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Geriatrie-Report

, Volume 14, Issue 4, pp 23–23 | Cite as

Renale Prävention

Medikamente im Alter: Die Niere im Blick behalten

  • Peter Leiner
Pharmakotherapie
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Die medikamentöse Therapie von älteren Patienten ist eine Herausforderung, zumal wenn es um die Prävention von Nierenschäden geht. Denn im Prinzip kann jedes Arzneimittel nierenschädigend sein. Auch die Selbstmedikation ist nicht zu unterschätzen.

© [M] Liliia Lysenko / Getty Images / iStock

Vor diesem Hintergrund empfiehlt der Nephrologe und Geriater Prof. Wolfgang Pommer, Berlin, sich für die Prävention von medikamenteninduzierten Nierenschäden im höheren Lebensalter an die 6-R-Strategie zu halten:
  • Risk Recognition,

  • Response,

  • Renal Support,

  • Rehabilitation und

  • Research.

Das bedeutet, Risiken zu erkennen und darauf zu reagieren, gegebenenfalls die Nierenfunktion durch Flüssigkeitszufuhr zu unterstützen, Rehabilitationsmaßnahmen bei länger bestehenden Nierenfunktionsstörungen zu planen und Forschung zu betreiben, vor allem zu Medikamentengruppen und Interaktionen, die bislang wenig untersucht wurden.

Typische Nierenschädigungen durch Medikamente

Pommer nannte einige Beispiele typicher Nierenschäden durch Medikamentenkombinationen, etwa eine renale Ischämie als Folge der gemeinsamen Gabe von Diuretika und Blockern des Renin-Angiotensin-Aldosteron-Systems (RAAS), die zu einer verminderten renalen Perfusion führen. Bei einer Kombination von Kalziumkanalblockern und Clarithromycin wird der Abbauweg CYP3A4 gehemmt, und es kommt zu einer Hypotonie, erklärte Pommer. Eine Nephrotoxizität ist auch bei der Kombination von Ciprofloxacin plus Ciclosporin A zu erwarten, weil das Antibiotikum die Metabolisierung des Immunsuppressivums vermindert. Piperacillin wiederum reduziert die Clearance des Glykopeptid-Antibiotikums Vancomycin.

Pommer betonte, dass noch vor Therapiebeginn die Interaktion von Substanzklassen eingeschätzt werden muss, weil keine Substanzgruppe harmlos ist. Im Prinzip kann jedes Medikament nierenschädigend sein.

Zur Orientierung hilft die Leitlinie „Multimedikation“

Der Geriater hält es für sinnvoll, sich im Zusammenhang mit Routinekontrollen bei häufig angewendeten Wirkstoffen an der Leitlinie „Multimedikation“ der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin und Familienmedizin (DEGAM) zu orientieren.

Beispielsweise fordert sie dazu auf, bei der Therapie mit Schleifendiuretika vor oder bei Beginn der Behandlung sowie einmal pro Jahr das Kreatinin (glomeruläre Filtrationsrate) und Kalium sowie Natrium abhängig von der Dosierung mindestens einmal pro Jahr zu kontrollieren. Bei Spironolacton lautet die Empfehlung, Kreatinin und Kalium alle sechs Monate zu überprüfen. Und bei Patienten, die ACE-Hemmer oder Sartane erhalten, etwa Ramipril oder Candesartan, wird empfohlen, vor und bei Therapiebeginn sowie bei Niereninsuffizienz bereits nach einer Woche das Kreatinin sowie Kalium zu kontrollieren und dies einmal jährlich zu wiederholen.

Pommer erinnerte an einen weiteren wichtigen Aspekt im Zusammenhang mit der Arzneimitteltherapie: die Selbstmedikation, also Präparate, „die wir primär gar nicht verschreiben, die der Patient aber nebenbei nimmt und meint, der Arzt muss das gar nicht wissen“. Der Anteil solcher Medikamente nimmt etwa ab dem 50. Lebensjahr deutlich zu. Bis zu 50% der Patienten betreiben inzwischen Selbstmedikation. Nahrungsergänzungsmittel sind führend, so Pommer, es folgen Analgetika, nicht steroidale Antirheumatika, Husten- und Erkältungspräparate, Mineralstoffe und Rhinologika.

Die Selbstmedikation mit so manchen Präparaten wie Medikamenten zur Gewichtsabnahme und Substanzen, die den Energiebedarf verbessern, können eine Notfallversorgung erforderlich machen, warnte Pommer.

Orange, Apfel, Sternfrucht: Säfte mit Wechselwirkungen

Vielleicht weniger bekannt ist, dass so manche „gesunden Dinge“ im Zusammenhang mit der Arzneimitteltherapie gefährlich sein könnten. Pommer erinnerte etwa an Orangensaft, Sternfrucht, Apfelsaft und Grapefruit. Diese Früchte und Säfte können bei gleichzeitiger Einnahme durchaus Interaktionen mit Medikamentengruppen haben und dadurch zu einer beschleunigten oder zu einem verminderten Abbau bestimmter Arzneien führen.

Schließlich zitierte der Geriater den deutschen Pharmakologen Gustav Kuschinsky, der schon 1956 betont hatte: „Wenn behauptet wird, dass eine Substanz keine Nebenwirkung zeigt, so besteht der dringende Verdacht, dass sie auch keine Hauptwirkung hat.“

Literatur

  1. 31. Geriatrie-Kongress, Frankfurt/Main, 5.9.2019Google Scholar

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© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • Peter Leiner
    • 1
  1. 1.

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