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Der Kosmos als Innenraum Ein persischer Thronsaal und seine Rezeption im Mittelalter

  • Mathias Herweg
Article

Zusammenfassung

Künstliche Kosmosräume sind dem Mittelalter vor allem aus dem Eraclius-Stoff vertraut und dort ursächlich mit dem Perserkönig Cosdras und der Kreuzraublegende verbunden, begegnen später unabhängig davon aber auch in höfischer Epik. Sofern es sich dabei nicht um christliche Sakralräume (wie den Gralstempel) handelt, liegt die dem Motiv immanente Problematik auf der Hand: Die artifizielle Einhegung des Kosmos durch menschliche Kunst folgt der Absicht, die göttliche Schöpfung auf Menschenmaß herabzuziehen, ja: sich selbst gottgleich zu machen. Im Fall Cosdras‘ läßt sich diese Deutung durch die gesamte Stoffgeschichte verfolgen, gleichviel ob das Motiv legendarisch, chronistisch, episch oder bildkünstlerisch gefaßt ist. Im Licht dieses Prototyps und seiner Omnipräsenz im europäischen Mittelalter verlieren aber auch jene kosmischen Artefakte ihre ‚fiktionale Unschuld‘, an die die höfischen Epiker, scheinbar unkritisch, ihre höchste Beschreibungskunst verwandten.

Abstract

In the Middle Ages, rooms imitating the cosmos are mainly known in the context of the Heraclius-tale. There they are causally related to the Persian king Chosroes and the legend of the Holy Cross. Later, similar cosmic spaces emerge independently in courtly epic poetry. Unless the rooms in question are Christian sacral buildings (such as the Temple of the Holy Grail), the problems inherent in the matter are obvious: The artificial representation of the cosmos by human art intends to reduce the divine creation to human standards and at the same time reveals an endeavour to make man God-like. In Chosroes’s case, this interpretation is present throughout the history of the topic, irrespective of the literary or artistic form into which it is integrated: whether in a legend, a chronicle, an epic, or in fine arts. With regard to this omnipresent prototype in European Middle Ages, cosmic artefacts which courtly poets seemingly uncritically have taken pain to describe, too, inevitably lose their ‚fictional innocence‘.

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Literature

  1. 2.
    Eine bekannte Realisation des Typus stellt die ganzseitige Miniatur der Bible morali-sée Wien, ÖNB Cod. 2554f.lv dar (Paris, um 1250); vgl. Abb.l und Otto Mazal, Die Sternenwelt des Mittelalters, Graz 1993, 14f. Zur Ikonographie von Schöpfung und Schöpfer vgl. (mit weiteren Beispielen) Jan van der Meulen, „Schöpfer, Schöpfung“, Lexikon der christlichen Ikonographie (LCI), Rom u.a. 1968ff., IV [1972], 99–123.Google Scholar
  2. 3.
    Vgl. Friedrich Ohly, „Halbbiblische und außerbiblische Typologie“, in: ders., Schriften zur mittelalterlichen Bedeutungsforschung, Darmstadt 1977, 361–400Google Scholar
  3. 3a.
    kritisch dazu Peter Jentzmik, Zu Möglichkeiten und Grenzen typologischer Exegese in mittelalterlicher Predigt und Dichtung, Göppingen 1973, bes. 246–255.Google Scholar
  4. 4.
    Vgl. programmatisch Hans Robert Jauss, „Theorie der Gattungen und Literatur des Mittelalters“, in: ders., Alterität und Modernität der mittelalterlichen Literatur. Gesammelte Aufsätze 1956–1976, München 1977, 327–358, hier: 352f.Google Scholar
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    Vgl. die Forschungsbilanz bei Haiko Wandhoff, Ekphrasis. Kunstbeschreibungen und virtuelle Räume in der Literatur des Mittelalters, Berlin u.a. 2003, 2–12CrossRefGoogle Scholar
  6. 5a.
    zuletzt auch Marie-Sophie Masse, La description dans les récits d’Antiquité allemands, fin du XIIe au début du XIIIe siècle. Aux origines de l’adaptation et du roman, Paris 2004, bes. 25–50. Daneben haben organologische Vorbilder für virtuelle Raum- und Repräsentationskunst sowie der im weiteren Sinne anthropologische Zusammenhang der Makro- und Mikrokosmosidee Beachtung gefundenGoogle Scholar
  7. 5b.
    Reinhold Hammerstein, Macht und Klang. Tönende Automaten als Realität und Fiktion in der alten und mittelalterlichen Welt, Bern 1986Google Scholar
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    Ruth Finckh, Minor mundus homo. Studien zur Mikrokosmos-Idee in der mittelalterlichen Literatur, Göttingen 1999. — Zum weiteren thematischen Kontext vgl. den Sammelband von Holger Krapp, Thomas Wägenbaur (Hrsg.), Künstliche Paradiese — Virtuelle Realitäten. Künstliche Räume in Literatur-, Sozial- und Naturwissenschaften, München 1997.Google Scholar
  9. 6.
    Für den römischen Bereich sei hingewiesen auf den mit aufwendiger Drehmechanik versehenen Kuppelsaal in Neros Domus Aurea, den Sueton beschreibt; zur Konstruktion und Technik solcher Artefakte äußert sich Vitruv, De Architectura IX/X. — Grundlegend zum Thema: Hammerstein (Anm. 5); Henri Stierlin, Astrologie und Herrschaft. Von Piaton bis Newton, Frankfurt a.M. 1988Google Scholar
  10. 6a.
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  11. 6b.
    Ernst Herzfeld, „Der Thron des Khosrô. Quellenkritische und ikonographische Studien über Grenzgebiete der Kunstgeschichte des Morgen- und Abendlandes“, Jahrbuch der Preußischen Kunstsammlungen 41 (1920), 1–24 und 103-147.Google Scholar
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  13. 9.
    Karl-Bernhard Knappe, Repräsentation und Herrschaftszeichen. Zur Herrscherdarstellung in der vorhöfischen Epik, München 1974, 111.Google Scholar
  14. 12.
    Vgl. Paul Frankl, The Gothic. Literary Sources and Interpretations through Eight Centuries, Princeton (NJ) 1960, 201: „Just as God is enthroned in the universe, so the Oriental despot is in his small copy of it. He is himself God’s image and representative and he demands a divinity’s worship from his subjects“.Google Scholar
  15. 13.
    Die Literatur zu diesem Thema füllt Bibliotheken; thematisch und bibliographisch einführend seien nur genannt: Rudolf Simek, Erde und Kosmos im Mittelalter. Das Weltbild vor Kolumbus, München 1992Google Scholar
  16. 13a.
    Johannes Zahlten, Creatio mundi. Darstellungen der sechs Schöpfungstage und naturwissenschaftliches Weltbild im Mittelalter, Stuttgart 1979.Google Scholar
  17. 14.
    In der Regel werden sieben Planetensphären, Fixstern- und Kristallhimmel unterschieden; darüber wohnen die Engel und Heiligen, an höchster Stelle Gott; zur Bildtradition vgl. Hans Holländer, „Weltall, Weltbild“, LCI IV [1972], 498–509. Eine besonders elaborierte Darstellung enthält die Utrechter Historienbibel Wien, ÖNB 2771, 9V (Abb. in: Mazal [Anm.2], 16, Tafel 3).Google Scholar
  18. 15.
    Vgl. Friedrich Möbius, „Himmelsideen im gotischen Kirchengewölbe“, in: Hans-Jürgen Bachorski, Werner Röcke (Hrsg.), Weltbildwandel. Selbstdeutung und Fremderfahrung im Epochenübergang vom Spätmittelalter zur Frühen Neuzeit, Trier 1995, 69–105, hier: 75-83.Google Scholar
  19. 23.
    Die historischen Ereignisse sind vor allem von der Warte der byzantinischen Überlieferung gut erforscht; ich beschränke mich auf grundlegende und einführende Titel, über die sich die Quellen- und Forschungslage weiterführend erschließen läßt: Anatole Frolow, „La vraie Croix et les expéditions d’Héraclius en Perse“, RÉByz 11 (1953), 88–105Google Scholar
  20. 23a.
    Cyril Mango, „Deux études sur Byzance et la Perse Sassanide II: Héraclius, Sahrva- raz et la vraie croix“, Travaux et Mémoires 9 (1985), 105–118Google Scholar
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    John Julius Norwich, Byzantium. The Early Centuries, London 1988, 281–327Google Scholar
  22. 23c.
    Geoffrey Regan, First Crusader: Byzantium’s Holy Wars, New York 2003Google Scholar
  23. 23d.
    Walter E. Kaegi, Heraclius: Emperor of Byzantium, Cambridge, New York 2003; bereits hingewiesen wurde auf den Sammelband von Reinink, Stolte (Anm. 20), hier bes. 175-190 (Jan Willem Drjivers, „Heraclius and the Restitutio Crucis: Notes on Symbolism and Ideology“). Einschlägige Lexikonartikel: H.W. van Os, „Heraclius“, LCIII [1970], 241 f.; ders. und Géza Jaszai, „Kreuzlegende“, LCI II [1970], 642-648Google Scholar
  24. 23e.
    Hans A. Pohlsander, „Herakleios“, Biographisch-bibliographisches Kirchenlexikon XIX (2001), 654–671.Google Scholar
  25. 31.
    Vgl. Herzfeld (Anm. 6); Hammerstein (Anm. 5); zu Byzanz auch Constantin Canavas, „Automaten in Byzanz. Der Thron von Magnaura“, in: Klaus Grubmüller, Markus Stock (Hrsg.), Automaten in Kunst und Literatur des Mittelalters und der Frühen Neuzeit, Wiesbaden 2003, 49–72. Ein spätantik-sassanidischer Silberteller mit der Darstellung eines Prunkthrons samt Baldachin und mechanisch-kosmischem Inventar könnte evtl. auf Cosdras selbst bezogen werden, vgl. Hammerstein, 42 (ein ähnliches Objekt zeigt Herzfeld, nach 4). — Zum Fehlen entsprechender Repräsentationsformen im Westen vgl. Hammerstein (Anm. 5), 110f.; hinzuzufügen wäre, daß es nicht nur in der Rezeption des Cosdrasstoffes, sondern auch mit Blick auf Byzanz eine regelrecht gehässige Abwehrhaltung gegen sie gab, wie Liutprands von Cremona Relatio (vgl. Anm. 11) zeigt: Das ganze byzantinische Hof zeremoniell ist dem ottonischen Gesandten (natürlich durch die heikle Lage und den Verlauf seiner Mission mitbedingt) Ausfluß kraftloser Überzüchtung und Servitut, der Kosmokrator selbst ein grotesk-animalischer Idiot. Im übrigen dürfte die Sakral- und Repräsentationsarchitektur des Ostens mit ihrer Vorliebe für Zentralbau und Kuppelabschluß Kosmosanalogien begünstigt, wenn nicht gar aufgedrängt haben.Google Scholar
  26. 36.
    Zum Pferd als Negativinsignie profaner Macht (u.a. als Hybris- und Häresie- signal!) in theologisch-exegetischer Literatur vgl. Jörg Traeger, „Pferd“, LCI III [1971], 411–415, hier: 412.Google Scholar
  27. 37.
    Ikonographisch ist der Drehmechanismus besonders präzise im Wiesendangener Zyklus umgesetzt (Abb. 2b); hierzu Hermann Koller, „Der Thron Khosraus II. Zu den Chorgemälden in der Kirche von Wiesendangen“, Zs. für Schweizerische Archäologie und Kunstgeschichte 27 (1970), 93–100, hier: 95f. Gegen Kollers Vermutung ist der Beleg keineswegs singular: Auch der Braunschweiger Maler bildet den Kellerraum mit der Pferdebahn ab (nur noch umrißhaft erkennbar: Abb. 5); hier wird die Kraft jedoch nicht direkt auf die vertikale Drehachse, sondern über eine horizontale Kurbel übertragen. Gleiches gilt für eine Cambridger Miniatur (Abb. 4; vgl. Anm. 50) und das Tempziner Altarbild von 1411 (vgl. Anm. 85), die die Pferde wiederum nicht unter-, sondern außerhalb des Kosmosrunds im Freien zeigen.Google Scholar
  28. 40.
    Vgl. etwa Ulrich Ernst, „Mirabilia mechanica. Technische Phantasmen im Antiken- und im Artusroman des Mittelalters“, in: Friedrich Wolfzettel (Hrsg.), Das Wunderbare in der arthurischen Literatur. Probleme und Perspektiven, Tübingen 2003, 45–77.CrossRefGoogle Scholar
  29. 41.
    Zum Konzept des ‚Erinnerungsorts‘ vgl. Maurice Halbwachs, Das kollektive Gedächtnis, Frankfurt a.M. 21985, und bes. die Arbeiten von Pierre Nora und Etienne François (z.B. Les lieux de mémoire, Paris 1984ff.; Lieux de mémoireErinnerungsorte. D’un modèle français à un projet allemand, Berlin 1996; Deutsche Erinnerungsorte, München 2000f. — hier auch der Versuch einer Begriffsbestimmung: „Erinnerungsorte können ebenso materieller wie immaterieller Natur sein, zu ihnen gehören etwa reale wie mythische Gestalten und Ereignisse, Gebäude und Denkmäler, Institutionen und Begriffe, Bücher und Kunstwerke — im heutigen Sprachgebrauch ließe sich von ‚Ikonen‘ sprechen. Erinnerungsorte sind sie nicht dank ihrer materiellen Gegenständlichkeit, sondern wegen ihrer symbolischen Funktion. Es handelt sich um langlebige, Generationen überdauernde Kristallisationspunkte kollektiver Erinnerung und Identität, die in gesellschaftliche, kulturelle und politische Üblichkeiten eingebunden sind und die sich in dem Maße verändern, in dem sich die Weise ihrer Wahrnehmung, Aneignung, Anwendung und Übertragung verändert“, Bd. 1, 17f.). Die Übergänge zum Mythos sind im Einzelfall, und so auch hier, fließend: Der Sieg über Cosdras, vollendet in der Annihilierung seines spektakulären Palastbaus, erfüllt als fundierende origo des Kirchenfestes Exaltatio crucis zweifellos auch jene Kriterien, die aus unterschiedlichem Blickwinkel Mircea Elia- de und Jan Assmann für die Mythengenese ansetzten. Nach Hans Blumenberg sind Mythen durch „hochgradige Beständigkeit ihres narrativen Kerns und ebenso ausgeprägte marginale Variationsfähigkeit“ gekennzeichnet (Arbeit am Mythos, Frankfurt a.M. 51996, 40); dies trifft auf die Kreuzerhöhungslegende als Ganze zu, aber eben auch auf ihr kosmisches Mythologem.Google Scholar
  30. 41a.
    Hierzu Udo Friedrich, Bruno Quast (Hrsg.), Präsenz des Mythos. Konfigurationen einer Denkform in Mittelalter und Früher Neuzeit, Berlin, New York 2005, bes. Einleitung, IXff.Google Scholar
  31. 47.
    Forschungsbibliothek Gotha, Memb. 190, f.65r; dies ist das wohl bemerkenswerteste, aber keineswegs singulare Cosdras-Porträt in der chronistischen Überlieferung (vgl. u.a. Jörn-Uwe Günther, Die illustrierten mittelhochdeutschen Weltchronikhandschriften in Versen. Katalog der Handschriften und Einordnung der Illustrationen in die Bildüberlieferung, München 1993, hier die Nachweise 625). Der Codex enthält sechs weitere Miniaturen mit Motiven des Kreuzzyklus (f.52rv: Auffindung, 65TV: Rückführung und Exaltatio), insgesamt fünf zeigen ikonographische Verwandtschaft mit dem Braunschweiger Secco-Zyklus; dazu unten, Anm. 52.Google Scholar
  32. 48.
    Erweitert man den zumindest rechts scharf abgeschnittenen Regenbogen gedanklich über den unteren Bildrand hinaus, liegt virtuell eine 8-förmige Mandorla vor, wie sie, zum Teil mit eingefügtem Globus, seit der karolingisch-touronischen Schule in der Buchmalerei begegnet; hierzu Wilhelm Messerer, „Mandorla“, LCI III [1971], 147–149, hier: 148.Google Scholar
  33. 49.
    Durch die Taube kommt eine (neben dem Christus- und Herrscherbild) dritte iko- nographische Tradition ins Spiel: der Inspirationstypus (dazu mit Beispielen Géza Jâszai, „Inspiration“, LCI II [1970], 344–346, hier: 345). Er ist hier freilich ebenso pervertiert wie die beiden anderen anzitierten Topoi: Selbstreferentialität prägt den gesamten Entwurf, Kontakt zum irdischen oder gar himmlischen ‚Außen‘ schafft keines der Requisiten, die richtunggebenden Signale (Blick, Hand, Taube) drehen sich im Kreis. — Für fruchtbares Gespräch über diesen Abschnitt danke ich Herrn Dr. Damian Dombrowski (Inst, für Kunstgeschichte, Würzburg).Google Scholar
  34. 51.
    Sol und Luna begegnen in personifizierter oder bildlicher Form, z.T. allegorisch auf Kirche und Synagoge gedeutet, auch in den sog. ‚Te igitur‘-Illustrationen früh- und hochmittelalterlicher Buchmalerei; es handelt sich dabei um die Darstellung des Gekreuzigten (T-Initiale), die beiden Gestirne stehen jeweils außerhalb der Szene über den Kreuzarmen; vgl. Jürgen Gutbrod, Die Initiale in Handschriften des 8.-16. Jahrhunderts, Stuttgart 1965, 17–73. Der sakral-sakrilegische Bezug ist also auch in diesem mehrfach begegnenden Detail offensichtlich.Google Scholar
  35. 56.
    Bislang fehlt eine zufriedenstellende kunsthistorische Analyse des Zyklus; die Beiträge von Rudolf Kautzsch, „Die Herakliusbilder zu Frau-Rombach in Oberhessen“, in: Studien aus Kunst und Geschichte, Fs. Friedrich Schneider zum 70. Geb., Freiburg i.Br. 1906, 507–530Google Scholar
  36. 56.
    und Heinrich Sippel, Die gotischen Wandmalereien in der Dorfkirche von Fraurombach im Schlitzerland, o.O. 21989, erschöpfen sich im wesentlichen in der Nacherzählung der Fabel und einer oberflächlich-immanenten Charakterisierung der Bildszenen. Eine im vorliegenden Rahmen nicht zu leistende Beschreibung und Deutung des Zyklus auf Basis der Vorlage(n?) ist in Vorbereitung.Google Scholar
  37. 60.
    Als Beispiel unter vielen sei nur die Herausarbeitung der Trajanvita (5839-6096) aus einer Exempel- (die rechtsuchende Witwe) und Legendenfabel (Trajans Seelenrettung) genannt. Zu Struktur- und Stoffaspekten vgl. nach wie vor Friedrich Ohly, Sage und Legende in der Kaiserchronik. Untersuchungen über Quellen und Aufbau der Dichtung, Darmstadt 21968.Google Scholar
  38. 62.
    So Heinrich Lichtenberg, Die Architektur dar Stellungen in der mittelhochdeutschen Dichtung, Münster 1931, 56.Google Scholar
  39. 71.
    A/Wien in einer jüngeren Version der Kaiserchronik, C/Gotha als Teil der Weltchronik Heinrichs von München (Sigle: Gol); hinzu kommen kürzere Exzerpte in weiteren Heinrich von München-Handschriften (vgl. im einzelnen Dorothea Klein, „Die Weltchronik Heinrichs von München. Ergebnisse der Forschung“, in: Horst Brunner [Hrsg.], Studien zur Weltchronik Heinrichs von München. Bd.l: Überlieferung, Forschungsbericht, Untersuchungen, Texte, Wiesbaden 1998, 199–239, hier: 226f.). — Entsprechend offen präsentiert sich die Textgestalt: Allein der separate Text der Hs. B enthält den Prolog, verzichtet dafür aber auf weite Teile des wohl als bekannt vorausgesetzten Schlusses; Hss. A/C steigen mit Phokas‘ Wahl und Eraclius‘ Aufstieg direkt in das chronikalische Geschehen ein.Google Scholar
  40. 89.
    Ulrich Müller, Untersuchungen zur politischen Lyrik des deutschen Mittelalters, Göppingen 1974, 132. sprichwörtlicher’ als der Reichtum werden indes auch hier die hybriden Begleiterscheinungen gewesen sein, denen die Mehrzahl der Anspielungen gilt!Google Scholar
  41. 95.
    Daß dies nebenbei nicht die einzige Sicht Rudolfs in der zeitgenössischen Publizistik und Historiographie war (wenn sie auch gerade in der Spruchdichtung zu dominieren scheint), zeigt die umfassende Untersuchung von Erich Kleinschmidt, Herrscherdarstellung. Zur Disposition mittelalterlichen Aussageverhaltens, untersucht an Texten über Rudolf von Habsburg, Bern 1974.Google Scholar
  42. 96.
    Hrsg. Philipp Strauch, Hannover, Leipzig 1891 (MGH Dt. Chron. 3). Einführend vgl. Karl-Ernst Geith, „Enikel, Jans“, 2VL 2 [1980], 565–569Google Scholar
  43. 96a.
    zur Spezifik von Jans’ Geschichtsbehandlung vgl. Fritz Peter Knapp, Die Literatur des Spätmittelalters in den Ländern Österreich, Steiermark, Kärnten, Salzburg und Tirol von 1273 bis 1439, 1. Halbbd., Graz 1999, 234–247.Google Scholar
  44. 103.
    Ygi uirich Engelen, Die Edelsteine in der deutschen Dichtung des 12. und 13. Jahrhunderts, München 1978, 193.Google Scholar
  45. 104.
    Die Auswahl in diesem Rahmen bevorzugt Fälle, die in der bisherigen Deutung geringere Aufmerksamkeit gefunden haben als etwa die ‚Klassiker‘ wie Gottfrieds Minnegrotte. Verwiesen sei zur Forschungslage für den deutschsprachigen Bereich auf Wandhoff (Anm. 5), für den mittellateinischen auf Christine Ratkowitsch, Descriptio picturae. Die literarische Funktion der Beschreibung von Kunstwerken in der lateinischen Großdichtung des 12. Jahrhunderts, Wien 1991; zu Kosmos-Ekphrasen jeweils passim. Masse (Anm. 5), hier: 146-154, bezieht sich unter den Zwischentiteln Embrasser l’univers/ Défier la création par l’artifice auf Beispiele aus deutschen Antikenepen (hier: 147, Anm. 104, auch weiterführende Literatur).Google Scholar
  46. 108.
    Abdruck der Stelle bei Ratkowitsch (Anm. 104), 165f.; dt. Übersetzung: Gerhard Streckenbach, Walter von Châtillon. Das Lied von Alexander dem Großen, Heidelberg 1990, 135–137.Google Scholar
  47. 119.
    Hier wirkt natürlich auch die Kehrseite des mittelalterlichen Alexanderbildes, von der sein keineswegs maßloserer Gegner Darius, von Cosdras zu schweigen, nicht profitieren kann, nämlich seine Rolle und Dignität als (unbewußtes) Werkzeug im göttlichen Heilsplan, grundgelegt in der Biblizität der Gestalt (Makkabäerbücher, visio Danielis). Einführend zum mittelalterlichen Alexanderbild Trude Ehlert, Deutschsprachige Alexanderdichtung des Mittelalters, Frankfurt a.M. u.a. 1989, sowie Elisabeth Lienert, Deutsche Antikenromane des Mittelalters, Berlin 2001, 26-71, hier bes. 68f.Google Scholar
  48. 120.
    Vgl. Helmut Brackert, Rudolf von Ems. Dichtung und Geschichte, Heidelberg 1968, 111–157 und 244-246.Google Scholar
  49. 125.
    Vgl Wolfgang Achnitz, Babylon und Jerusalem. Sinnkonstituierung im Reinfried von Braunschweig und im Apollonius von Tyrland Heinrichs von Neustadt, Tübingen 2002, 172–184CrossRefGoogle Scholar
  50. 125a.
    Mathias Herweg, „Herkommen und Herrschaft. Zur Signatur der Spätausläufer des deutschen höfischen Romans um 1300“, Archiv 241 (2004), 241–287, hier: 275-277.Google Scholar
  51. 129.
    Hrsg. Ernst Regel, Berlin 1906. — Zu den kosmologischen Bezügen des Romans vgl. die sorgfältige Studie von Klaus Speckenbach, „Kosmologische Aspekte im Wilhelm von Österreich“, in: Nine Miedema, Rudolf Suntrup (Hrsg.), Literatur, Geschichte, Literaturgeschichte. Beiträge zur mediävistischen Literaturwissenschaft. Fs. Volker Honemann zum 60. Geburtstag, Frankfurt a.M. u.a. 2003, 249–262.Google Scholar
  52. 134.
    Vgl. die Deutung von Gisela Vollmann-Profe, „Johann von Würzburg, Wilhelm von Österreich“, in: Walter Haug, Burghart Wachinger (Hrsg.), Positionen des Romans im späten Mittelalter, Tübingen 1991, 123–135, hier: 128-131.Google Scholar
  53. 138.
    Wie in der literaturwissenschaftlichen Praxis üblich, ist der Intertextualitätsbegriff auch hier nicht in dem universalen Sinn verstanden, wie ihn im Gefolge Michail Bachtins Julia Kristeva geprägt hat (stark vereinfacht: jeder Text sei ein „mosaïque de citations“ in einem textuellen Universum, vgl. Sémeiotiké. Recherches pour une sémanalyse, Paris 1978 [hier: 146]), sondern im Sinne der pragmatisch-operablen Differenzierungen Gérard Genettes und seiner Nachfolger (vgl. bes. Gérard Genette, Palimpseste. Die Literatur auf zweiter Stufe, Frankfurt a.M. 21993 [Paris 1982]Google Scholar
  54. 138a.
    Ulrich Broich, Manfred Pfister, Intertextualität, Tübingen 1985).CrossRefGoogle Scholar
  55. 139.
    Hierzu vgl. neben Genette bes. Karlheinz Stierle, „Werk und Intertextualität“, in: Wolf Schmid, Wolf-Dieter Stempel (Hrsg.), Dialog der Texte. Hamburger Kolloquium zur Intertextualität, Wien 1983, 7–12, der die Konfiguration eines Textes durch seine produktionsästhetische, „elementare“ (etwa die Leerstelle im Gattungsfeld, die er füllt) und seine rezeptionsästhetische, jeweils neue Bezüge und Korrelationen schaffende Intertextualität bestimmt sieht.Google Scholar
  56. 140.
    Dabei spielt der konnotativ aktualisierte ‚Intertext‘, nach Riffaterre „one or more texts which the reader must know in order to understand a work of literature in terms of its overall significance (as opposed to the discrete meanings of its successive words, phrases, and sentences)“, die zentrale Rolle, bildet gewissermaßen die Matrix des ‚aktuellen‘ Textes: Michael Riffaterre, „Compulsory reader response: The intertextual drive“, in: Michael Worton, Judith Still (Hrsg.), Intertextuality, Manchester 1990, 56–78, hier: 56.Google Scholar
  57. 141.
    Dies gilt m.E. auch für den in der Forschung häufig als hochgradig fiktional charakterisierten Wilhelm von Österreich (vgl. oben, V), wobei das Problem bereits im modernen Fiktionalitätsbegriff liegen dürfte; zur Fiktionalitätsdebatte resümierend Gertrud Grünkorn, Die Fiktionalität des höfischen Romans um 1200, Berlin 1994; Fritz Peter Knapp, Manuela Niesner (Hrsg.), Historisches und fiktionales Erzählen im Mittelalter, Berlin 2002, sowie in prägnanter Skizzierung der mit dem Begriff verbundenen Probleme Fritz Peter Knapp, Rez. zu Dennis H. Green, Arbitrium 1 (2003), 21-26.Google Scholar

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© Metzler 2006

Authors and Affiliations

  • Mathias Herweg
    • 1
  1. 1.WürzburgDeutschland

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