Advertisement

Deutsche Zeitschrift für Chirurgie

, Volume 233, Issue 8, pp 587–617 | Cite as

Die Ätiologie der kindlichen Pneumokokken-peritonitis

  • Walter Obadalek
Article

Zusammenfassung

  1. 1.

    Es werden die Krankengeschichten von 13 Pneumokokken- und 2 Streptokokkenperitonitiden mitgeteilt, bei welchen der Stuhl tierexperimentell auf den Gehalt virulenter Erreger geprüft wurde. Gleichzeitig wurden Kontrolluntersuchungen an appendicalen Perforationsperitonitiden und sogenannten Übergangsfällen angestellt.

     
  2. 2.

    Von den mit dem Stuhl der an Pneumokokkenperitonitis Erkrankten intraperitoneal infizierten Meerschweinchen starben 11; nur 2 bleiben am Leben; dgl. gingen beide zu den 2 Streptokokkenperitonitiden gehörenden Tiere zugrunde, während die Meerschweinchen der Kontrollreihe die Stuhlinjektion insgesamt dauernd überlebten.

     
  3. 3.

    Die Sektion der Meerschweinchen ergab eine diffuse Peritonitis, welche der der erkrankten Kinder weitgehend glich; im Abstrich aus dem Eiter wurden die gleichen Erreger wie im peritonealen Exsudat des entsprechenden, kranken Kindes nachgewiesen.

     
  4. 4.

    Bei der Operation der Pneumokokkenperitonitiden wurden mit großer Regelmäßigkeit eine auffallende Rötung und Blähung des aboralen Ileumabschnittes und häufig histologische Veränderungen am Wurmfortsatz gefunden. War eine Lymphadenitis mesenterialis vorhanden, dann waren die Lymphknoten im Gekröse des distalsten Ileumteiles bei weitem am stärksten geschwollen.

     
  5. 5.

    Die gelungenen Tierversuche und die am Darmkanal gefundenen Veränderungen werden als Beweis dafür angesehen, daß die Pneumokokkenperitonitis des Kindesalters und die genuinen Bauchfellentzündungen anderer bakteriologischer Ätiologie Durchwanderungsperitonitiden sind, welche stets vom Dünndarmende, häufig außerdem noch vom Wurm ausgehen.

     
  6. 6.

    Eine Stütze für die enterogene Ätiologie ist, daß es von den Pneumokokkenperitonitiden ohne oder mit nur leichter (Appendicitis simplex) histologischer Beteiligung des Wurmes in lückenloser Reihe Übergänge gibt zu den appendicalen Perforationsperitonitiden. Zwischen beiden Formen stehen die als Übergangsperitonitiden bezeichneten Bauchfellentzündungen, welche von einer häufig nur mikroskopisch nachweisbaren Appendicitis phlegmonosa ihren Ausgang nehmen.

     
  7. 7.

    Die Klinik der Erkrankung spricht für die intestinale Entstehung; die Diarrhöen fehlen fast nie; bei fondroyanten Fällen mit frühzeitiger Darmlähmung ist zu Beginn nur Tenesmus vorhanden. Die Vulvitis ist sekundär; sie entsteht durch Stuhlinfektion des äußeren Genitales. 8. Abortive Formen der Pneumokokkenperitonitis sind nicht selten; auf Grund solcher spontan heilender, klinisch nicht erkannter Bauchfellentzündungen können sich sekundäre Metastasierungen der Infektion entwickeln (Pneumonie).

     
  8. 9.

    Eine von den weiblichen Geschlechtsteilen ausgehende Pneumokokkenperitonitis ist als seltene Ausnahme möglich; doch ist eine Kontinuitätsinfektion des inneren Genitales erforderlich. Die Möglichkeit einer primären Peritonitis im Sinne der englischen Autoren wird abgelehnt. Die hämatogene Infektion des Bauchfells kommt nur als agonale Metastase bei schwerster Sepsis in Betracht; eine lymphogene Entstehung ist mit Sicherheit auszuschließen.

     

Preview

Unable to display preview. Download preview PDF.

Unable to display preview. Download preview PDF.

References

  1. Annand andBowen: Lancet1906 I, 1591.Google Scholar
  2. Ashdowne: ebenda1906 I, 155.Google Scholar
  3. Aschoff: Der appendicitische Anfall, 1930.Google Scholar
  4. Barling: ref. Zbl. Chir.1912,1070. Google Scholar
  5. Blake andCecil: J. exper. Med.31, 403 (1920).CrossRefGoogle Scholar
  6. Bond: Lancet1905 II, 275.Google Scholar
  7. Brun: Presse méd.1091, 93.Google Scholar
  8. Brunner: Arch. klin. Chir.73, 1038.Google Scholar
  9. Burkhardt: Bruns’ Beitr.30, 731.Google Scholar
  10. M’Cartney: J. of Path.26, 507.Google Scholar
  11. M’Cartney andFraser: Brit. J. Surg.9, 479.Google Scholar
  12. Gohrbandt, Karger, Bergmann: Chirurgische Krankheiten im Kindesalter, 1928.Google Scholar
  13. Hafers: Dtsch. Z. Chir.137, 244.Google Scholar
  14. Hagedorn: Bruns’ Beitr.134, 391.Google Scholar
  15. Hilgermann u.Pohl: Arch. klin. Chir.154, 248; Dtsch. med. Wschr.1929,1161. Google Scholar
  16. Jensen: Arch. klin. Chir.69, 1134;70, 91.Google Scholar
  17. Könnecke: Bruns’ Beitr.115, 408.Google Scholar
  18. Lange u.Outdeutsch: Z. Hyg.109, 253.Google Scholar
  19. Lippschütz u.Lowenburg: ref. Zbl. Kinderheilk.1926, 557.Google Scholar
  20. Löhr u.Eaßfeld: Die Bakteriologie der Wurmfortsatzentzündung und der appendiculären Peritonitis, 1931.Google Scholar
  21. Mathieu etDavioud: Presse méd.1929 II, 909.Google Scholar
  22. Menge-Opitz: Handbuch der Gynäkologie.Google Scholar
  23. Mouriquand, Bernheim, Rendu: Arch. Méd. Enf.29, 572.Google Scholar
  24. Obadalek: Dtsch. Z. Chir.220, 307; Zbl. Chir.1931, 1250.Google Scholar
  25. Ombrédanne: Chirurgie infantile.Google Scholar
  26. Peiser: Bruns’ Beitr.55, 484.Google Scholar
  27. Pirquet: ref. Zbl. Chir.1931, 1734.Google Scholar
  28. Bohr: Mitt. Grenzgeb. Med. u. Chir.23, 659.Google Scholar
  29. Rosenow: Münch, med. Wschr.1930, 1001; Med. Klin.1931,317. Google Scholar
  30. Rost: Pathologische Physiologie des Chirurgen.Google Scholar
  31. Salzer: Arch. klin. Chir.98, 993; Wien. med. Wschr.1924, 1078; ref. Zbl. Kinderheilk.1928,223; Dtsch. Z. Chir.208, 226.Google Scholar
  32. Schönfeld: ref. Zbl. Kinderheilk.1925, 426.Google Scholar
  33. Sternberg u.Goldblatt: ref. Z.org. Chir.44, 697.Google Scholar
  34. Stoß: Jber. Kinderheilk.6, 573 (56, 3. F.).Google Scholar
  35. Tenca: ref. Zbl. Kinderheilk.1926, 251.Google Scholar

Copyright information

© Springer-Verlag 1931

Authors and Affiliations

  • Walter Obadalek
    • 1
  1. 1.Aus der Chir.-Orthopäd. Abteilung des KinderspitalsBrünn

Personalised recommendations