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Müller, Philipp: Zeit der Unterhändler. Koordinierter Kapitalismus in Deutschland und Frankreich zwischen 1920 und 1950, 480 S., Hamburger Edition, Hamburg 2019.

  • Alexander LeipoldEmail author
Rezension 20. Jahrhundert
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Jede Nation kultiviert einen Gründungsmythos, der wie ein ideeller Überschuss die Gestaltung staatlicher Institutionen formt. Zu den lange gehegten Grundüberzeugungen der Bundesrepublik zählte die Annahme, der ökonomische Wiederaufstieg nach 1945 sei Ergebnis eines „Wirtschaftswunders“ gewesen. Auch personelle Kontinuitäten, über die Zeit des Nationalsozialismus hinweg, hatten in der Vorstellung eines Neuanfangs keinen Platz. Die wirtschaftsgeschichtliche Forschung hat diese Annahmen widerlegt: Viele Funktionsträger waren bereits kurz nach Kriegsende wieder in bedeutenden Positionen. Das Bild vom ökonomischen Neustart wurde angesichts intakter Produktionsanlagen und günstiger Arbeitskräfte zur Chimäre.

Philipp Müller knüpft mit seiner Arbeit an neuere Forschungen zur Rolle von Ideen und Expertise in der Politikformulierung an und richtet den Blick auf die Vertreter der Wirtschaftsverbände. Dadurch erweitert er das Bild der Forschung um eine Auswertung personeller Verbindungen in...

Copyright information

© Gesellschaft zur wissenschaftlichen Förderung politischer Literatur e.V. and the Author(s) 2019

Authors and Affiliations

  1. 1.HamburgDeutschland

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