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Monarchie, Demokratie, Dekonstruktion Eine kulturwissenschaftliche Neulektüre von Benjamins Zur Kritik der Gewalt

  • Peter Garloff
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Zusammenfassung

Durch seine Abhandlung Zur Kritik der Gewalt von 1921 ist Benjamin weithin als ein Denker des Rechts und der Gerechtigkeit bekannt. Die vorliegende Studie deckt die blinden Flecken der Debatte um Benjamins Gewalt-Kritik auf, indem sie diese innerhalb der Frühphase der Weimarer Republik — einer durch die politische Revolution von 1918/19 geprägten rechtskulturellen Sattelzeit — neu kontextuiert.

Abstract

Benjamin’s notion of law and justice is widely known through his essay On the Critique of Violence, written in 1921. The following study reveals the blind spots in the debate on Benjamin’s text by recontextualizing it within the early period of the Weimar Republic, a period of cultural transition spawned by the German revolution in 1918/19.

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Literature

  1. 1.
    Walter Benjamin, Zur Kritik der Gewalt, Gesammelte Schriften, unter Mitwirkung von Theodor W. Adorno und Gershom Scholem hrsg. Rolf Tiedemann und Hermann Schweppenhäuser, Frankfurt a.M. 1977, II/l, 179–203. Wörtliche Zitate daraus fortan unter der Sigle II nachgewiesen. Der Text ist erstmals erschienen in: Archiv für Sozialwis senschaft und Sozialpolitik Jg. 47, Heft 3, August 1921, 809–832.Google Scholar
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    Hierzu siehe Barbara Remitiert, Verfassungs- und verwaltungsrechtliche Grundlagen des Übermaßverbotes, Heidelberg 1995, 170.Google Scholar
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    Neben Kelsen ist hier Gustav Radbruch zu erwähnen. Zu Radbruchs Demokratiebegriff vgl. Klaus Adomeit, „Gustav Radbruch — zum 50. Todestag”, Neue Juristische Wochenschrift 47 (1999), 3465–3468, hier: 3467.Google Scholar
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    Hermann Heller, „Die Krise der Staatslehre”, in: ders., Gesammelte Werke, II: Recht, Macht, Staat, hrsg. Christoph Müller, 2. Auflage, durchgesehen und um ein Nachwort erweitert, Tübingen 1992 (Erstveröffentlichung 1926), 23.Google Scholar

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© Metzler 2001

Authors and Affiliations

  • Peter Garloff
    • 1
  1. 1.BerlinDeutschland

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