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Die Wirkung des Morphins auf das Atemzentrum und auf die Atmungsregulation

  • Gustav Endres
Article

Zusammenfassung

  1. 1.

    Das Wesen der Erregbarkeit des Atemzentrums wird in einem bestimmten Gleichgewichtszustand stofflicher Veränderungen ausgezeichneter Nervengebiete der Medulla oblongata erblickt.

     
  2. 2.

    Das Morphin hat eine lähmende Wirkung auf die Funktion des Atemzentrums. Als Folge hiervon erfährt beim Menschen bei mittleren Dosen (1/3 mg/Kilo) die physikalisch-chemische Atmungsregulation eine Abänderung. Die Anspruchsfähigkeit der Nervenzellen für den Blutreiz nimmt ab, der Schwellenwert des Blutreizes für das Atemzentrum, dieC H des Blutes, erhöht sich; in einem Fall bis 17% des Anfangswertes.

     
  3. 3.

    Diese Wirkung des Morphins ist am stärksten in den ersten 2 Stunden post inj. Während dieser Zeit ist die CO2-Spannung stark er höht, die CO2-Bindungsfähigkeit des Blutes nicht wesentlich verändert. in einigen Fällen leicht erniedrigt gefunen worden. In den späteren Studen nähert sich die Wasserstoffzahl des Blutes durch allmähliches Abfallen der CO2-Spannung und durch leichtes, nur einige Vol.-% betragendes Ansteigen der CO2-Bindungsfähigkeit des Blutes ihrem Anfangswert.

     
  4. 4.

    Einwandfrei für eine Eindickung des Blutes sprechende Beobachtungen lassen sich während dieser Vorgänge beim Menschen nicht nachweisen.

     
  5. 5.

    Die durch Morphin bewirkte Abänderung der physikalisch-chemischen Atmungsregulation kommt in dem Ablauf einiger das Säure-Basengleichgewicht des Körpers regulierenden Mechanismen zum Ausdruck: es steigen beträchtlich an die Werte der alv. CO2-Spannung, der Harnacidität und der Ammoniakzahl. Während die Wasserstoffzahl des Blutes von 9–17% zunimmt, wird im Urin eine Zunahme derC H bis 31000%, eine Erhöhung der Ammoniakzahl bis 350% gefunden.

     
  6. 6.

    Zur Zeit der stärksten Wirkung des Morphins ist die Gesamtstickstoffausscheidung (1/2 stündige) im Urin vermindert. Eine eindeutige Erklärung dieser vorübergehenden N-Retention ist zunächst nicht zu geben. Die Stärke des Eiweißstoffwechsels ist vermutlich herabgesetzt.

     
  7. 7.

    Wir sind vor die für das Verständnis des Wirkungsmechanismus des Morphins grundlegende Frage gestellt: welche körperlichen Erscheinungen in Begleitung der Morphinwirkung lassen sich ganz oder teilweise durch die abgeänderte chemisch-physikalische Atmungsregulaton erklären?

     

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Copyright information

© Verlag Von Julius Springer 1924

Authors and Affiliations

  • Gustav Endres
    • 1
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