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Geriatrie-Report

, Volume 14, Issue 4, pp 37–37 | Cite as

Mehr als eine harmlose Laboranomalie

Hyponatriämie kann lebensgefährlich werden

  • Peter Leiner
Labormedizin
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Bei Senioren lohnt es sich, den Natriumspiegel im Blick zu behalten: Die Elektrolytstörung führt zu einem erhöhten Sturz- und Hospitalisierungsrisiko und ist oft schwer zu erkennen. Auf dem Geriatrie-Kongress 2019 gab PD Dr. Clemens Grupp Tipps zu Diagnostik und Therapie.

Hyponatriämie erhöht das Sturzrisiko um das Zehnfache.

© LIGHTFIELD STUDIOS / stock.adobe.com (Symbolbild mit Fotomodellen)

Viele geriatrische Patienten haben mit Elektrolytstörungen zu kämpfen, allen voran mit der Hyponatriämie. Das Risiko steigt im Alter unter anderem durch die eingeschränkten Funktionen der Niere, des Herzens und des Gehirns sowie durch die Multimedikation, speziell mit Diuretika sowie Medikamenten, die ein Syndrom der inadäquaten ADH-Sekretion (SIADH) induzieren, berichtete PD Dr. Clemens Grupp von der Medizinischen Klinik III, Zentrum für Altersmedizin der Sozialstiftung Bamberg.

Es wird geschätzt, dass etwa 15–22% aller hospitalisierten Patienten und ungefähr 7% aller ambulanten Patienten eine milde Hyponatriämie mit einem Serumnatriumwert unter 135 mmol/l haben. Ausgeprägter ist sie bei bis zu 7% aller stationär versorgten Patienten mit Werten unter 130/125 mmol/l.

Natriummangel hat viele Gesichter

Die mit einer Hyponatriämie assoziierten Symptome reichen von Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen über Gang- und Konzentrationsstörungen sowie von Depression bis zu Verwirrtheit, Schwindel und Koma. In schweren Fällen kommt es sogar bis zum Atemstillstand und zum Tod. Sind bei älteren Patienten Komorbiditäten vorhanden, werden die Symptome der Elektrolytstörung oft einer anderen Ursache zugeschrieben, gab der Geriater zu bedenken.

„Eine Hyponatriämie ist keine Bagatelle, sondern sollte ernst genommen werden“, betonte der Geriater. Die chronische Hyponatriämie steht in Zusammenhang mit Knochenbrüchen und Hospitalisierung. Einer Studie zufolge ist das relative Risiko für Stürze bei „asymptomatischer“ chronischer Hyponatriämie im Vergleich zur Normonatriämie auf fast das Zehnfache erhöht.

Messung im Spontanurin und nicht im 24-Stunden-Urin

Grupp betonte, dass in der Diagnostik von Elektrolytstörungen die Messung etwa der Natriumkonzentration im Spontanurin erfolgen muss, nicht im 24-Stunden-Urin. Wichtig ist auch, darauf zu achten, dass Diuretika ausreichend lange vor der Messung abgesetzt werden. Als Beispiel nannte er Spironolacton, das eine Woche vor der Urinabgabe pausiert worden sein muss.

Grundsätzlich muss unterschieden werden, um welche Form der Hyponatriämie es sich handelt. Bei der hypovolämischen Form kann ein extrarenaler oder ein renaler Salzverlust vorliegen. Der extrarenale Verlust entsteht z. B. durch Erbrechen, Diarrhö, Schwitzen oder Pankreatitis. Ein renaler Verlust entsteht bspw. durch eine tubuläre Schädigung. Bei Patienten mit hypovolämischer Hyponatriämie, die eine Diuretikakombination einnehmen, empfiehlt Grupp, zuerst die Thiazide zu reduzieren bzw. abzusetzen, und erst dann bei Bedarf die Schleifendiuretika. Spezielle Therapiemaßnahmen sind die Natriumsubstitution und die Behandlung der Grunderkrankung.

Auch das SIADH ist eine Störung, die typischerweise verstärkt bei geriatrischen Patienten auftritt und zu einer Hyponatriämie führt. Mögliche Ursachen sind Malignome, Lungenerkrankungen, Störungen des ZNS, z. B. durch Hirntumoren oder Traumata, sowie Medikamente, insbesondere psychotrope Arzneien, die gerade bei älteren Patienten verstärkt eingesetzt werden.

Erforderliche Maßnahmen sind hier die Flüssigkeitsrestriktion sowie die Therapie der auslösenden Ursachen. Außerdem steht der ADH-Rezeptorantagonist Tolvaptan zur Verfügung, der zur Therapie Erwachsener mit Hyponatriämie als sekundärer Folge des SIADH zugelassen ist und rasch zur Korrektur des Natriumspiegels führt, so Grupp.

Natriumspiegel langsam anheben

Wichtig ist, dass bei der Korrektur einer länger bestehenden Hyponatriämie die Natriumkonzentration nicht zu rasch ansteigen darf, da ansonsten die Gefahr einer zentralen pontinen Myelinolyse besteht, die zu einem irreversiblen Hirnschaden oder zum Tod führen kann. Der Natriumspiegel darf innerhalb der ersten 24 h nicht stärker als um 10 mmol/l steigen, erklärte Grupp.

Literatur

  1. 31. Geriatrie-Kongress, Frankfurt/Main, 5.9.2019Google Scholar

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Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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