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Der Gynäkologe

, Volume 31, Issue 12, pp 1067–1074 | Cite as

Prognose- und Prädiktivfaktoren beim Mammakarzinom

  • M. Untch
  • S. Kahlert
  • C. Thomssen
  • F. Jänicke
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Bisher haben sich nur wenige neue Prognosefaktoren gegenüber den etablierten bewähren können. Dies erscheint nicht verwunderlich, da insbesondere Nodalstatus und Grading als Ausdruck der Disseminationsfähigkeit und der Aggressivität das Produkt der einzelnen tumorbiologischen Faktoren darstellen. Möglicherweise sollte man jedoch nicht die Abschätzung der Prognose als Hauptziel der Forschung betrachten.

Unter dem Eindruck der neuesten Daten zur adjuvanten Therapie des Mammakarzinoms ändert sich der Blickwinkel für die Therapieentscheidung. Nimmt man die Empfehlungen der Konsensuskonferenz von St. Gallen 1998 [64] als Maßstab, so stellt sich heraus, daß nur ca. 1,5–2 % der Mammakarzinompatientinnen einer deutschen Universitätsfrauenklinik die Kriterien für die Einstufung in die Niedrigrisikogruppe, in der keine systemische Therapie empfohlen wird, erfüllen (Abschätzung aus eigenen Daten von ca. 1300 Patientinnen der UFK München Großhadern); 80 % der Frauen würden in die Gruppe mit hohem Risiko eingestuft, in der bei positivem Rezeptorstatus chemoendokrine Kombinationstherapien angeraten werden, ansonsten die zytostatische Therapie.

Damit wird die Frage, welche Patientin eine adjuvante Therapie erhalten soll, immer mehr zur Frage, welche adjuvante Therapie die einzelne Patientin erhalten soll. Die Konsensusorientierung führt zur weitgehenden Gleichbehandlung aller Patientinnen. Doch neue Prognosefaktoren sollten Patientinnen identifizieren, die von einer besonderen Form der Therapie nicht oder nur wenig profitieren, aber auch diejenigen, bei denen ein ausgezeichnetes Ansprechen zu finden ist.

Wichtig ist auch, spezifische Therapien gegen bestimmte tumorbiologische Mechanismen zu entwickeln, die zu verbesserter Wirksamkeit bei vielleicht deutlich reduzierter therapiebedingter Morbidität führen. Das Beispiel der Anti-HER2-Antikörper macht dies deutlich. Antiangiogenesefaktoren und Maßnahmen gegen die tumorassoziierte Proteolyse sind ebenfalls in unterschiedlichen Stadien der Entwicklung.

Die neuen Prognosefaktoren zeigen, wie notwendig es ist, die Forschung auf dem Gebiet der Prognosefaktoren nicht nur voranzutreiben, sondern auch die Ergebnisse einzelner Gruppen immer wieder miteinander zu korrelieren und zu validieren. Dieser kleine Ausschnitt aus der aktuellen Forschung über die Prognosefaktoren stellt dar, wie komplex und variantenreich die Ausstattung der Tumorzellen ist. Mit Sicherheit stehen wir erst am Anfang des Weges, der uns zu einem tieferen Verständnis für die Entstehung, Ausbreitung, Prognose und nicht zuletzt die Beeinfußbarkeit des Mammakarzinoms durch therapeutische Maßnahmen führen soll.

Dies ist schwierig, da die einzelnen Faktoren nicht unabhängig voneinander sind und mannigfach einander beeinflußen. So ist z. B. weiterhin ungeklärt, wieso viele Faktoren der Zellkinetik, u. a. S-Phase, Ki-67, EGF-Rezeptor und c-erbB-2-Überexpression mit negativen Steroidrezeptoren korrelieren. Ähnliche Wechselwirkungen zwischen Proteasen und Rezeptoren, Proteasen und Neoangiogenese, c-erbB-2-Überexpression und Proteasen etc. sind ebenfalls noch nicht abschließend geklärt.

Angesichts der Fülle der zu untersuchenden Faktoren sind Strukturen zu fordern, die einen weitgehenden Datenaustausch über die Grenzen der einzelnen Forschergruppen hinaus ermöglichen. Auch der Austausch von Tumorgewebe oder die Zusammenführung in zentrale Tumorbanken wäre wünschenswert. Wir befürworten deshalb einen Forschungszusammenschluß, der diese Aufgaben übernehmen soll, ein Netzwerk, das zur schnelleren und zuverlässigeren Bewertung von Prognosefaktoren beiträgt. Damit wird auch das Wissen über die Tumorbiologie zur weiteren Verbesserung in der Karzinomtherapie führen.

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Copyright information

© Springer-Verlag Berlin Heidelberg 1998

Authors and Affiliations

  • M. Untch
    • 1
  • S. Kahlert
    • 1
  • C. Thomssen
    • 2
  • F. Jänicke
    • 2
  1. 1.Klinik und Poliklinik für Geburtshilfe und Frauenheilkunde, Klinikum Großhadern, Ludwig-Maximilians-Universität, München
  2. 2.Frauenklinik und Poliklinik, Universitäts-Krankenhaus Eppendorf, Universität Hamburg

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