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Versicherbarkeit und ihre Grenzen: Logik — Realität — Konstruktion

  • Erwin Eszler
Abhandlungen

Zusammenfassung

Der hier vorgestellte Zugang ist von den fundamentalen Fragen geprägt, welche Arten von Wissensstrukturen bzw. Aussagen überhaupt im Bereich der Thematik „Versicherbarkeit und ihre Grenzen“ vorkommen, welche Qualität diese Strukturen haben, wie man zu diesen Strukturen kommt und nach welchen Kriterien diese Strukturen zu beurteilen sind. Damit soll ein Rahmen zur Systematisierung der vielen heterogenen Darstellungen sowie zur Generierung von jeweils homogenen Aussagensystemen zur Verfügung gestellt werden. Am Ende des Beitrages werden auch mögliche Praxisbezüge und somit Anwendungsmöglichkeiten — sowohl im versicherungwissenschaftlichen wie auch im versicherungswirtschaftlichen Bereich, jeweils auf Methoden- und auf Inhaltsebene — aufgezeigt.

Drei Ansätze werden als Arbeitshypothesen (Konstruktionen 2. Ordnung) herangezogen.

Im I. Ansatz (rationalistisch-idealistischer Ansatz; Logik der Versicherbarkeit) sollen ideale logische Strukturen durch rationales Denken erfaßt werden. Kriterium zur Beurteilung dieser Strukturen ist logische Richtigkeit. Bisherige Untersuchungen haben ergeben, daß sich im Rahmen des I. Ansatzes auf Basis der erfaßten idealen logischen Strukturen nur Wenn-Dann-Beziehungen bzw. Je-Desto-Beziehungen ableiten lassen, jedoch keine absoluten Grenzen der Versicherbarkeit.

Im II Ansatz (empiristisch-realistischer Ansatz; Realität der Versicherbarkeit) sollen reale Strukturen durch Wahrnehmung über die Sinne erfaßt werden. Das Kriterium zur Beurteilung dieser Strukturen ist empirische Wahrheit. Objekte sind einerseits die vorhandene Praxis der Versicherbarkeit selbst, andererseits die vorhandenen Darstellungen zur Versicherbarkeit. Neben der Erfassung dieser Objekte (methodisch-formaler Aspekt) kann auch der Inhalt von vorhandenen Darstellungen auf ihren Realitätsbezug untersucht werden (inhaltlich-kritischer Aspekt).

Im III. Ansatz (konstruktivistisch-instrumentalistischer Ansatz; Konstruktion der Versicherbarkeit) geht es um die Schaffung von Strukturen (durch Konstruktionen 1. Ordnung), die instrumental sein sollen, das heißt, daß sie im Hinblick auf näher zu bestimmende Ziele, Anforderungen, Standards u. ä. (z. B. wissenschaftlicher Institutionen oder der Praxis) tauglich sein sollen. Diese Instrumentalität ist zugleich Kriterium für die Beurteilung dieser Strukturen. Als Beispiel wird ein konstruierter Bezugsrahmen zur Identifikation von Versicherbarkeitsfaktoren in den verschiedenen Phasen des Versicherungsgeschäftes auf systemtheoretischer Basis gebracht. Schließlich wird noch ein Ausblick auf eine konstruierte Konzeption von „Versicherbarkeitspolitik bzw. Versicherbarkeitsmanagement“ gegeben.

Abstract

The approach presented here is characterized by the fundamental questions: what kinds of knowledge structures and statements can be there in the field of „Insurability and its Limits“, of which quality are they, how can they be obtained and upon which criteria can they be assessed. By this, a framework for systematizing the many heterogenous structures and statements and for generating homogenous systems of structures and statements shall be made available. At the end of this article possible applications — in the field of insurance studies as well as in the field of insurance business, method-oriented as well as content-oriented — are shown.

Three approaches are drawn upon as working hypotheses (construction of 2nd order):

On the basis of the 1st approach (rationalistic-idealistic approach; Logic of Insurability) ideal, logical structures shall be obtained by logical reasoning (i. e. by deducing from axioms). The adequate criterion is pure logical correctness. So far research has shown that only „if-then“-relations can be obtained, but no absolute limits of insurability.

On the basis of the 2nd approach (empiristic-realistic approach; Reality of Insurability) real structures shall be obtained by sense perception. The criterion is empiristic truth.

Objects are the existing practice in the insurance industry itself on one hand, and existing representations (as for instance in publications) on the other hand. Apart from the registration of these objects (formal-methodical aspect) the content of such representations can be examined with regard to its relation to reality (content-oriented critical aspect).

On the basis of the 3rd approach (constructivistic-instrumentalistic approach; Construction of Insurability) new structures shall be generated via construction (of 1st order). These structures shall be instrumental with regard to certain objectives or standards. And this instrumentality (be it for the scientific world, the industry or other institutions) of these structures is the criteron of this approach. An example is the constructed frame of reference for the identification of factors of insurability in the different phases of the insurance business on the basis of systems theory. The article ends with an outlook to the constructed concept of „Insurability Policy“ and „Insurability Management“.

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Literatur

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Copyright information

© Deutscher Verein für Versicherungswissenschaft 2000

Authors and Affiliations

  • Erwin Eszler
    • 1
  1. 1.Wien

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