Advertisement

Geriatrie-Report

, Volume 14, Issue 4, pp 10–10 | Cite as

Palliativmedizin

Flüssigkeitszufuhr für Sterbende: Wie viel Vorsicht ist angebracht?

Medizin aktuell
  • 20 Downloads

Wie sich die Flüssigkeitszufuhr in den letzten Tagen des Lebens im Hinblick auf Rasselatmung und terminale Agitiertheit auswirkt, war Gegenstand einer prospektiven Studie in den Niederlanden — mit unerwarteten Ergebnissen.

Die meisten Patienten mit einer sich verschlechternden chronischen Erkrankung nehmen an ihrem Lebensende nur noch wenig Flüssigkeit zu sich. Ob es ihnen besser geht, wenn sie künstlich mit Flüssigkeit versorgt werden, ist umstritten. Als Gegenargumente werden oft die Gefahr von Überwässerung und damit das Risiko von Ödemen, Aszites und Rasselatmung angeführt, als Proargumente die Linderung von Durst sowie die Vermeidung von Delir und terminaler Agitiertheit. Diese Argumentation steht jedoch teilweise auf wackligen Füßen, wie eine prospektive Studie der Erasmus-Universität in Rotterdam nahelegt. In der Studie war weder eine höhere Flüssigkeitszufuhr mit vermehrter Rasselatmung noch eine geringere Zufuhr mit dem Auftreten von terminalem Delir verbunden.

© Olga Kashurina / Getty Images / iStock

Kein Zusammenhang mit Rasselatmung

Die 371 zumeist krebskranken Patienten hatten die letzten Tage ihres Lebens in einer Klinik oder einem Hospiz verbracht. Die Flüssigkeitszufuhr insgesamt, oral und i.v., war in dieser Zeit deutlich zurückgegangen. Wenigstens 500 ml/Tag betrug sie in der Woche vor dem Tod bei knapp 80% der Patienten, am Tag vorher noch bei 45% und in der Sterbephase, die im Mittel 25 Stunden dauerte, bei 15%.

In der Sterbephase kam es bei 40% der Patienten zu einer rasselnden Atmung. Patienten, die am Tag vorher mehr Flüssigkeit erhalten hatten, waren nur tendenziell häufiger betroffen. Ein signifikanter Zusammenhang zwischen Flüssigkeitsvolumen und Rasselatmung war in keine Richtung festzustellen.

Terminale Agitiertheit trat in der Sterbephase bei jedem vierten Patienten auf. Anders als vermutet, war die Häufigkeit bei vorausgegangener verminderter Flüssigkeitszufuhr nicht erhöht. Im Gegenteil, die betroffenen Patienten hatten in den 48–25 Stunden vor dem Tod sogar mehr Flüssigkeit erhalten.

„Vorsicht mit der Flüssigkeitsgabe zur Vermeidung von Rasselatmung scheint nicht notwendig zu sein“, lautet daher eine Schlussfolgerung der Studienautoren um Martine Lokker. Die beobachtete Assoziation zwischen höherer Zufuhr und terminaler Agitiertheit sehen sie aber als Hinweis, dass „die aktive künstliche Flüssigkeitszufuhr bei Sterbenden möglicherweise nicht vorteilhaft ist“.

Literatur

  1. Lokker ME et al. BMJ Supportive & Palliative Care 2019;  https://doi.org/10.1136/bmjspcare-2018-001729

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2019

Authors and Affiliations

  • bs
    • 1
  1. 1.

Personalised recommendations