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Zur Psychologie und Klinik der psychogenen Hörstönmgen

  • A. Bostroem
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Zusammenfassung

Psychogene Hörstörungen sind entsprechend ihren Nebenerscheinungen auf seelischem Gebiet nicht als reine Störungen des Hörvermögens, sondern als erne Willenssperre der akustischen Auffassung zu betrachten.

Ein Vergleich mit anderen psychogenen Erscheinungen (z. B. Anasthesie) zeigt, daß diese Formen der Hörstörungen durchaus in eine Reihe mit anderen psychogenen Symptomen gestellt werden können, so daß man zu ihrer Erklärung nicht die Simulation heranzuziehen braucht.

Von der Simulation unterscheidet sich die psychogene Hörstörung psychologischdurchdie Art unddurch die Lokalisation der Willenssperre, die bei der Simulation (bildlich dargestellt) bewußt in die zentrifugale Bahn, bei der psychogenen Hörstörung unbewußt in die zentripetale Bahn eingeschaltet wird.

Lokale differentialdiagnostische Anhaltspunkte können allein oft keine sichere Entscheidung herbeiführen, ob es sich urn eine organische oder funktionelle Hörstörung handelt. Die ganze Persönlichkeit des Kranken ist in ihrem psychischen und körperlichen Verhalten zur Beurteilung mit in Betracht zu ziehen. Bei den psychogen Tauben finden sich dann vielfach Zeichen von Hysterie, konstitutionelle Neuropathie oder somatische Anomalien in Gestalt von alten Ohrleiden. Immer findet man aber ein abnormes psychisches Verhalten, dasnamentlich bei dem Vorgang der „Heilung und kurz danach am deutlichsten in die Erscheinung tritt.

Eine „aktive Therapie der psychogenen Horstorungen ist notwendig. Die Beseitigung der Taubheit kann manchmal mühsam sein, ist aber insofern sehr dankbar, als auch bei sonst zu Rezidiven neigenden Hysterikern Rückfälle dieses Symptoms anscheinend zu den Seltenheiten gehoren.

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Copyright information

© Springer-Verlag 1918

Authors and Affiliations

  • A. Bostroem
    • 1
  1. 1.Stabsarzt d. R., Res.-Laz. IIIHamburg

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