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Kontrolle des Internethandels mit Lebensmitteln: Abgrenzung bei Borderline-Produkten und Ansätze für effektive Kontrollstrategien

  • Sigrid Löbell-Behrends
  • Wolfgang Böse
  • Sibylle Maixner
  • Evamaria Kratz
  • Matthias Kohl-Himmelseher
  • Gerhard Marx
  • Dirk W. Lachenmeier
LEITTHEMA: INTERNETHANDEL

Zusammenfassung

In einer interdisziplinären Expertengruppe aus Juristen, Lebensmittelchemikern und Pharmazeuten wurde untersucht, welche Voraussetzungen für eine an alle neuen Vermarktungsformen angepasste Lebensmittelkontrolle zu stellen sind. Bei im Internet gehandelten Erzeugnissen wie Lebensmittel, Kosmetika oder Bedarfsgegenstände ist bereits die Einordnung bzw. Abgrenzung zu anderen Bereichen wie Arzneimitteln durch mehrdeutige Informationen oft problematisch. Daher schlagen wir in dieser Arbeit einen Entscheidungsbaum mit einer Einordnungshilfe vor. Des Weiteren sind die vorhandenen gesetzlichen Regelungen zur Probenahme auf die neuen Vermarktungsformen nur teilweise übertragbar. Bei einer Probenahme auf behördliche Bestellung muss beispielsweise beachtet werden, dass die Probenauswahl dem Händler obliegt und somit eine Manipulation möglich ist. Außerdem kann keine versiegelte Gegenprobe hinterlassen werden. Neue Rahmenbedingungen und Strukturen sind daher notwendig, wie beispielsweise die Möglichkeit einer Online-Probenahme, die bei Verdachtsfällen auch verdeckt durchführbar sein muss. Vorschläge für weitere rechtliche Änderungen schließen die Schaffung eines Zentralregisters für Internetbetriebe, sowie eine verbesserte Lebensmittelkennzeichnung ein, die vollumfänglich bereits im Online-Angebot erfolgen sollte. Die hierfür notwendigen gesetzlichen Novellierungen müssen in differenzierter Weise auf die neuen Fallgestaltungen eingehen, wobei in einem ersten Ansatz bundesweite Regelungen, danach EU-weite Normen erforderlich sind. Dabei ist außerdem zu beachten, dass Internethändler im Vergleich zum konventionellen Handel weder privilegiert noch benachteiligt werden sollten. Als flankierende Maßnahmen schlagen wir eine verbesserte Verbraucherinformation über die Gefahren des Internethandels sowie ein zertifiziertes Prüfsiegel für registrierte Onlineshops vor.

Schlüsselwörter

Internethandel Nahrungsergänzungsmittel Kosmetische Mittel Borderline-Produkte Arzneimittel Probenahme Amtliche Lebensmittelüberwachung Registrierungspflicht 

Abkürzungen

ALS

Arbeitskreis Lebensmittelchemischer Sachverständiger der Länder und des BVL

BGB

Bürgerliches Gesetzbuch

BVL

Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit

DiätV

Diätverordnung

DIMDI

Deutsches Instituts für Medizinische Dokumentation und Information

GewO

Gewerbeordnung

JuSchG

Jugendschutzgesetz

LFGB

Lebensmittel-, Bedarfsgegenstände- und Futtermittelgesetzbuch

LMKV

Lebensmittel-Kennzeichnungsverordnung

OLG

Oberlandesgericht

VO

Verordnung

ZZulV

Zusatzstoff-Zulassungsverordnung

Surveillance of online marketing of food products: categorization of borderline products and concepts for effective control strategies

Abstract

An interdisciplinary team comprising experts in law, food chemistry and pharmacy, studied the requirements for food surveillance focusing on new forms of trade. In online marketing, the classification of products in categories that are regulated by food laws (i.e., foods, cosmetic products and other commodities) is often problematic, particularly for borderline products. In order to facilitate this classification based on the information provided online, we have established a decision tree. Moreover, existing regulations for sampling are only partially applicable to the new forms of marketing. It must be taken into account that sampling can be manipulated, if specimens are simply ordered by the responsible authority. Furthermore it is not feasible to leave behind samples for a supplementary expert opinion. Therefore a new policy framework is required that allows online sampling - anonymously in suspicious cases. Further suggestions include establishing a central register for online vendors as well as the necessity to present mandatory food information in a conspicuous place before the purchase is concluded. Future law amendments need to be implemented in a sophisticated manner taken into account the realities of online marketing. National regulations in Germany could be established prior to EU-wide regulations. Finally the legislative body must make sure not to privilege or penalize online vendors with respect to conventional trade. We propose complementary measures that include improved risk communication provisions for consumers as well as a certified seal of approval for registered businesses.

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Copyright information

© Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit (BVL) 2011

Authors and Affiliations

  • Sigrid Löbell-Behrends
    • 1
  • Wolfgang Böse
    • 1
  • Sibylle Maixner
    • 1
  • Evamaria Kratz
    • 1
  • Matthias Kohl-Himmelseher
    • 1
  • Gerhard Marx
    • 1
  • Dirk W. Lachenmeier
    • 1
  1. 1.Chemisches und Veterinäruntersuchungsamt (CVUA) KarlsruheKarlsruheGermany

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