssen wir das gesellschaftliche Bild der professionell Pflegenden ändern, das im Moment häufig darin besteht, gebrechliche Menschen umzulagern und Essen zu reichen“, sagte Franz Wagner, Präsident des Deutschen Pflegerats e.V. (DPR) und Mitglied der 40-köpfigen Expertengruppe der Robert Bosch Stiftung, bei der Vorstellung des Manifests „Mit Eliten pflegen“ in Berlin.

Das Manifest zeige, wie die Pflege sich weiterentwickeln muss und welche Rahmenbedingungen dafür notwendig seien. In den vergangenen Jahrzehnten sei das Umfeld der medizinischen und pflegerischen Behandlung und Versorgung bei Pflegebedürftigkeit erheblich komplexer geworden. Hinzu komme, dass der Bedarf an pflegerischer Leistung in den kommenden Jahren rasant ansteigen werde. Die Versorgungsqualität hänge daher vor allem von der personellen Aufstellung in der professionellen Pflege und deren Qualifikation ab. „Deutschland benötigt nicht nur mehr Fachpersonal in der professionellen Pflege, sondern auch deutlich mehr akademisch qualifizierte Pflegefachpersonen in der direkten Versorgung“, so Wagner weiter. Bereits 2012 habe der Wissenschaftsrat deshalb eine Akademisierungsquote für die Pflege von 10–20% empfohlen. Davon sei Deutschland aktuell weit entfernt.

Mehr Verantwortung für Pflegende

Eine zentrale Forderung der Experten: Pflegefachpersonen soll die Verantwortung übertragen werden, die ihrer Qualifikation als Fachpersonal entspricht. Vor allem die professionell Pflegenden können einschätzen, was pflegebedürftige Menschen zur Bewältigung ihrer Situation benötigen. Sie müssen daher auch befugt sein, Versorgungsbedarfe festzusetzen und Maßnahmen der häuslichen Krankenpflege festzulegen.

Ein weiterer Vorschlag betrifft die Sicherung der Gesundheitsversorgung im ländlichen Raum. Dort könne eine Pflegefachperson hausärztliche Routineaufgaben übernehmen. Dies sei in vielen Ländern längst üblich.

Es sei an der Zeit, dass Deutschland auch in der Pflege zu internationalen Standards aufschließe. Gerade was die Akademisierung anbetreffe, liege man jedoch derzeit weit hinter vielen Ländern zurück.

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