Advertisement

Die Fragen des Malte Laurids Brigge und Georg Simmel

  • Hans-Jüugen Schings
Article

Zusammenfassung

Die „großen Fragen“ von Rilkes Malte, ein Manifest, das aus einer anhaltenden Produktionskrise Rilkes selbst hervorgeht, werden auf die Kulturphilosophie Georg Simmeis bezogen und so aufgeschlossen. Simmeis Philosophie des Geldes, aber auch dessen Soziologie erweisen sich darüber hinaus als Motivspender der Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, die vor diesem Hintergrund ihre antithetisch-kritische Kraft gewinnen.

Abstract

The “great questions“ of Rilke’s Malte, a manifesto originating from Rilke’s own writer’s block, are deciphered by relating them to Georg Simmel’s philosophy of culture. Simmel’s Philosophie des Geldes, but also his Soziologie prove to serve as a source of inspiration for the Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge. Set against this background, they gain their antithetical and critical force.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literature

  1. 1.
    Zitiert werden Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, mit Seitenzahlen in Klammern, nach folgender Ausgabe: Rainer Maria Rilke, Sämtliche Werke, hrsg. vom Rilke-Archiv. In Verbindung mit Ruth Sieber-Rilke besorgt durch Ernst Zinn, Frankfurt a.M. 1966, VI (SW). — Ferner benutze ich: Rainer Maria Rilke, Werke. Kommentierte Ausgabe in vier Bänden, hrsg. Manfred Engel, Ulrich Fülleborn, Horst Nalewski, August Stahl, Frankfurt a.M., Leipzig 1996 (KA).Google Scholar
  2. 2.
    Vgl. William Small, Rilke — Kommentar zu den Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, Chapel Hill 1983, 12f.Google Scholar
  3. 2a.
    August Stahl, Rilke — Kommentar zu den Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, zur erzählerischen Prosa, zu den essayistischen Schriften und zum dramatischen Werk, München 1979, 171; ders., KA III, 921Google Scholar
  4. 2b.
    Manfred Engel in: Rainer Maria Rilke, Die Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, hrsg. u. kommentiert M. Engel, Stuttgart 1997, 255 (und 330).Google Scholar
  5. 3.
    Zum Beispiel: Anthony R. Stephens, Rilkes Malte Laurids Brigge. Strukturanalyse des erzählerischen Bewußtseins, Bern, Frankfurt a.M. 1974, 79ff.Google Scholar
  6. 3a.
    Renate Breuninger, Wirklichkeit in der Dichtung Rilkes, Frankfurt a.M. u.a. 1991, 46ff.Google Scholar
  7. 3b.
    Birgit Giloy, Die Aporie des Dichters. Rainer Maria Rilkes Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, München 1992, 37ff.Google Scholar
  8. 3c.
    Winfried Eckel, Wendung. Zum Prozeß der poetischen Reflexion im Werk Rilkes, Würzburg 1994, 84ff.Google Scholar
  9. 3d.
    Bernhard Arnold Kruse, Auf dem extremen Pol der Subjektivität. Zu Rilkes Aufzeichnungen des Malte Laurids Brigge, Wiesbaden 1994, 73ff.CrossRefGoogle Scholar
  10. 4.
    Rainer Maria Rilke, Lettres à Rodin. Préface de Georges Grappe, Paris 1931, 16f. Vgl. auch: Rainer Maria Rilke — Auguste Rodin, Der Briefwechsel und andere Dokumente zu Rilkes Begegnung mit Rodin, hrsg. Rätus Luck, Frankfurt a.M., Leipzig 2001, 53f.Google Scholar
  11. 5.
    An Lou Andreas-Salome, 25.7. 1903. In: Rainer Maria Rilke — Lou Andreas-Salome, Briefwechsel, hrsg. Ernst Pfeiffer, Zürich, Wiesbaden 1952, 69.Google Scholar
  12. 9.
    Rodin selbst pflegte seine Skulptur so vorzustellen: „Das ist La Main de Dieu. Sie wächst empor aus dem Fels, aus dem Chaos, aus den Wolken. Sie hat einen Bildhauerdaumen, natürlich. Sie nimmt Erdenstaub und schafft daraus Adam und Eva“. Zit. nach der schönen Studie von Michaela Kopp, Rilke und Rodin. Auf der Suche nach der wahren Art des Schreibens, Frankfurt a.M. u.a. 1999 (hier 171), die Rilkes Rodin-Faszination kräftig zu Leibe rückt. Über Rilkes frühe Vorstellung vom Plastiker als Schöpfergott und Erlöser ebd., 58 ff.Google Scholar
  13. 17.
    Vgl. die Briefe vom 7.8. und 10.8. 1903 (Anm. 5), 79 und 91ff. Auch in ihrem Rilke-Buch hat Andreas-Salomé das Problem aufgenommen, mit deutlichen Vorbehalten gegen Rilkes Rodin-Nachfolge. L. Andreas-Salomé, Rainer Maria Rilke, Leipzig 1929, 37ff.Google Scholar
  14. 28.
    An Lou Andreas-Salomé, 12.5.1904 (Anm. 5), 161: „Dann habe ich in Paris etwas begonnen was ich gerne fortsetzen würde: das Lesen in dem großen deutschen Wörterbuche der Gebrüder Grimm, daraus einem Schreibenden, wie mir schien, viel Zufluß und Belehrung kommen kann. Denn eigentlich müßte man doch alles was in der Sprache einmal eingetreten ist und da ist, kennen und zu brauchen wissen, statt mit dem Zufallsvorrath, der gering genug ist und ohne Auswahl, auskommen zu wollen“. Noch im Briefwechsel mit seinem Verleger Anton Kippenberg spielt das Grimmsche Wörterbuch, als „Magnet“ im Turmzimmer des Hauses Kippenberg in Leipzig oder als Kostbarkeit, die Rilke bei André Gide bewundert, eine leitmotivische Rolle. Rainer Maria Rilke, Briefwechsel mit Anton Kippenberg 1906–1926, hrsg. Ingeborg Schnack, Renate Scharffenberg, 2 Bde., Frankfurt a.M., Leipzig 1995, Bd. 1, 404, 422, 484, 486 u.ö. Schwer begreiflich, daß sich die Rilke-, insbesondere die Malte-¥ orschung dieses Hilfsmittels nicht (und schon gar nicht systematisch) angenommen hat — trotz mancher Hilfsbedürftigkeit gerade in Fragen der lexikalischen Semantik.Google Scholar
  15. 29.
    Jacob und Wilhelm Grimm, Deutsches Wörterbuch, Leipzig 1862 (Nachdruck München 1984), III, Sp. 447–457, das Zitat Sp.457.Google Scholar
  16. 33.
    Vgl. den Brief Simmeis an George vom 12.11. 1897, mitgeteilt von Michael Landmann, in: Heinz-Jürgen Dahme, Otthein Rammstedt (Hrsg.), Georg Simmel und die Moderne. Neue Interpretationen und Materialien, Frankfurt a.M. 1984, 431.Google Scholar
  17. 35.
    Dazu die Angaben von Theodore Fiedler in: Rainer Maria Rilke — Ellen Key. Brief wechsel, hrsg. Theodore Fiedler, Frankfurt a.M., Leipzig 1993, 360f.Google Scholar
  18. 39.
    An Ellen Key, 30.3. 1905 (Anm.35), 149. Dazu Ralph Freedman, Rainer Maria Rilke. Der junge Dichter 1875–1906. Aus dem Amerikanischen von Curdin Ebneter, Frankfurt a.M., Leipzig 2001, 333.Google Scholar
  19. 47.
    So ist der vehemente Vorstoß Erich Hellers in der Rilke-Forschung nicht durchgedrungen: „Rilke und Nietzsche“, in: ders., Nirgends wird Welt sein als innen. Versuche über Rilke, Frankfurt a.M. 1975, 71–120. Zum Verhältnis Rilke — Nietzsche zuletztGoogle Scholar
  20. 47a.
    Theo Meyer, Nietzsche und die Kunst, Tübingen, Basel 1993, 197ff.Google Scholar
  21. 49.
    An Hermann Pongs, 21.10. 1924, in: Rainer Maria Rilke, Gesammelte Briefe in sechs Bänden, Leipzig 1937, V, 323.Google Scholar
  22. 51.
    Paul Fechter, Menschen und Zeiten. Begegnungen aus fünf Jahrzehnten, 2. Aufl., Gütersloh 1949, 54.Google Scholar
  23. 52.
    Simmel-Zitate gebe ich durchweg nach der bequem zugänglichen neuen Gesamtausgabe: Georg Simmel, Gesamtausgabe in 24 Bänden, hrsg. Otthein Rammstedt, Frankfurt a.M. 1989f. (GA). Hier: G. Simmel, Ueber Geschichte der Philosophie. Aus einer einleitenden Vorlesung, G A VII, 287. Simmeis Selbstzitat bezieht sich auf: Kant. Sechzehn Vorlesungen, gehalten an der Berliner Universität, GA IX, 13 f.: „Daß Kant gerade diese und keine andere Lehre ausgebildet hat, würden wir psychologisch verstehen, wenn die Genesis seines Seelenlebens uns vollständig offenbart wäre, — die noch dazu oft, kläglich genug, mit den Lebens-,Umständen‘, d.h. mit dem verwechselt wird, was nur um das Leben herumsteht …„.Google Scholar
  24. 53.
    Ähnlich schon ein Notât aus dem Schmargendorfer Tagebuch: „So erstaunt sind die Menschen, wenn aus ihrer Mitte einmal ein Großer und Starker ersteht, daß sie, wenn er schon längst nicht mehr unter ihnen weilt, ihr Tagewerk vergessen und mit wichtigen Worten und leeren Gesten die verlassene Stelle umstehen“. Rainer Maria Rilke, Tagebücheraus der Frühzeit, hrsg. Ruth Sieber-Rilke, Carl Sieber [1942], Frankfurt a.M. 1973, 126.Google Scholar
  25. 57.
    Zum hier berührten Komplex besonders informativ: Georg Simmel, Schriften zur Philosophie und Soziologie der Geschlechter, hrsg. u. eingeleitet Heinz-Jürgen Dahme, Klaus Christian Köhnke, Frankfurt a.M. 1985.Google Scholar
  26. 59.
    Dazu die prägnante Charakteristik von Michael Landmann, „Georg Simmel: Konturen seines Denkens“, in: Ästhetik und Soziologie um die Jahrhundertwende: Georg Simmel, hrsg. Hannes Böhringer, Karlfried Gründer, Frankfurt a.M. 1976, 3–11.Google Scholar
  27. 65.
    So Reinhold Grimm, Von der Armut und vom Regen. Rilkes Antwort auf die soziale Frage, Königstein/Ts. 1981.Google Scholar
  28. 81.
    Naturgemäß anders hat Lukâcs die Sequenz aus der Vorrede verstanden — als Geringschätzung von Ökonomie und Soziologie; „sie erscheinen vielmehr als etwas Oberflächliches, über das die ‚tief ‘veranlagten Menschen unbedingt hinausgehen müssen“. Er verknüpft das mit einer nachgelassenen Aufzeichnung Simmeis: „Für den tieferen Menschen gibt es überhaupt nur eine Möglichkeit, das Leben zu ertragen: ein gewisses Maß an Oberflächlichkeit…“. G. Lukâcs, Die Zerstörung der Vernunft, Neuwied, Berlin 1962, 397 u. 400.Google Scholar
  29. 82.
    Schon vor Jahrzehnten hat Roy Pascal in einem programmatischen Aufriß versucht, Simmel den Germanisten nahezubringen. Roy Pascal, „Georg Simmeis Die Großstädte und das Geistesleben. Zur Frage der ‚Moderne‘“, in: Helmut Kreuzer (Hrsg.), Gestaltungsgeschichte und Gesellschaftsgeschichte, Stuttgart 1969, 450–460 (mit knappen Bemerkungen auch zu Rilke).Google Scholar
  30. 82a.
    Nichts Neues vermeldet der Artikel von Hugh Ridley, „Simmel’s Philosophie des Geldes: A Revaluation“, GLL 47 (1994), 267–272.Google Scholar
  31. 82b.
    Für Rilke unternimmt einen Versuch in diese Richtung Neil H. Donahue, „Fear and Fascination in the Big City: Rilke’s Use of Georg Simmel in The Notebooks of Malte Laurids Brigge“, Studies in 20th Century Literature 16 (1992), 197–219; der Aufsatz kennt freilich nur wenige Simmel-Essays und beschränkt sich auf Phänomene der großstädtisch-deformierten Wahrnehmung.Google Scholar
  32. 82c.
    Zu Hofmannsthals gut bezeugter Lektüre der Philosophie des Geldes wertvolle Hinweise bei Lorenz Jäger, „Zwischen Soziologie und Mythos. Hofmanns thals Begegnung mit Werner Sombart, Georg Simmel und Walter Benjamin“, in: Ursula Renner, G. Bärbel Schmid (Hrsg.), Hugo von Hofmannsthal. Freundschaften und Begegnungen mit deutschen Zeitgenossen, Würzburg 1991, 95–107.Google Scholar
  33. 83.
    Diese Pointe ist der Mtf/te-Forschung offensichtlich nicht bekannt. Vgl. Walter Seifert, Das epische Werk Rainer Maria Rilkes, Bonn 1969, 273ff.Google Scholar
  34. 83a.
    Theodore Ziolkowski, Strukturen des modernen Romans, München 1972, 14: „Rilke hat ein abstraktes Thema, die Zeit, gewählt und es mit einem Vokabular behandelt, das er aus der Welt des Bankwesens und des Handels lieh“.Google Scholar
  35. 92.
    Simmel (Anm. 68), 675: „Der Mangel an Definitivem im Zentrum der Seele treibt dazu, in immer neuen Anregungen, Sensationen, äußeren Aktivitäten eine momentane Befriedigung zu suchen; so verstrickt uns dieser erst seinerseits in die wirre Halt- und Rastlosigkeit, die sich bald als Tumult der Großstadt, bald als Reisemanie, bald als die wilde Jagd der Konkurrenz, bald als die spezifisch moderne Treulosigkeit auf den Gebieten des Geschmacks, der Stile, der Gesinnungen, der Beziehungen offenbart“. — Einen merkwürdigen Parallelfall zu Rilkes Parabel von der Büchse und ihrem Deckel stellt Simmeis kleine Meditation über Vase und Henkel dar, die im August 1905, also kurz nach Rilkes Abreise aus Berlin, im Berliner Tag erscheint. Auch hier geht es um das mögliche Mißverhältnis zweier Ordnungen und deren symbolische, „umfängliche Deutung“. Abgesehen von der Wahl des seltsamen Signifikanten fällt vor allem das gleiche Verfahren ins Auge. Peinlich genau wie Rilke den „Begriff Büchse“ und den Sitz des Deckels, beschreibt und deutet Simmel seinen Gegenstand: „Wie die Gestalt des Henkels die beiden Welten in sich zur Harmonie bringt: die äußere, deren Anspruch mit ihm an das Gefäß herangreift, und die Kunstform, die ihn, ohne Rücksicht auf jene, für sich fordert — das scheint das unbewußte Kriterium seiner ästhetischen Wirkung zu sein. Und zwar muß der Henkel die praktische Funktion nicht nur tatsächlich üben können, sondern er muß dies auch durch seine Erscheinung eindringlich machen. Dies geschieht mit Nachdruck in den Fällen, wo der Henkel angelötet wirkt, im Gegensatz zu denen, wo er mit der Substanz des Vasenkörpers aus einem Fluß gebildet erscheint. Die erstere Gestaltung markiert, daß der Henkel von äußeren Mächten, aus einer äußeren Ordnung der Dinge herangesetzt ist, sie läßt seine aus der reinen Kunstform herausreichende Bedeutung hervor treten“ und so fort. Georg Simmel, Der Henkel. Ein ästhetischer Versuch, GA VII, 345-350, hier: 346. Unschwer läßt sich die Parabel Makes, gerade aufgrund der gleichen Machart, als harsche Kontrafaktur zu Simmeis Henkel-Essay verstehen. — Nicht Rilkes Blechbüchse, sondern Ernst Blochs alten Krug, dessen Betrachtung den Geist der Utopie eröffnet, bringt Theodor W. Adorno gegen Simmeis Henkel in Stellung, mit den Argumenten der üblichen Simmel-Kritik: „Geistreich auf heute arg verblichene Weise, überspann seine Attitude ihre piekfeinen Objekte mit schlichten Kategorien, oder schloß recht allgemeine Reflexionen an, ohne je so ungedeckt in die Sache sich zu verlieren, wie es verlangt ist, wenn Erkenntnis mehr sein soll als der selbstgenügsame Leerlauf ihrer prästabilierten Apparatur“. Theodor W. Adorno, DeHenkel, Krug und frühe Erfahrung, in: Theodor W. Adorno, Noten zur Literatur, Frankfurt a.M. 1974 (Gesammelte Schriften, XI), 556–566, hier: 558. — Eine eindringliche Apologie von Simmeis essayistischer Schreibweise findet man hingegen bei Matthias Christen, „Essayistik und Modernität. Literarische Theoriebildung in Georg Simmeis Philosophischer Kultur“, DVjs 66 (1992), 129–159.Google Scholar
  36. 96.
    Georg Simmel, Soziologie. Untersuchungen über die Formen der Vergesellschaftung, 5. Aufl., Berlin 1968, 58–94 (!). Vgl. auch Julien Freund, „Der Dritte in Simmeis Soziologie“, in: Böhringer, Gründer (Anm.59), 90–101.Google Scholar
  37. 99.
    Einen ganz anders gearteten Bezug auf Simmeis auch ästhetische „Privilegierung des Gesichts“, ebenfalls eine „poetische Antwort auf Simmel“, hat Georg Braungart in Rilkes Archaischer Torso Apolls ausgemacht. Georg Braungart, Leibhafter Sinn. Der andere Diskurs der Moderne, Tübingen 1995, 262ff.CrossRefGoogle Scholar
  38. 103.
    Das mag insbesondere für die Invektiven gegen die „Massen“ gelten und eine „Historie“, „welche die großen Massentriebe als das Wichtige und Hauptsächliche in der Geschichte nimmt“. „Man fahre nur fort…, die Geschichte vom Standpunkt der Massen zu schreiben und nach jenen Gesetzen in ihr zu suchen, die aus den Bedürfnissen dieser Massen herzuleiten sind, also nach den Bewegungsgesetzen der niedersten Lehm- und Tonschichten der Gesellschaft. Die Massen scheinen mir nur in dreierlei Hinsicht einen Blick zu verdienen: einmal als verschwimmende Kopien der großen Männer, auf schlechtem Papier und mit abgenutzten Platten hergestellt, sodann als Widerstand gegen die Großen, und endlich als Werkzeuge der Großen; im übrigen hole sie der Teufel und die Statistik!“. Friedrich Nietzsche, Werke, hrsg. Karl Schlechta, 5. Aufl., Darmstadt 1966, I, 272f. Reflexe von Nietzsches Schrift finden sich in Rilkes Schmargendorfer Tagebuch (Anm.53), 126ff.Google Scholar
  39. 106.
    An Witold von Hulewicz, 10.11. 1925, in: Engelhardt (Anm. 94), 131. Dazu jetzt die schöne Studie von Andreas Anglet, „The Overwhelming Reality of Memory: The Poetics of Memory in Rainer Maria Rilkes Malte“, in: Thomas Wägenbaur (Hrsg.), The Poetics of Memory, Tübingen 1998, 91–111.Google Scholar

Copyright information

© Metzler 2003

Authors and Affiliations

  • Hans-Jüugen Schings
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

Personalised recommendations