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Archiv für mikroskopische Anatomie

, Volume 97, Issue 1–2, pp 72–135 | Cite as

Zur Frage über die Struktur des Eifollikels bei den Säugetieren

  • S. W. Mjassojedoff
Article

Resumee

Die Hauptresultate meiner Arbeit können folgendermaßen resümiert werden:
  1. 1.

    Die Zona pellucida bei der Katze besteht aus zwei heterogenen Schichten: a) der äußeren Filzschicht, welche sich ihrerseits wieder aus der gallertartigen Grundsubstanz und dem in ihr gelagerten protoplasmatischen, von den Fortsätzen der Follikelzellen gebildeten Geflechte zusammensetzt, und b) der inneren radiären Schicht, welche ebenfalls aus Grundsubstanz und aus den radiären Fortsätzen der Follikelzellen gebildet wird.

     
  2. 2.

    Während der Genese der Zona pellucida bei der Katze entsteht zuerst die Grundsubstanz der Filzschicht unter unmittelbarer Teilnahme der Follikelzellen. Die Grundsubstanz der radiären Schicht wird später vom Ei gebildet. Zwischen dem Ei und den Follikelzellen erhält sich eine primäre Protoplasmaverbindung, welche bei der Entstehung der Zona pellucida nicht gelöst wird.

     
  3. 3.

    Die Zona pellucida beim Kaninchen besteht aus drei Schichten: der äußeren, mittleren und inneren. Die äußere und innere Schicht entsprechen genetisch durchaus der Filz- und Radiärschicht der Katze, obwohl sie sich morphologisch von ihnen stark unterscheiden. Die Mittel- oder Zwischenschicht erscheint genetisch als die späteste und stellt in ihrer Hauptmasse ein Erzeugnis der außeren Schicht dar.

     
  4. 4.

    Bei der Entstehung der Zona pellucida beim Kaninchen tritt zuallererst die Grundsubstanz der radiären Schicht auf. Sie nimmt ihren Ursprung hauptsächlich von den verschiedenartigen Körperchen und Klümpchen, welche sich im Ooplasma bilden und aus ihnen herausgestoßen werden.

     
  5. 5.

    Die Grundsubstanz der radiären Schicht kann in einzelnen Fällen ein sehr verschiedenartiges histologisches Aussehen besitzen (konzentrische Schichtung, radiäre Verdichtungen usw.).

     
  6. 6.

    Die Fortsätze der Follikelzellen können tief in das Ooplasma eindringen, wobei sie sich mit ihm in engem Kontakte befinden. Bei der Atresie des Eies werden sie mitunter aus dem Ooplasma herausgezogen und ihre Enden bilden dabei charakteristische bläschenartige Anschwellungen von degenerativer Natur.

     
  7. 7.

    Die Follikelzellen sind miteinander immer durch Protoplasmafortsätze verbunden, welche sich in alien Richtungen verzweigen, und während der Auflockerung des Follikelepithels interzelluläre Netze bilden.

     
  8. 8.

    Während der Bildung der Follikelhöhlen in den Eifollikeln des Kaninchens geht die Protoplasmaverbindung zwischen den auseinandergeschobenen Zellen nicht immer verloren; ihre Fortsätze dehnen sich aus und durchziehen die Höhlen. Diesen Fortsätzen entlang gleiten die Produkte der Zellendegeneration.

     
  9. 9.

    In einigen Fällen von Atresie dringen die Follikelzellen in das Ei hinein und spielen hier die Rolle von Phagozyten.

     
  10. 10.

    In anderen Fällen nimmt das Follikelepithel den Charakter eines Embryonalgewebes an, welches späterhin narbenähnliches Gewebe bildet.

     
  11. 11.

    Im Bildungsprozeß der Follikelflüssigkeit können wir zwei Phasen unterscheiden: die erste besteht in der Erscheinung einer homogenen gallertartigen Substanz, welche das unmittelbare Verwandlungsprodukt eines Teiles des Zellprotoplasmas ist, und in ihrer gleichzeitigen Vermengung mit der wässerigen Flüssigkeit, welche von denselben Zellen ausgearbeitet wird (primäre Follikelflüssigkeit). Die zweite Phase besteht in der allmählichen Verflüssigung des in der ersten Phase entstandenen Produktes, und dauert so lange fort, bis die sekundäre Follikelflüssigkeit erschienen ist.

     
  12. 12.

    Die in der ersten Phase entstehende gallertartige Substanz und die primäre Follikelflüssigkeit sind in einigen Beziehungen dem Kollagen verwandt, werden jedoch von Trypsin verdaut.

     
  13. 13.

    Die Call - Exner schen Körperchen spielen eine bedeutende Rolle im Bildungsprozeß der Follikelflüssigkeit. Jedes Körperchen entwickelt sich im Zentrum einer Zellengruppe aus den vereinigten Protoplasmen aller anliegenden Zellen. Hier beginnt die Bildung der Follikelflüssigkeit und je nach den verschiedenen Phasen des Prozesses und den hier vorkommenden Variationen können die einzelnen Körperchen sich voneinander durch ihre Struktur bedeutend unterscheiden.

     
  14. 14.

    Zwischen dem Auflockerungsgrad des Eifollikels und der Zahl der in ihm enthaltenen Call-Exner schen Körperchen besteht eine direkte proportionale Beziehung, da in den lockeren Eifollikeln die in den Call-Exner schen Körperchen vorhandenen und für die erste Bildungsphase der Follikelflüssigkeit notwendigen, engen, interzellulären Räume fehlen.

     
  15. 15.

    Einige Zellen des Follikelepithels und ihre Fortsätze können in toto oder teilweise einer besonderen Metamorphose verfallen und bilden dann verschiedene, eigenartige Körperchen, welche allem Anschein nach zur ersten Bildungsphase der Follikelflüssigkeit in Beziehung stehen. Die Körperchen haben mitunter eine große Aehnlichkeit mit denjenigen, welche während der Ausarbeitung der Zona pellucida aus dem Ooplasma ausgestoßen werden.

     

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Copyright information

© Springer-Verlag 1923

Authors and Affiliations

  • S. W. Mjassojedoff
    • 1
  1. 1.Anatom.-histolog. Laboratorium der Universität St. PetersburgPetersburg

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