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Archiv für Ophthalmologie

, Volume 1, Issue 2, pp 219–286 | Cite as

Ueber die lineare extraction des Linsenstaars

nebst Bemerkungen über die Diagnose der Staarkonsistenz, und über die Wahl der verschiedenen Operationsmethoden
  • A. v. Gräfe
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Literatur

  1. *).
    Schen wir doch zur Genüge, dass schon bei dem Lappenschnitt ein erheblicher Uebelstand daraus erwächst, wenn sich die Wunde in der Hornhaut zu sehr von der Scleralgrenze entfernt, denn wenn selbst das Aufklappen des Lappens noch genügt, den Linsenkörper mit der erforderlichen Leichtigkeit hindurchtreten zu lassen, so ist doch der Eintritt des entsprechenden Linsenrandes in die Wunde hierbei erschwert, und muss derselbe, ehe er die passende Lage erreicht, nothwendig die Iris gegen die Hornhaut länger und gewaltsamer andrücken; ja selbst ein ungleichmässiges Abweichen des Schnittes von der Scleralgrenze gehört zu den Fehlern, weil alsdann im dritten Akt der Operation der Linsenrand nicht gleichzeitig an allen Theilen die Wunde erreicht, und so die austretende Linse eine gewisse Drehung um ihre verticale Axe macht; durch diese Drehung wird die Gleichmässigkeit des ausgeübten Druckes auf die tellerförmige _Grube verwirrt, und in einigen Fällen die Ruptur dieser letzteren und deren Folgen veranlasst.Google Scholar
  2. *).
    Practical observations on the formation of an artificial pupil to which are annexed remarks on the extraction of soft cataracts etc. pagina 103, London 1811.Google Scholar
  3. *).
    Further observations on the cataract medico-chirurgical transactions, volume 5, pagina 406, London 1814.Google Scholar
  4. *).
    Freilich wird dieses bei der Instillation in grossen Intervallen sich unendlich seltener einstellen, als wenn wir sie täglich oder mehrere Mal täglich, wie bei Iritis chronica etc., vornehmen, doch ist es mir auch bei einem Gebrauch in Intervallen von 4–5 Tagen gerade bei Schichtstaar ausnahmsweise vorgekommen. Auch den Nachtheil einer bleibenden Pupillenerweiterung habe ich einer anhaltenden Anwendung der Mydriatica, jedoch niemals bei vorher gesunder Iris, folgen gesehen. Nach Iritis, besonders wenn reichliches Exsudat im Gewebe selbst abgesetzt ward, z. B. nach der als charakteristisch für syphilitische Entstehung geltenden Form blieb wiederholentlich ein mässiger Grad von Mydriasis zurück, welcher in Jahresfrist beträchtlich verringert aber noch keineswegs aufgehoben war. Es erklärt sich dies durch die Steifheit des Gewebes, und möchte in den genannten Verhältnissen zwar nicht zum Aufgeben der so unentbehrlichen Mydriatica, wohl aber zu grösserer Umsicht bei deren Gebrauch auffordern.Google Scholar
  5. *).
    Derlei Colobome bei bestehendem natürlichem Pupillarraum müssen immer scheinbar zu klein angelegt werden, da sie sich in ihrer Verschmelzung mit der natürlichen Oeffnung nicht blos durch Abrundung seitlich erweitern, sondern auch die ihrer Pupillarinsertion beraubten Radialfasern sich immer mehr centrifugal zurückziehen, und demnach den zurückgelassenen, zur Deckung der Linsenperipherie bestimmten Randtheil der Iris gegen das Erwarten verschmälern.Google Scholar
  6. *).
    Es wird, wie ziemlich constant bei grossen Unterschieden in der Brechkraft, immer nur ein Auge gleichzeitig benutzt. Das andere begleitet in gewohnter Weise die Bewegungen, aber die Wahrnehmung von dessen Bildern wird unterdrückt. Freilich kann hierbei Schielen sich entwickeln, doch ist dies keineswegs nothwendig, ja sogar weit weniger häufig, als bei geringerem Unterschiede der Brechkraft. Einen auf die mögliche Entwickelung von Schielen gegründeten Einwurf gegen die einseitige Operation der Cataract kann ich deshalb nicht gelten lassen, weil diese Möglichkeit, meinen Erfahrungen nach, nicht grösser ist, als vorher bei der Funktionsunterdrückung durch die Opacität.Google Scholar
  7. *).
    Diese Präcipitate, welche sich erst allmählig ausbilden, und oft so fein sind, dass sie dem blossen Auge entgehen, werden doch durch die starke Lichtdiffusion sehr hinderlich, und bedingen häufig die spätere Verringerung der durch eine Staaroperation einmal erlangten Sehschärfe. Bei der Extraction finden wir dies weit seltener, als bei der Reclination, weil bei der ersteren der Linsendurchtritt selbst die Kapsel in grösserem Umfange sprengt, nach der Reclination dagegen legt sich die Kapselwunde (oder die Kapselwunden) oft dermaassen aneinander, dass sie bei der ophthalmoskopischen Untersuchung nur noch mit Mühe nachzuweisen ist, indem die faltige vordere Kapsel wieder ein Continuum zu bilden scheint. Ich habe derlei Fälle gesehen, wo man bei der unbewaffneten Untersuchung die feine Opacität kaum nachweisen konnte, welcher Nachweis durch die gleichmässige Tünchung der Trübung, und deren Sitz hart an der Pupille, wesentlich erschwert wird. Die Kranken waren nur im Stande, grössere Schrift mühsam zu lesen. Dass eben diese Trübung den Grund der Sehstörung ergab, ging zum Theil schon aus dem Einfluss stenopäischer Brillen, vollends aber aus dem Erfolg der unternommenen Discision hervor.Google Scholar
  8. *).
    Wenn ich überhaupt die Gründe der Staarreife für eine vollständige Entfernung der Linse bei Extraction anerkenne, so muss ich doch hierauf ein sehr verschiedenes Gewicht bei verschiedenen Formen von Staaren legen. Handelt es sich um einen harten Staar, der frei von allem corticalen Erweichungsprozesse ist, oder nur am Linsenäquator kurze Streifen zeigt, so kommt es auf die vollständige Trübung der Corticalmassen nicht wesentlich an, denn da die Cohärenz solcher Linsen progressiv von der Kapsel gegen den Nucleus hin zunimmt, und demnach hart an der ersteren bei weitem am geringsten ist, so löst ein jeder Druck die Linse rein von der Kapsel. Wenn dagegen corticale Erweichung vorhanden ist, welche an einzelnen Stellen bis zur Kapsel hinan geht, an andern aber nicht, und überhaupt noch unvollkommen ist, so werden auch die Cohäsionsverhältnisse ungleichartig sein, und durchsichtig gebliebene Corticaltheile der Kapsel fester aufhaften, als den benachbarten erweichten Corticaltheilen. Beim Schichtstaar findet ebenfalls in dieser Beziehung ein für die Operation ungünstiges Verhältniss statt, denn da die cataractöse Schicht breiig ist, so hebt sie die Verbindung der Corticalmassen mit dem Kern so zu sagen auf, wie wir es auch nach vorangegangener discision an dem Vorfallen des isolirten Nucleus sehen, und ist demnach ein zurückbleiben durchsichtiger Corticalmassen kaum zu vermeiden.Google Scholar
  9. *).
    Am besten bedient man sich hierzu des durch eine starke Sammellinse hindurchfallenden Lampenlichts, indem man den Strahlenbüschel successive über die verschiedenen Theile der Kapsel herüberführt, so dass sich die letztere ungefähr in der Focalregion befindet (siehe weiter unten).Google Scholar
  10. *).
    Ist die Cataract nicht vollständig reif, so ist auch die Lichtdiffusion eine unvollständige, und bleibt es für gewisse Fälle von Cataract, namentlich für harte Staare, immer; darum haben auch solche Cataractöse noch Zerstreuungsbilder, z. B. von einer Kerzenflamme, geben deren Ort ziemlich genau an u. s. w. Unter solchen Verhältnissen ist auch, wie früher erwähnt, bei Messung des Lichtscheins auf den Brechzustand des Auges Rücksicht zu nehmen, weil, um das Minimum wahrnehmbaren Lichteindrucks zu bestimmen, natürlich für eine möglichste Concentration der Strahlen auf der Netzhaut Sorge getragen werden muss. So erweitern bei excessiver Myopic nicht selten Concavgläser die Grenze der Unterscheidung.—Bei Netzhautablösung und consecutiver unvollkommen gereifter Cataract ist neben der allgemeinen Verringerung des Lichtscheins häufig ein Unterschied in der Entfernung nachweisbar, je nachdem das Licht nach oben oder nach unten gehalten wird, und kann dieser Unterschied zuweilen diagnostisch benutzt werden. Bei vollständiger Lichtdiffusion z.B. bei reifen, weichen Staaren, fällt dies natürlich weg.Google Scholar
  11. **).
    Bei zunehmender Entfernung des Lichtquells verkleinert sich das Netzhautbild wie das Quantum eindringenden Lichtes; für die Verkleinerung des Netzhautbildes gilt die Proportion zwischen den quadrirten Entfernungen des Objects vom Kreuzpunkt der Richtstrahlen; für die Verringerung des Lichtes gilt die Proportion zwischen den quadrirten Abständen des Objectes von der Pupillarfläche. Der Unterschied der beiden Verhältnisse kann namentlich für grössere Oeffnungen des Objectes vernachlässigt, und demnaeh die Beleuchtung eines jeden erhellten Netzhautpunktes approximativ constant erklärt werden, ich sage approximativ constant, weil weder auf Wechsel der Pupillargrösse, noch auf andere Nebenumstände Rücksicht genommen ist.Google Scholar
  12. *).
    Beiläufig sei bemerkt, dass die einseitige Staaroperation bei gesundem zweiten Auge dem Patienten nie den mindesten Nachtheil brachte. Der Unterschied der Brechkraft ist zu gross, als dass von einer gemeinschaftlichen Thätigkeit der Augen die Rede sein kann. Deshalb findet man weder das gefürchtete Doppelsehen, noch andere Störungen, sondern der Lichteindruck des operirten Auges wird zurückgedrängt: es trägt aber, wie das schielende Auge (s. dies. Archiv Abth. 1. S. 86.), zur seitlichen Erweiterung des Gesichtsfeldes bei. Schielen kann entstehen, doch ist es dazu nicht mehr disponirt, als durch die frühere Erblindung.Google Scholar
  13. *).
    Dieses Zeichen hat zu verschiedenen, zum Theil unrichtigen, Deutungen Anlass gegeben. Vor allen Dingen ist eine Schlussfolgerung auf Durchsichtigkeit der so dünnen Kapsel daraus nicht zu machen. Es fällt auch dieser Irrthum noch in die Zeit, wo Corticalstaar als Kapselstaar angesehen wurde. Dagegen beweist Schlagschatten entweder widernatürliches Zurücktreten der vorderen Kapsel von der Pupillarfläche, wie es bei Verkleinerung des cataractösen Linsensystems geschieht, oder Durchsichtigkeit der Corticalsubstanz. Im ersteren Falle entsteht eine hintere Kammer mit wirklicher Tiefendimension, im letzteren dagegen liegt die Kapsel wie gewohut der Pupillaröffnung hart an. Die Unterscheidung beider Zustände ist bei schief auffallendem Lichte sehr leicht.Google Scholar
  14. *).
    Wenn wir uns gezwungen glauben, Gründe aufzuspeichern, dann ist der Beweis gewöhnlich unsicher, und die so häufig verwirrende Vielheit der Argumente sollte füglich immer Verdacht erregen; wo ein zureichender Grund in uns Leben hat, da suchen wir nicht nach dem dürren Laub unbewährter Argumente, und überlassen lieber solche Sammlerei von Pro’s und Contra’s der Fabrikarbeit unermüdlicher Compilatoren, welche, nachdem sie die beiden Armeen schlagfertig gemacht haben, nur noch eins zu wissen brauchen, nämlich welche von beiden todt und welche lebendig ist.Google Scholar
  15. *).
    Nach unten extrahire ich, wenn bei Cataracta adhaerens der untere Linsenrand frei, der obere dagegen verwachsen ist, und sodann wegen einer bei Erblindeten nicht eben seltenen Unbeweglichkeit des Blickes nach unten. Eine auf Geheiss des Chirurgen im dritten Akte der Operation eintretende Richtung der Schaxe nach unten wird bei dem oberen Lappenschnitt zum leichten Austritt der Linse dringend erfordert; gelingt es nicht, das hierzu nöthige Vermögen vorher den Kranken einzuüben, so scheint mir der untere Lappenschnitt Vorzüge zu haben, um so mehr, als bei solchen Individuen während des Lidschlusses die Hornhäute sich sehr hoch stellen, und die gefürchtete Reibung des unteren Lides an dem Lappen wegfällt.Google Scholar
  16. *).
    Da ein Herabsinken des Kerns aus seiner natürlichen, centralen Lage nur bei weicher Rindenmasse denkbar ist, so besteht in einer richtigen Würdigung der Kernlage ein wichtiges diagnostisches Moment für die Bestimmung der Konsistenz.Google Scholar
  17. *).
    In den meisten Fällen ändert zwar die Iris ihre Ebene während der Volumsverringerung eines Staars, und bleibt, mehr oder weniger trichterförmig zurückgezogen, der vorderen Kapsel anliegend. In einigen Fällen aber sah ich schon bei mässiger Abflachung des Staars eine hintere Kammer von nachweisbarer Tiefendimension gebildet.Google Scholar
  18. *).
    Schnitte in dieser Richtung scheinen einmal am besten zu heilen, sind aber besonders empfehlenswerth, weil sich die innere Wunde relativ zu ihrer Dimension am besen öffnet, und für die austretenden Theile den geräumigsten Kanal darbietet.Google Scholar
  19. *).
    Ein solcher ungenügend vertheilter Druck könnte, abgesehen von dessen Unzweckmässigkeit für die gewünschte Verschiebung des Linsenbreies nach der Pupille hin, zum Bersten der tellerförmigen Grube Anlass geben.Google Scholar

Copyright information

© Verlag von Hermann Peters 1855

Authors and Affiliations

  • A. v. Gräfe

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