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Forstwissenschaftliches Centralblatt

, Volume 90, Issue 1, pp 74–87 | Cite as

Die Züchtung der Fichte auf frühzeitige und starke Borkenbildung

  • E. Rohmeder
Abhandlungen

Zusammenfassung

Die Fichte, die wirtschaftlich wichtigste Baumart Süddeutschlands, besitzt im Gegensatz zu anderen Baumarten mit starker Borke (z. B. Kiefer, Lärche, Eiche) eine mehrere Jahrzehnte dünn und glatt bleibende Rinde. Dadurch ist sie sehr stark der Gefahr von Pilzinfektionen bei verletzter Rinde ausgesetzt. Solche Verletzungen entstehen bei Fällung und ausrücken des Holzes, durch Sonnenrindenbrand, Hagelkörner und vor allem durch das Schälen des Rotwildes. Nach Rindenverletzung dringen häufig die Sporen holzzersetzender Pilze in das Stamminnere ein, die eine Zersetzung und Fäulnis des Holzes bewirken. Durch die Stammfäuleerkrankung des Fichtenholzes wird der Wert des jährlich in der Bundesrepublik Deutschland eingeschlagenen Fichtenholzes um etwa 150 Millionen DM verringert.

Zur Verhütung solcher Wundfäuleschäden wurde im Institut für Forstsamenkunde und Pflanzenzüchtung in München in den letzten zwölf Jahren eine Fichtensorte gezüchtet, die auf erblicher Grundlage befähigt ist, in relativ frühem Alter (etwa vom 20. Lebensjahr ab) eine so kräflige und starke Borke zu bilden, daß sie gegen Verletzungen weitgehend gesichert ist. Ausgangsmaterial für diese Züchtungsarbeit waren 25 unter tatkräftiger Mitarbeit vieler Forstleute ausgewählte frühzeitig und stark verborkende Individuen, die unter Millionen normalrindiger Fichten ausgesucht werden mußten. Diese dickborkigen Auslesebäume weisen die drei-bis sechsfache Rindenstärke normaler Fichten auf, leisten jedoch den gleichen Holzzuwachs wie normalrindige Bäume. Die selektierten Auslesebäume werden im Wege der Pfropfung und neuerdings durch Stecklinge vegetativ vermehrt, um die Eigenschaft der Dickborkigkeit auf die Nachkommenschaft rein weiterzugeben.

Da die ausgewählten Auslesebäume nicht nur im oberirdischen Schafteil, sondern auch an den Wurzeln stärkere Rinde besitzen, ist die neue Fichtensorte weitgehend gegen die wirtschaftlich auch sehr schädigenden, durch verletzte Wurzeln eindringenden Pilze geschützt, die ebenfalls eine Stammholzzersetzung bewirken.

Wenn sich die Neuzüchtung auch erst nach Jahrzehnten voll auswirken kann, so besteht immerhin die Aussicht, daß durch Massenvermehrung dieser Fichtensorte in einigen Jahrzehnten sich der Faulholzanteil der Fichtenbestockung erheblich verringern und dadurch die Rentabilität der Fichtenbestockung wesentlich erhöhen wird.

Summary

The bark of the economically most important tree species in Southern Germany, Picea abies (L.) Karst., is for some decades continously thin and smooth in contrary to those tree species with thick bark as pine, larch and oak. When the bark is hurt, the spruce is highly exposed to infections by fungi. Felling and skidding of timber leads th these injuries as well as sun scorch of bark, hail damage and first of all bark peeling by red deer. Through injured bark the spores of wood damaging fungi penetrate into the stem and lead to decomposition and rot, of the timber. The value of the annual cut of spruce timber in the Federal Republic of Germany decreases on account of stem rot by about 150 mill. DM.

The Institute for Forest Seed Science and Plant Breeding in Munich has bred in the past twelve years a sort of thick-barked spruce to prevent those losses. This sort can develop on a hereditary basis such a thick and strong bark at an early age (beginning at age 20), that it is largely safe against injuries. Breeding work began with 25 individuals, which were selected because of their thick bark at an early age out of millions of trees with normal bark. The thickness of bark of these selected trees is three to five times greater than normally and the timber growth rate is equal to the rate of spruce trees with normal bark. The selected trees were vegetatively propagated by ramets and recently by cuttings in order to transfer to the progeny the ability to develop a thick bark.

As the selected trees show a thicker bark not only on the parts above surface but even on roots, this new sort of spruce is therefore also largely protected against the

It is true that all advantages of this new sort can be gained not before some decades. But it holds out a prospect of a considerable diminuation of the percentage of rotten timber in spruce stands because of the mass propagation of this new sort. Theraby the profitableness of spruce stands will be increased considerably.

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Copyright information

© Verlag Paul Parey 1971

Authors and Affiliations

  • E. Rohmeder
    • 1
  1. 1.Institut für Forstsamenkunde und Pflanzenzüchtung der Forstlichen Forschungsanstalt MünchenMünchenDeutschland

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