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Bildung und Roman als Momente bürgerlicher Kultur Zur Frühgeschichte des deutschen “Bildungsromans”

  • Georg Stanitzek
Article

Zusammenfassung

Zwei Traditionen des 18. Jahrhunderts werden vorgestellt, welche man im 19. Jahrhundert unter der Kategorie des “Bildungsromans” zusammenführen wird. Einerseits thematisieren Romane im Anschluß an Rousseaus “perfectibilité”-Theorem problematische Lebens- und Bildungswege von Individuen. In diesem Zusammenhang wird auf eine Reihe von in der Gattungsgeschichtsschreibung bislang weitgehend ignorierten Texten hingewiesen. Andererseits gelten der Roman und dessen “Charakteristik” als vorzüglicher Maßstab, anhand dessen man die Bildung von Individuen beurteilen kann.

Abstract

Two eighteenth century traditions, which in the nineteenth century will be assembled under the category “Bildungsroman,” are presented. On the one hand, answering to Rousseau’s theorem of “perfectibilité,” novels thematize problematical courses of life and formation of individuals. In this regard some texts are discussed that have been hitherto rather ignored by the historiography of the genre. On the other hand, novels, and modes of characterizing them, serve as a measure with which to judge the cultivation of individuals.

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Literature

  1. 2.
    Karl Morgenstern, “Ueber das Wesen des Bildungsromans,” Inländisches Museum, 1 (1820), 46f.Google Scholar
  2. 4.
    Dieses Moment versucht für eine Neubestimmung des Bildungsromanbegriffs allgemein zu aktualisieren: Dennis F. Mahoney, “Hölderlins ‘Hyperion’ und der Bildungsroman: Zur Umbildung eines Begriffs,” in Verlorene Klassik? Ein Symposium, hrsg. Wolfgang Wittkowski (1986), S. 225ff. Es gehörte natürlich schon zur Fragestellung von Blanckenburgs, wie man “gute, den Geschmack und damit Sitten und Erkenntnis fördernde, mit einem Wort, bildende Romane schaffen könne” (Eberhard Lämmert, “Nachwort,” inGoogle Scholar
  3. 4a.
    Friedrich von Blanckenburg, Versuch über den Roman [1774; Neudruck 1965], S. 545).Google Scholar
  4. 5.
    Morgenstern, “Ueber das Wesen,” 53. Vgl. auch schon Morgenstern, “Bruchstück einer den 12./24. Dec. 1810 zu Dorpat im Hauptsaal der Kaiserl. Universität öffentlich gehaltenen Vorlesung über den Geist und Zusammenhang einer Reihe philosophischer Romane,” Dörptische Beyträge für Freunde der Philosophie, Litteratur und Kunst, 3, Jg. 1816, 1. Hälfte (1817), 188: “Nur ein Mann von einem so reichen eignen Leben konnte gerade das geben, was wir in seinen Werken, zumal seinen Romanen… finden.”Google Scholar
  5. 6.
    Fritz Martini, “Der Bildungsroman: Zur Geschichte des Wortes und der Theorie,” DVjs, 35 (1961), 60.CrossRefGoogle Scholar
  6. 7.
    Rolf Selbmann, Der deutsche Bildungsroman, Sammlung Metzler, 214 (1984), S. 12.Google Scholar
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    Zuletzt Jeffrey L. Sammons, “The Mystery of the Missing ‘Bildungsroman,’ or: What happened to Wilhelm Meister’s Legacy?,” in Genre, 14 (1981), 229–246.Google Scholar
  8. 9.
    Siehe Kurt May, “‘Wilhelm Meisters Lehrjahre,’ ein Bildungsroman?,” in DVjs, 31 (1957), 1–37, mit der Conclusio, Goethes Roman sei “jedenfalls kein Bildungsroman im Sinn des klassischen Humanismus und seiner harmonischen und universalen Humanitätsidee” (S. 33).Google Scholar
  9. 10.
    Zum Gattungsbegriff siehe Jürgen Fohrmann, “Bemerkungen zu einer Theorie literarischer Gattungen,” Ms. (1986).Google Scholar
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    Friedrich Tenbruck, “Bürgerliche Kultur,” Kölner Zs. f. Soziologie und Sozialpsychologie, 27, Sonderheft “Kultur und Gesellschaft” (1986), 263–285CrossRefGoogle Scholar
  11. 11a.
    Hermann Bausinger, “Bürgerlichkeit und Kultur,” Bürger und Bürgerlichkeit im 19. Jahrhundert, hrsg. Jürgen Kocka (1987), S. 121–142.Google Scholar
  12. 12.
    Vgl. die prononcierte Analyse und Wertung bei Robert Musil, “Aus einem Rapial (Nachlaß),” Gesammelte Werke in neun Bdn., hrsg. Adolf Frisé (1978), VII, 830f.Google Scholar
  13. 13.
    Im Sinne von Pierre Bourdieu, La distinction: Critique sociale du jugement (1979).Google Scholar
  14. 14.
    Zum Beispiel Jürgen Jacobs, Wilhelm Meister und seine Brüder: Untersuchungen zum deutschen Bildungsroman (1972).Google Scholar
  15. 15.
    Dazu: Christa Bürger, “Das menschliche Elend oder Der Himmel auf Erden? Der Roman zwischen Aufklärung und Kunstautonomie,” in Zur Dichotomisierung von hoher und niedriger Literatur, hrsg. Christa Bürger et al. (1982), S. 172–207.Google Scholar
  16. 16.
    Hans Robert Jauss, “Der literarische Modernismus von Rousseau bis Adorno,” in Epochenschwelle und Epochenbewußtsein, hrsg. Reinhart Herzog und Reinhart Koselleck, Poetik und Hermeneutik, 12 (1987), S. 257.Google Scholar
  17. 17.
    Über die “Repräsentativität” des hier vorgestellten Ausschnitts sollte man sich allerdings keine Illusionen machen. Vgl. die Roman-Statistik für den hier in Frage stehenden Zeitraum: Albert Ward, Book Production, Fiction, And the German Reading Public 1740–1800 (1974), S. 167f. sowie die synchronen QuerschnitteGoogle Scholar
  18. 17a.
    Eva D. Becker, Der deutsche Roman um 1780 (1964)Google Scholar
  19. 17b.
    Michael Hadley, The German Novel in 1790: A descriptive account and critical bibliography (1973)Google Scholar
  20. 17c.
    Manfred W. Heiderich, The German Novel of 1800: A Study of Popular Prose Fiction (1982).Google Scholar
  21. 19.
    Jean-Jacques Rousseau, Emile ou de l’éducation, Œuvres Complètes (Pléiade), hrsg. Bernard Gagnebin und Marcel Raymond, IV (1969), 241.Google Scholar
  22. 24.
    J.J. Brechter, Briefe über den Aemil des Herrn Rousseau (1773), S. 450.Google Scholar
  23. 26.
    Siehe für Romane und romanähnliche Texte: Helmut Germer, The German Novel of Education from 1764 to 1792: A complete Bibliography and Analysis (1982); ders., The German Novel of Education 1792–1805: A complete Bibliography and Analysis (1968).Google Scholar
  24. 27.
    Für den interessierenden Gegenstandszeitraum dürfte es sinnvoll sein, diese Begriffe vorab als weitgehend synonym zu betrachten. Vgl. Daniel Jenisch, Universalhistorischer Ueberblick der Entwicklung des Menschengeschlechts als eines sich fortbildenden Ganzen: Eine Philosophie der Culturgeschichte (1801), I, 35.Google Scholar
  25. 30.
    Johann Gottlieb Schummel, Wilhelm von Blumenthal oder das Kind der Natur: eine deutsche Lebensgeschichte, 2 Tie. (1780/81), I, 155.Google Scholar
  26. 31.
    Albrecht Kolb, Heinrich v. Z.: Eine Erziehungs = Geschichte eines jungen Adelichen (1787), “Vorrede,” unpag.Google Scholar
  27. 32.
    Johann Georg Heinrich Feder, Emil oder von der Erziehung nach bewährten Grundsätzen (1789); zuerst erschienen unter dem Titel Der neue Emil (1768).Google Scholar
  28. 33.
    Peter Villaume, “Ob und in wie fern bei der Erziehung die Vollkommenheit des einzelnen Menschen seiner Brauchbarkeit aufzuopfern sey?” Allgemeine Revision des gesamten Schul- und Erziehungswesens von einer Gesellschaft praktischer Erzieher, hrsg. Joachim Heinrich Campe, III (1785), 435–616.Google Scholar
  29. 34.
    Reinhart Koselleck, “Fortschritt,” Geschichtliche Grundhegriffe: Historisches Lexikon zur politisch-sozialen Sprache in Deutschland, hrsg. Otto Brunner, Werner Conze und Reinhart Koselleck, II (1975), 378; ders., “‘Fortschritt’ und ‘Niedergang’ — Nachtrag zur Geschichte zweier Begriffe,” in Niedergang: Studien zu einem geschichtlichen Thema, hrsg. Reinhart Koselleck und Urs Widmer (1980), S. 226f.; Günther Buck, Selbsterhaltung und Historizität,” in Subjektivität und Selbsterhaltung: Beiträge zur Diagnose der Moderne, hrsg. Hans Ebeling (1976), S. 209ff. u. 273ff.; ders., “über die systematische Stellung des ‘Emile’ im Werk Rousseaus,” Allgemeine Zs. f. Philosophie, 1 (1980), 18ff.Google Scholar
  30. 35.
    August Ludwig Schlözer, Vorstellung der Universal = Historie, 2. Aufl. (1775), S. 223 f.Google Scholar
  31. 36.
    Georg Christoph Lichtenberg, “über Physiognomik; wider die Physiognomen: Zur Beförderung der Menschenliebe und Menschenkenntnis,” Schriften und Briefe, hrsg. Wolfgang Promies, III (1972), 269.Google Scholar
  32. 37.
    Lichtenberg, “K 270,” Schriften und Briefe, II (1971), 445.Google Scholar
  33. 38.
    Anonym, Entwurf einiger Abhandlungen vom Herzen (1773), S. 3. Vgl. auchGoogle Scholar
  34. 38a.
    Niklas Luhmann, “Frühneuzeitliche Anthropologie: Theorietechnische Lösungen für ein Evolutionsproblem der Gesellschaft,” Gesellschaftsstruktur und Semantik: Studien zur Wissenssoziologie der modernen Gesellschaft, I (1980), 212 f.Google Scholar
  35. 39.
    Das wird ausführlich dargestellt bei: Frederic C. Tubach, “Perfectibilité: der zweite Diskurs Rousseaus und die deutsche Aufklärung,” études Germaniques, 15 (1960), 145ff.Google Scholar
  36. 39a.
    Gottfried Hornig, “Perfektibilität: Eine Untersuchung zur Geschichte und Bedeutung dieses Begriffs in der deutschsprachigen Literatur,” Archiv für Begriffsgeschichte, 24 (1980), 221–257.Google Scholar
  37. 40.
    Christoph Martin Wieland, “Betrachtungen über J. J. Rousseaus ursprünglichen Zustand des Menschen,” Gesammelte Schriften, hrsg. Siegfried Mauermann, 1. Abt., VII (1911), 373.Google Scholar
  38. 41.
    Hinzuweisen ist hier vor allem auf das für die Geschichte des Bildungsromans folgenreiche Faktum, daß von Blanckenburgs Versuch über den Roman ganz in diesem Sinn optiert; vgl. dazu Wilhelm Voßkamp, Romantheorie in Deutschland: Von Martin Opitz bis Friedrich von Blanckenburg (1973), S. 202 ff.Google Scholar
  39. 42.
    Johann Gottfried Herder, “Briefe zu Beförderung der Humanität,” Sämmtliche Werke, hrsg. Bernhard Suphan, XVII (1881), 122.Google Scholar
  40. 43.
    Wilhelm Heinse, “Aphorismen,” Sämmtliche Werke, VII, 3, hrsg. Albert Leitzmann (1925), 264.Google Scholar
  41. 45.
    Zu den im 18. Jahrhundert kurrenten Wachstumsanalogien: E.L. Stahl, Die religiöse und die humanitätsphilosophische Bildungsidee und die Entstehung des deutschen Bildungsromans im 18. Jahrhundert (1934), S. 35ff.Google Scholar
  42. 46.
    Vgl. Hans-Jürgen Fuchs, Entfremdung und Narzißmus: Semantische Untersuchungen zur Geschichte der “Selbstbezogenheit” als Vorgeschichte von französisch “amour propre” (1977), S. 287ff.Google Scholar
  43. 47.
    Rousseau, “Emile,” 308. Arthur O. Lovejoy, The Great Chain of Being: A Study of the History of an Idea, 9. Aufl. (1970; Erstausg. 1936), S. 201.Google Scholar
  44. 48.
    Zur “Ereigniskette” in der englischen und französischen Erzähltradition ist aufschlußreich: Frederick M. Keener, The Chain of Becoming: The Philosophical Tale, the Novel, and a Neglected Realism of the Enlightenment: Swift, Montesquieu, Voltaire, Johnson, and Austen (1983), zum Emile insb. S. 20. Keeners Beobachtungen könnten gerade deshalb anregend auf die Erforschung des “Bildungsromans” wirken, weil sein Versuch, diesen von den “philosophical tales” abzugrenzen, nicht überzeugt (S. 40ff.). Nicht von ungefähr hat Morgenstern den “Bildungsroman” in eine “Reihe philosophischer Romane” gestellt (Morgenstern, “Bruchstück,” 180).Google Scholar
  45. 49.
    Christian Friedrich Sintenis, Dialogen des Küsters Ehrentraut mit den Honoratioren seines Dorfs, I (1796), 85.Google Scholar
  46. 50.
    Sintenis, Hallo’s glücklicher Abend, 2. Aufl. (1785), I, 70.Google Scholar
  47. 51.
    Paul von Stetten, Lebensbeschreibungen zur Erweckung und Unterhaltung bürgerlicher Tugend, 2 Bde. (1778/82).Google Scholar
  48. 52.
    Zu solcher Kritik hatte der Autor sich als Verfasser eines explizit an Wielands Agathon orientierten Romans qualifiziert: Brakebusch, Karl Trautmann, Geschichte seines Lehens und seiner Geistesentwicklung bis ins männliche Alter: Kein Moderoman (1792), “Vorrede,” unpag.Google Scholar
  49. 53.
    Georg Christoph Kellner, Liebe auf den verschiedensten Stufen ihrer Reinheit und Würde: Vom Verfasser der Edle Griechen (1802), II, 28.Google Scholar
  50. 53a.
    Ein Romantitel wie der folgende zeigt das explizit: Joachim Christian Friedrich Schulz, Albertine: Richardsons Clarissa nachgebildet und zu einem lehrreichen Lesebuch für deutsche Mädchen bestimmt, 5 Tie. (1788/89); hier wird ein “Kern” (I, “Vorbericht,” III) aus der Clarissa ausgezogen, die Romanerzählung zugleich als “Magazin von praktischen Lebensregeln für das weibliche Geschlecht” (I, “Vorbericht,” IV) verstanden.Google Scholar
  51. 55.
    Schummel, Der kleine Voltäre: Eine deutsche Lebensgeschichte für unser Freygeistisches Jahrhundert, 2. Aufl. (1785), S. 95.Google Scholar
  52. 56.
    Eine häufig anzutreffende Konstruktion; siehe als weiteres Beispiel etwa: Georg Christian Erhard Westphal, Wilhelm Edelwald die Geschichte eines verlohrnen Sohnes, 2 Bde. (1781). Man denke des weiteren aber auch an die Funktion des Werner im Wilhelm Meister oder die Figurenkonstellation in Tiecks William Lovell.Google Scholar
  53. 57.
    Texte dieser Art und ihren zeitgenössischen diskursiven Zusammenhang untersucht: Ursula Geitner, “Passio Hysterica — Die alltägliche Sorge um das Selbst: Zum Zusammenhang von Literatur, Pathologie und Weiblichkeit im 18. Jahrhundert,” Frauen — Weiblichkeit-Schrift, hrsg. Renate Berger et al., Literatur im historischen Prozeß, N.F., 14 (1985), S. 130–144.Google Scholar
  54. 58.
    Zu deren Erziehungsbemühungen: Voßkamp, “Utopie und Utopiekritik in Goethes Romanen ‘Wilhelm Meisters Lehrjahre’ und ‘Wilhelm Meisters Wander jähre,’” in Utopieforschung: Interdisziplinäre Studien zur neuzeitlichen Utopie, hrsg. Wilhelm Voßkamp (1982), III, 233ff.Google Scholar
  55. 58a.
    Wilfried Barner, “Geheime Lenkung: Zur Turmgesellschaft in Goethes ‘Wilhelm Meister,’” in Goethe’s Narrative Fiction: The Irvine Goethe Symposium, hrsg. William J. Lillyman (1983), S. 85–109Google Scholar
  56. 58b.
    Klaus-Dieter Sorg, Gebrochene Teleologie: Studien zum Bildungsroman von Goethe bis Thomas Mann (1983), S. 73 ff.Google Scholar
  57. 59.
    Johann Heinrich Pestalozzi, “Lienhard und Gertrud: Ein Buch für das Volk,” Sämtliche Werke, hrsg. Artur Buchenau et al., III (1928), 335.Google Scholar
  58. 62.
    Zu dieser Problematik grundlegend: Klaus-Detlef Müller, “Der Zufall im Roman: Anmerkungen zur erzähltechnischen Bedeutung der Kontingenz,” GRM, N.F., 28 (1978), 265–290, insb. die Bemerkungen zum Agathon (272).Google Scholar
  59. 63.
    Zum Thema: Rolf Selbmann, Theater im Roman: Studien zum Strukturwandel des deutschen Bildungsromans (1981).Google Scholar
  60. 64.
    Gottfried August Böttger, Der angenehme Monat: Oder Begebenheiten auf dem Lustschlosse zu B;., I (1778), “Vorrede,” unpag.Google Scholar
  61. 66.
    Vgl. Wolfgang Ruppert, Bürgerlicher Wandel: Studien zur Herausbildung einer nationalen deutschen Kultur im 18. Jahrhundert (1981) S. 41 f.Google Scholar
  62. 67.
    Jean-René Tréanton, “Le concept de ‘carrière,’” Revue française de sociologie, 1 (1960), 73–80; Luhmann, “Individuum, Individualität, Individualismus,” Ms. (1984), S. 64ff.; Verf., “Der Projektmacher: Projektionen auf eine ‘unmögliche’ moderne Kategorie,” ästhetik und Kommunikation, 65/66 (1987), 140ff.; siehe auch die begriffsgeschichtlichen Bemerkungen beiGoogle Scholar
  63. 67a.
    Manfred Schneider, “Der Traum der Signora Paganini: Künstlerkarriere um 1800,” Literaturmagazin, 14 (1981), 40–54.Google Scholar
  64. 68.
    Und dieses Problem stellte sich natürlich gerade für die “Spezialisten” dieser Kultur in besonders prägnanter Weise. Vgl. Herbert Jaumann, “Emanzipation als Positionsverlust: Ein sozialgeschichtlicher Versuch über die Situation des Autors im 18. Jahrhundert,” Zs. f. Literaturwissenschaft und Linguistik, 42 (1981), 46–72.Google Scholar
  65. 69.
    Siehe dazu: Bronislaw Baczko, “Rousseau et la marginalité sociale,” in Rousseau selon Jean-Jacques: Textes présentés au Colloque de Rome, organisé par l’Institut de l’Encyclopédie Italienne et la Faculté des Lettres de l’Université de Genève (1979), S. 117–128; Michel Serres, Le parasite (1980), S. 139ff.Google Scholar
  66. 69a.
    Roland Galle, “Sozialpsychologische überlegungen zu Rousseaus Autobiographie,” in Freiburger literaturpsychologische Gespräche, hrsg. Johannes Cremerius, I (1981), 39–61.Google Scholar
  67. 70.
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  68. 71.
    Anne Germaine de Staël, über Deutschland, hrsg. Monika Bosse (1985), S. 439f.Google Scholar
  69. 72.
    Wobei bestimmte Romane einen regelrecht “forschungsartig” spezialisierten Eindruck machen können: Hans-Jürgen Schings, “Der anthropologische Roman: Seine Entstehung und Krise im Zeitalter der Spätaufklärung,” Deutschlands kulturelle Entfaltung: Die Neubestimmung des Menschen, hrsg. Bernhard Fabian et al., Studien zum achtzehnten Jahrhundert, 2/3 (1980), S. 247–275.Google Scholar
  70. 73.
    Zur moralischen Wilhelm Meister-Kritik: Karl Robert Mandelkow, Goethe in Deutschland: Rezeptionsgeschichte eines Klassikers, I: 1773–1918 (1980), S. 24.Google Scholar
  71. 74.
    Vgl. das so überschriebene Kapitel in: Adolf Langguth, Goethes Pädagogik historisch-kritisch dargestellt (1886), S. 163–176.Google Scholar
  72. 75.
    Friedrich Heinrich Christian Schwarz, Lehrbuch der Erziehungs- und Unterrichtslehre (3. Aufl. 1835), hrsg. Hans-Hermann Groothoff und Ulrich Herrmann (1968), S. 24.Google Scholar
  73. 76.
    Zu Humboldts Aufnahme des Wilhelm Meister: Klaus F. Gille, “Wilhelm Meister” im Urteil der Zeitgenossen: Ein Beitrag zur Wirkungsgeschichte Goethes (1971), S. 43ff.Google Scholar
  74. 77.
    In der Forschung versucht man demgegenüber immer wieder gern, den Roman als “Standardwerk der klassisch-humanistischen Bildungsidee” (Gerhart Mayer, “Wilhelm Meisters Lehrjahre: Gestaltbegriff und Werkstruktur,” Goethe Jahrbuch, 92 [1975], 142) zu retten. Siehe dazu generellGoogle Scholar
  75. 77a.
    Friederike Eigler, “Wer hat ‘Wilhelm Schüler’ zum ‘Wilhelm Meister’ gebildet? ‘Wilhelm Meisters Lehrjahre’ und die Aussparungen einer hermeneutischen Verstehens- und Bildungspraxis,” Goethe Yearbook, 3 (1986), 93–119.CrossRefGoogle Scholar
  76. 78.
    In welchem im 19. Jahrhundert, dem Anspruch nach, die etwa bei Herder formulierte Differenz von “Selbstbildung” und “Wissenssklaverei” (Ilse Schaarschmidt, “Der Bedeutungswandel der Begriffe ‘Bildung’ und ‘bilden’ in der Literaturepoche von Gottsched bis Herder,” in Beiträge zur Geschichte des Bildungsbegriffs, hrsg. Franz Rauhut und Ilse Schaarschmidt [1965], S. 72) ja aufgehoben ist. Nach Humboldt führt der Weg zu gebildeter Universalität gerade über fachwissenschaftliche Spezialisierung (Rudolf Stichweh, “Bildung, Individualität und die kulturelle Legitimation von Spezialisierung,” Ms. [1986].Google Scholar
  77. 79.
    Christian Gottfried Körner, “Ueber Meisters Lehrjahre (aus einem Brief an den Herausgeber der Hören),” Goethe im Urteil seiner Kritiker: Dokumente zur Wirkungsgeschichte Goethes in Deutschland, hrsg. Karl Robert Mandelkow, I: 1773–1832 (1975), S. 127–133; vgl. die kritische Gegenposition: Johann Caspar Friedrich Manso, “Rezension über ‘Wilhelm Meisters Lehrjahre,’” in Goethe im Urteil seiner Kritiker, I, 133–139.Google Scholar
  78. 80.
    Hans Weil, Die Entstehung des deutschen Bildungsprinzips, 2. Aufl. (1967), S. 47, mit Betonung der Rolle Herders; siehe auch S. 157: “das Kriterium der Bildung und damit auch die Zugehörigkeit zur Bildungselite liegt… in einem spezifischen Gerichtetsein.”Google Scholar
  79. 81.
    Man denke an Forderungen wie die, “ieder gebildete Mensch” müsse auf einer Reise “Bürsten, Kämme allerlei Art u.s.w.” mit sich führen (Johann Christian Fick, Der treue Führer auf der akademischen Laufbahn für Jünglinge [1797], S. 35).Google Scholar
  80. 82.
    Ulrich Engelhardt, “Bildungsbürgertum”: Begriffs- und Dogmengeschichte eines Etiketts, Industrielle Welt: Schriftenreihe des Arbeitskreises für moderne Sozialgeschichte, 43 (1986), S. 65ff.Google Scholar
  81. 84.
    Johann Lorenz Blessig, Zur praktischen Seelen = Lehre: Eine Vorlesung (1785), S. 53.Google Scholar
  82. 85.
    Herder, “über die neuere deutsche Literatur: Fragmente,” Werke, hrsg. Wolfgang Pross, I: Herder und der Sturm und Drang 1764–1774 (1984), S. 142.Google Scholar
  83. 86.
    Jean Paul, Titan, Werke in drei Bdn., hrsg. Norbert Miller, 3. Aufl. (1982), II, 509. Für Anregungen zum Thema “Charakteristik” danke ich Klaus Weimar.Google Scholar
  84. 87.
    Zum Zusammenhang beider Konzepte um 1800 vgl. Johann August Eberhard, Handbuch der Aesthetik für gebildete Leser aus allen Ständen: In Briefen herausgegeben, 2. Aufl. (1807), I, 11 f.Google Scholar
  85. 88.
    Daniel Jenisch, Ueber Menschenbildung und Geistesentwickelung in Rücksicht der Alten und Neuern Schriftsteller: Eine Anleitung zu einem philosophisch — critischen Werk, genannt: Geist der Alten (1789), S. 30. — “Welche Geschichte,” äußert in einem Dialogroman Klingers der Weltmann zum Dichter, “möchte man auch von dem Dichter lieber hören, als die Geschichte seiner Bildung!” (Friedrich Maximilian Klinger, “Der Weltmann und der Dichter,” Werke, XVIII [1985], 154).Google Scholar
  86. 90.
    Friedrich Schlegel, Literarische Notizen: Literary Notebooks, hrsg. Hans Eichner (1980), S. 149, Fr. 1395. In den “Kritischen Fragmenten” heißt es: “Mancher der vortrefflichsten Romane ist ein Kompendium, eine Enzyklopädie des ganzen geistigen Lebens eines genialischen Individuums; Werke, die das sind, selbst in ganz andrer Form, wie Nathan, bekommen dadurch einen Anstrich von Roman. Auch enthält jeder Mensch, der gebildet ist, und sich bildet, in seinem Innern einen Roman. Daß er ihn aber äußre und schreibe, ist nicht nötig”Google Scholar
  87. 90a.
    (F. Schlegel, “Kritische Fragmente,” Kritische Schriften, hrsg. Wolfdietrich Rasch [1970], S. 16). Dazu nach wie vor: Sigmund von Lempicki, “Bücherwelt und wirkliche Welt: Ein Beitrag zur Wesenserfassung der Romantik,” DVjs, 3 (1925), 339–386.Google Scholar
  88. 91.
    Vgl. Christoph Meiners, Grundriß der Theorie und Geschichte der schönen Wissenschafften (1787), S. 359f.: Weil die Gattung der “prosaischen Romane” sich seit ihrer Entstehung beständig “umgeändert” hat, kann man “aus den Romanen jedes Zeitalters auf mehrere Art auf den Genius desselben schliessen.”Google Scholar
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    Anonym, “Vorrede,” in Classische Blumenlese der Deutschen, I (1798), S. VIIf.Google Scholar
  90. 93.
    Christian Garve, Philosophische Anmerkungen und Abhandlungen zu Cicero’s Büchern von den Pflichten: Anmerkungen zu dem ersten Buche, 4. Aufl. (1792), 208f. Krünitz’ Encyklopädie präzisiert: “Bey unserer heutigen Verfassung, sind, an die Stelle der freyen Künste, die schönen Künste getretten,” unter ihnen die “Dichtkunst” (“Kunst,” Oeconomische Encyklopädie…, hrsg. Johann Georg Krünitz, XXV [1793], 95).Google Scholar
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    August Wilhelm Schlegel, “Rez.: ‘Classische Blumenlese…,’” Sämmtliche Gierke, hrsg. Eduard Böcking, XI (1847), 373.Google Scholar
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    Anonym, “Rez.: Friedrich Schulz, ‘Leopoldine: Ein Seitenstück zum Moritz,’ 2 Tie. (1790),” Oberdeutsche allgemeine Litteratur-Zeitung, V, 3 (1791), 448.Google Scholar
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    Anonym, “Rez.: anonym, ‘Louise von Boksdorf geb. von Blenkenscheit: Gemähide der verfeinerten Kultur und Aufklärung aus der höhern Menschenklasse,’ 2 Bde. (1788),” AdB, 82, 2 (1789), 456f.Google Scholar
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    Georg Ernst von Ruling, “Rez.: Friedrich Christian Schlenkert, ‘Joseph, ein Gemälde aus der großen Welt,’ 2 Tie. (1782),” AdB, 61, 2 (1785) 425. — Folgsam gegenüber Anwürfen dieser Art gibt sich ein Verfasser einer Reihe moralischer Erzählungen, der in seiner Vorrede prophylaktisch gleich beteuert, er habe sich “nur an die Darstellung der mittlem und niedern und nicht der höhern Stände gewagt, weil ich diese weniger kannte, als jene, und mir nicht so zutraute, ihr feineres Gepräge nachzeichnen zu können, als das schärfere der erstem”Google Scholar
  95. 98a.
    (Gotthelf Wilhelm Christoph Starke, Gemähide aus dem häuslichen Leben und Erzählungen, I [1800], VII).Google Scholar
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    Brakebusch, Musterkarte, S. 109. Die Kritik bezieht sich auf: Christian Friedrich Tr. Voigt, Robert, oder der Mann, wie er sein sollte: Ein Seitenstück zu Elisa, oder das Weib, wie es sein sollte, I (1799).Google Scholar
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    Anonym, “Rez.: Johann Adam Gotthard Kirsten, ‘Lottchens Reisen ins Zuchthaus,’ 3 Tie. (1778),” AdB, 35, 1 (1778), 183.Google Scholar
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    Jean Paul, “Bemerkungen über den Menschen,” Sämtliche Werke: Historisch = kritische Ausgabe, hrsg. Eduard Berend, 2. Abt., V (1936), 175.Google Scholar
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    Für eine solche Zurechnung aufs Publikum, die davon ausgeht, daß dieses sich durch seine Lektüren selbst charakterisiert, siehe (wiederum anhand von Kirstens Lottebens Reisen): Joachim Christoph Friedrich Schulz, Litterarische Reise durch Deutschland (1786), 1. H., 66. Entsprechend heißt es dann positiv über Wielands Agathon: “nur wenige gebildete und aufgeklärte Köpfe kommen in frohen Stunden gern zu demselben zurück…” (Schulz, Litterarische Reise, 2. H., 81).Google Scholar
  100. 105.
    Johann Georg Schlosser, Catechismus der Sittenlehre für den Bürger und Landmann: nach den Bedürfnissen der Zeit… (1800; Erstausg. 1771), “Einleitung,” S. 9.Google Scholar
  101. 106.
    A.W. Schlegel, “Mode = Romane. Lafontaine [1798],” Sämmtliche Werke, XII (1847), 12Google Scholar
  102. 111.
    F. Schlegel, “über Goethes Meister,” Kritische Ausgabe, hrsg. Ernst Behler, II: Charakteristiken und Kritiken, 1 (1796–1801) (1967), S. 143.Google Scholar
  103. 113.
    Aus der Gegenperspektive kann man Verlautbarungen dieser Position zwar als “Rezensionen, die Gedichte über Gedichte sind,” kritisieren (so: August von Hennings, “Meisters Lehrjahre,” Musaget, 6. Stk. [1799], in Goethes Wilhelm Meister: Zur Rezeptionsgeschichte der Lehr- und Wanderjahre, hrsg. Klaus F. Gille [1979], S. 42); aber man wehrt so die mitapplizierte Bildungsdistinktion nicht ab.Google Scholar
  104. 114.
    Siehe dazu Bernd Brunemeier, Vieldeutigkeit und Rätselhaftigkeit: Die semantische Kommunikativitätsfunktion des Kunstwerks in der Poetik und ästhetik der Goethezeit (1983).Google Scholar

Copyright information

© Metzler 1988

Authors and Affiliations

  • Georg Stanitzek
    • 1
  1. 1.BielefeldDeutschland

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