Advertisement

Konstruktivismus Ein epistemologisches Selbstbild

  • Gebhard Rusch
Article
  • 41 Downloads

Zusammenfassung

Der Artikel greift drei zentrale Problembereiche aus der Kritik am Radikalen Kon-struktivismus auf und expliziert die entsprechenden konstruktivistischen Grundannah-men: das Erkenntnismodell, den Empiriebegriff und das Konzept der Naturalisierung der Erkenntnistheorie sowie den Zusammenhang von Funktionalismus, Operationalismus und Utilitarismus. Die am Radikalen Konstruktivismus geübte Kritik wird mit der Begründung zurückgewiesen, daß sie die Unterscheidung zwischen kognitiv-sozialer Wirklichkeit und kognitionsunabhängig gedachter Realität nicht mitvollzieht, meta-physische Annahmen über die Realität erfahrungswissenschaftlich zu begründen versucht und funktionale Beziehungen in und zwischen kognitiven Systemen utilitaristisch miß-deutet.

Abstract

Radical Constructivism has been critizised for its conception of epistemology, empiricism and for its operationalism. The article trys to clarify the constructionists arguments. The objections against Radical Constructivism are rejected by pointing out that the critics neglect the difference between cognitive-socially constructed worlds and reality as a domain independent from cognition. The misconception of the relation between worlds and reality leads them to a fundamental misunderstanding of experience, and of the functional relations within and between living systems, between science and reality.

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

Literature

  1. 2.
    Karl Eibl, „Rezension zu: G. Rusch & S. J. Schmidt 1983. Das Voraussetzungssystem Georg Trakls. Braunschweig, Wiesbaden“, Arbitrium — Zeitschrift für Rezensionen zur germanistischen Literaturwissenschaft (1984), 230–240.Google Scholar
  2. 2a.
    Norbert Groeben, „Der Para-digma-Anspruch der Empirischen Literaturwissenschaft“, in: Achim Barsch, Gebhard Rusch, Reinhold Viehoff (Hrsg.), Empirische Literaturwissenschaft in der Diskussion, Frankfurt/M. 1994, 21–38.Google Scholar
  3. 2b.
    Peter Janich, „Die methodische Ordnung von Konstruktionen. Der Radikale Konstruktivismus aus der Sicht des Erlanger Konstruktivismus“, in: Siegfried J. Schmidt (Hrsg.), Kognition und Gesellschaft. Der Diskurs des Radikalen Konstruktivismus 2, Frankfurt/M. 1992, 24–41.Google Scholar
  4. 2c.
    Ralf Nüse, Norbert Groeben, Bernd Freitag, Margrit Schreier, Über die Erfindungen des Radikalen Konstruktivismus. Kritische Gegenargumente aus psychologischer Sicht, Weinheim 1991. Claus Michael Ort, „Texttheorie — Textempirie — Textanalyse. Zum Verhältnis von Hermeneutik, Empirischer Literaturwissenschaft und Literaturgeschichte“, in: Barsch, Rusch, Viehoff (Hrsg.), 104–122. Gerhard Pasternack, „Empirische Literaturwissenschaft und ihre wissenschaftsphilosophischen Voraussetzungen“, in: Barsch, Rusch, Viehoff (Hrsg.), 54–81.Google Scholar
  5. 2d.
    Arno Ros, „I. »Wirklichkeit’ und ‚Konstruktion‘. Der Status der Wirklichkeit in der Genese kognitiver Strukturen bei Jean Piaget“, in: Gebhard Rusch, Siegfried J. Schmidt (Hrsg.), Piaget und der Radikale Konstruktivismus. DELFIN 1994, Frankfurt/M. 1994, 139–175. Arno Ros, „II. Konstruktion’ und ‚Wirklichkeit‘. Bemerkungen zu den erkenntnistheo-retischen Grundannahmen des Radikalen Konstruktivismus“ in: Rusch, Schmidt (Hrsg.), 176–213.Google Scholar
  6. 2e.
    Hans J. Wendel, „Wie erfunden ist die Wirklichkeit?“, DELFIN XII, 6. Jg., H.2 (1989), 79–89.Google Scholar
  7. 2h.
    Hans J. Wendel, Moderner Relativismus. Zur Kritik antirealistischer Sichtweisen des Erkenntnisproblems, Tübingen 1990.Google Scholar
  8. 3.
    Es stellt sich nämlich auch die grundsätzliche Frage, ob man jemanden überhaupt ernst nehmen kann, nach dessen Auffassung die „universitäre Germanistik“ sich dem zuwenden solle, „was eine Geisteswissenschaft wesentlich ausmacht, nämlich zu erschließen, was Literatur in ästhetischer und semantischer Hinsicht zum kulturellen Potential einer Gesellschaft beitragen kann“ (R. Gehrke, „Was leistet der Radikale Konstruktivismus für die Literaturwissenschaft“, DVjs 68 [1994], 170–188, 185), und der gleichzeitig die „für die Analyse von literarischen Werken konstituierende sprachtheoretische Voraussetzung“ macht, „daß nämlich kein Wort, das in die Dichtung eingeht, die gleiche Bedeutung behält, die es in der kommunikativen Rede besitzt“ (ebd., 183). Man fragt sich, wie Herr Gehrke unter dieser Voraussetzung überhaupt etwas erschließen kann. Wie soll man sich angesichts solcher methodologischen Grundsätze noch über das schlechte Image der Disziplin wundern?Google Scholar
  9. 4.
    Leider haben mißverständliche und nicht gründlich genug überdachte Formulierun-gen sowie Versuche systematischer Darstellungen des Diskurses des Radikalen Konstruk-tivismus (z.B. Gebhard Rusch, Erkenntnis, Wissenschaft, Geschichte. Von einem kon-struktivistischen Standpunkt, Frankfurt/M. 1987), den Eindruck entstehen lassen, als würde eine Implikationsbeziehung zwischen z.B. der Theorie autopoietischer Systeme und dem Radikalen Konstruktivismus behauptet oder als sei umgekehrt buchstäblich alles auf Autopoiese, Kognition oder Neurophysiologie reduzierbar. So habe ich z. B. die Ansicht zu revidieren, daß der Radikale Konstruktivismus mit der Viabilität der Theorie autopoietischer Systeme zur Disposition stehe. Nichtsdestoweniger wäre ein konstruk-tivistischer Ansatz ohne eine kognitionsbiologische Theorie z. B. autopoietischer Systeme wissenschaftlich schwerer zu begründen.Google Scholar
  10. 5.
    Vgl. Humberto R. Maturana, Erkennen. Die Organisation und Verkörperung von Wirklichkeit. Ausgewählte Arbeiten zur biologischen Epistemologie, Braunschweig, Wiesbaden 1982Google Scholar
  11. 5a.
    Humberto R. Maturana, Francisco Varela, Der Baum der Erkenntnis. Die biologischen Wurzeln des menschlichen Erkennens, Bern, München, Wien 1987; Heinz v. Foerster, Sicht und Einsicht. Versuche zu einer operativen Erkenntnistheorie, Braunschweig, Wiesbaden 1985; Rusch (Anm. 4).Google Scholar
  12. 6.
    Vgl. vor allem die Arbeiten von Jean Piaget, Gesammelte Gierke. Studienausgabe, Stuttgart 1975; zu den konstruktivistischen Interpretationen: Ernst v. Glasersfeld, Wissen, Sprache und Wirklichkeit. Arbeiten zum Radikalen Konstruktivismus, Braun-schweig, Wiesbaden 1987, Ernst v. Glasersfeld, „Piagets konstruktivistisches Modell: Wissen und Lernen“ in: Gebhard Rusch, Siegfried J. Schmidt (Hrsg.), Piaget und der Radikale Konstruktivismus (Anm. 2), 16–42; Maturana, Varela (Amn. 5).Google Scholar
  13. 7.
    Wie Peter M. Hejl jetzt gezeigt hat, gilt dies auch für bestimmte Theoreme einer systemischen Sozialtheorie, die die Schaffung und Erhaltung von sozialen und individuellen Kapazitäten zur Selbstregelung und Selbstorganisation betreffen; vgl. Peter M. Hejl, „Die Entwicklung und Organisation von Sozialsystemen und ihr Beitrag zum System-verhalten“, in: Gebhard Rusch, Siegfried J. Schmidt (Hrsg.), Konstruktivismus und Sozialtheorie. DELFIN 1993, Frankfurt/M. 1994, 109–132.Google Scholar

Copyright information

© Metzler 1996

Authors and Affiliations

  • Gebhard Rusch
    • 1
  1. 1.SiegenDeutschland

Personalised recommendations