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Carl Schorlemmer als Wissenschaftshistoriker: Zur Kenntnis seines unvollendeten Manuskripts „Beiträge zur Geschichte der Chemie”

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Summary

Upon his death in 1895, Carl Schorlemmer, professor of chemistry at the Victoria University in Manchester/GB, left an extensive but unfinished and unpublished manuscript, which is now stored in the John Rylands University Library of Manchester. It covers about 1100 pages and deals with the history of chemistry from antiquity to the second third of the 17th century.

Based on a several years' study of this paper, an evaluation of its main parts (Chemical knowledge of antiquity/The age of alchemy/The age of medical chemistry) is given. As compared with his bookThe Rise and Development of Organic Chemistry (Manchester/London 1879) Schorlemmer seemes to have overstepped the summit of scientific-historical efficiency in the „Contributions...”. Some authors believe that he intended to write an universal history of chemistry from the Marxist point of view but this presumption cannot be supported.

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Literatur

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    Siebold sah den Hauptgrund für die Unverkäuflichkeit des Manuskripts darin, daß es mit dem Ende des 17. Jahrhunderts abbrach und die neuere Entwicklung der Chemie nicht berücksichtigte. Im Juli 1895 schrieb er an Engels: „...und aus diesem Grund habe ich vor 2 Jahren selbst Ergänzungsversuche gemacht in der guten Absicht, es bis zur gegenwärtigen Zeit fortzusetzen; wobei ich jedoch sehr bald heraus fand daß ich dieser Absicht nicht in entsprechender Weise gewachsen war.” Brief von L. Siebold an F. Engels vom 22.7.1895. IISG Amsterdam, L 5709. Den Hinweis auf diesen Brief verdanke ich Herrn Dr. Heinig, Berlin.Google Scholar
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    Einen ähnlichen Vorschlag, nämlich „Beiträge zur älteren Geschichte der Chemie, hinterlassene Fragmente von C. Schorlemmer”, machte auch F. Engels in seinem letzten Brief-Konzept an Siebold vom 28.7.1895 [2, Bd. 39, S. 544].Google Scholar
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  16. [16]
    So ist im Einleitungskapitel des Manuskripts (E 2) ein längerer Abschnitt ausUrsprung und Entwicklung der organischen Chemie [1, S. 51] als Druckfahne eingeklebt.Google Scholar
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    In den jährlichen Berichten über die Arbeit des Chemical Department an den Senat (Council) der Victoria University wird Schorlemmer in den Jahren 1888–1891 nicht mehr erwähnt, da er wegen Krankheit und literarischer Tätigkeit meist zu Hause blieb und das College nur zu seinen Vorlesungen besuchte [4, S. 67].Google Scholar
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    Schorlemmer, C.: Brief an Friedr. Vieweg & Sohn vom 24. April 1890. Vieweg-Archiv, Schorlemmer-Brief Nr. 131. Dieser Brief wurde in englischer Übersetzung bereits zitiert in [4, S. 75].Google Scholar
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    Schorlemmer, C.: Brief an Friedr. Vieweg & Sohn vom 16. Juni 1890. Vieweg-Archiv, Schorlemmer-Brief Nr. 132. Dieser Brief wurde in englischer Übersetzung bereits zitiert in [4, S. 75].Google Scholar
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    In diesem Abschnitt unterlief Schorlemmer ein Widerspruch. Seine Aussage in CKA 146 „Am Anfang unserer Zeitrechnung war die Erkenntniß der Vorgänge, welche wir jetzt als chemische bezeichnen, so weit gediehen, daß eine neue Wissenschaft ins Leben treten konnte” kontrastiert mit der Behauptung im Einführungskapitel (E 2): „Als Wissenschaft war die Chemie den Alten unbekannt.”Google Scholar
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    Diese Zahl wurde durch Auszählen auf den mir zugänglichen Manuskriptblättern (Originalkopien und maschinenschriftliche Rohübertragungen) ermittelt und bis auf 8 Zitate durch Textvergleich mit der Originalliteratur verifiziert. Rechnet man nicht erfaßte Literaturhinweise auf den Manuskript-Fehlseiten hinzu, kann sie sich auf maximal 2450 erhöhen, was die mitgeteilten Prozentangaben nicht wesentlich beeinflußt.Google Scholar
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    Eine solche Neuauflage war von Kopp beabsichtigt. Die Beschäftigung damit diente ihm sogar als Grund, eine von A. W. von Hofmann 1879 vermittelte Berufung an die Universität Berlin auszuschlagen: „Seit der Veröffentlichung meines umfassenden Buches über Geschichte der Chemie in den Jahren 1843–1847 habe ich für diesen Gegenstand weiter gearbeitet und gesammelt; einzelne dieser Arbeiten, welche sich zu abgeschlossener Darlegung in ausführlicherer Weise eigneten, während sie nur gekürzt und mehr den Resultaten nach in einer Neubearbeitung des Buches ihre Stelle finden können habe ich allerdings veröffentlicht, aber ungleich mehr ist in meinen Excerpten dafür enthalten, das Material für eine Neubearbeitung abzugeben. Es liegt mir sehr am Herzen, diese Umarbeitung noch auszuführen... Diesen Plan müßte ich aufgeben, träte ich in die mir vorgeschlagene Stellung in Berlin ein.” Brief von H. Kopp an Hofmann vom 2.5.1878 (Abschrift); Akad. Wiss. Berlin, Slg. Chemikerbriefe, Nr. 40.Google Scholar
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    Nach einer Mitteilung des Stadtarchivs Darmstadt (vom 5.2.1991) deuten weder der Stundenplan noch der Personalbestand der Höheren Gewerbeschule Darmstadt darauf hin, daß hier um 1850 Latein und Griechisch gelehrt wurden. Für die Vermittlung dieser wie auch der folgenden Information danke ich Herrn Apotheker Dr. Götz, Reinheim.Google Scholar
  38. [38]
    Carl Schorlemmer absolvierte 1853–1855 eine zweieinhalbjährige Lehre als Apothekergehilfe in der Lindenbornschen Apotheke in Groß-Umstadt bei Darmstadt. Es ist nicht bekannt, wo er seine berufsbedingten Lateinkenntnisse erwarb. Die „Medicinal-Ordnung für das Großherzogthum Hessen” vom 25.6.1861 forder in § 62 für den eintretenden Apothekerlehrling eine „gute Schulbildung..., durch welche er... eine dem angehenden Apotheker gebührende Kenntniß der lateinischen Sprache erworben haben muß.” In der Großherzoglich-Hessischen „Medicinal-Ordnung” vom 14.8.1822, die während Schorlemmers Lehrzeit gültig war, ist eine solche Forderung nicht enthalten.Google Scholar
  39. [39]
    Ein Engels-Brief mit Angaben zur Etymologie artilleristischer Bezeichnungen wurde im Schorlemmer-Manuskript gefunden. Vgl. Harig, G.:Einheit (Berlin) (1958) 7, S. 1013f.Google Scholar
  40. [40]
    Im Manuskript bezeichnet ihn Schorlemmer als Kollegen (Arab 66, Fußnote 3), inUrsprung und Entwicklung der Organischen Chemie [1, S. 233, Fußnote] sogar als Freund.Google Scholar
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    Nach Newman, W.: „New Light on the Identity of ‘Geber’”, in:Sudhoffs Arch 69 (1985) 1, S. 77–90, kommt Paul von Tarent als Verfasser der Geber-SchriftenSumma perfectionis undDe investigione perfectionis in Betracht.Google Scholar
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    In der von Schorlemmer benutzten Huserschen Paracelsus-Ausgabe 1616/1618 sind sie abgedruckt am Schluß des Bandes III: Chirurgische Bücher und Schrifften ..., Straßburg 1618.Google Scholar
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    Nach Auskunft von Herrn Dr. McNiven, John Rylands University Library of Manchester, vom 17.1.1989 sind die nach dem Tode Carl Schorlemmers aus seiner Privatbibliothek erworbenen Bücher in der Universitatsbibliothek Manchester nicht als geschlossene Sammlung aufgestellt.Google Scholar
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Copyright information

© Birkhäuser Verlag 1996

Authors and Affiliations

  • Rolf Gelius
    • 1
  1. 1.Greifswald

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