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Editorial

  • A. Bagattini
  • K. Beier
  • D. Borchers
  • M. Hähnel
  • S. Muders
  • M. Rüther
Editorial
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Wir freuen uns sehr, der akademischen Fachwelt hiermit die erste Ausgabe der Zeitschrift für Ethik und Moralphilosophie zu präsentieren. Die ZEMO, wie wir sie kurzerhand nennen, versteht sich als ein akademisch ausgerichtetes Debattenorgan für alle Aspekte von Ethik und Moralphilosophie. Ihre Existenz verdankt sie dem Eindruck, dass es im deutschsprachigen Raum im Zuge der vermehrten Neugründungen ethischer Kompetenz- und Fachzentren seit Anfang des Jahrtausends mehr interessante Beiträge zu moralphilosophischen Fragen gibt als Publikationsorgane. Hinzu kommt, dass es immer noch vergleichsweise wenig Raum für die Beteiligung aller akademischen Vertreter einer Disziplin an der öffentlichen wie fachlichen Diskussion ethischer Streitfragen gibt. Daher wollen wir insbesondere auch bislang noch nicht etablierten Autorinnen und Autoren die Gelegenheit geben, ihre Überlegungen einem breiteren Publikum zugänglich zu machen.

Die ZEMO startet als bilinguale Fachzeitschrift mit Beiträgen auf Deutsch und Englisch. Dadurch erhoffen wir uns, lebhafte Diskussionen und kontroverse Debatten aufzugreifen, anzuregen und zu fördern, die von einer breiten internationalen Leserschaft verfolgt werden können. Wir sind uns der langen Tradition deutschsprachiger Ethik und Moralphilosophie bewusst. Wir wollen aber die Offenheit für beide Sprachen nutzen, um Diskursbereiche stärker miteinander in Kontakt zu bringen, zwischen denen bislang nur sporadisch ein akademischer Austausch zu beobachten ist, etwa zwischen dem zumeist auf Englisch stattfindenden analytischen Diskurs und der auch im deutschen Sprachraum immer noch stark kontinentaleuropäisch geprägten Philosophie.

Ein besonderes Merkmal der ZEMO ist die große Bandbreite an Texttypen und Themen, mit denen man sich bei uns am ethischen Diskurs beteiligen kann. Die in unserer Zeitschrift veröffentlichten Beiträge unterscheiden sich voneinander nicht nur ihrer Art nach, sondern auch nach dem jeweiligen Verfahren ihrer Begutachtung und Betreuung. Während wir als Herausgeberteam ausgewählte Beitragende dazu einladen, intern begutachtete wissenschaftliche Essays zu einem aktuellen oder inhaltlich gewichtigen Thema der Ethik und Moralphilosophie zu verfassen, und einzelnen Autorinnen und Autoren die Möglichkeit geben, eine Diskussion zu einer bestimmten Frage in Form der Gegenüberstellung einer Pro- und einer Kontra-Position auszutragen, gehen Fachaufsätze über unser hauseigenes doppelt-blindes Begutachtungssystem ein und gelangen über diesen Weg zu ihrer Veröffentlichung. Neben den Fachaufsätzen kann man auch Forschungsberichte und Rezensionen zur Publikation vorschlagen.

In allen Rubriken achten wir gezielt auf eine möglichst breite Themen- und Methodenvielfalt. So können Fachaufsätze zu allen historischen oder systematischen Fragestellungen aus dem Bereich von Ethik und Moralphilosophie eingereicht werden. Forschungsberichte liefern eine Zusammenstellung wichtiger Arbeiten zu einem aktuellen ethischen oder moralphilosophischen Thema und beinhalten die anhand einer Leitfrage vorgenommene Sichtung neuerer Literatur und laufender Forschungsprojekte. Bei den Rezensionen sind wir auch offen für Publikationen jenseits von Ethik und Moralphilosophie und sogar aus nicht-philosophischen Bereichen, solange die besprochenen Bücher für die moralphilosophische Reflexion von Belang sind. Bevorzugt werden Sammelrezensionen, in denen mehrere Publikationen zu einem Themenkomplex diskutiert werden.

Wir freuen uns, dass unser erstes Heft Beiträge zu fast allen der genannten Rubriken enthält. So wirft Dieter Birnbacher (Düsseldorf) in seinem Essay das Problem auf, wie die Wahl bestimmter Begriffe die moralische Betrachtung konkreter Praktiken beeinflusst, das eigene Leben zu beenden. Mario Brandhorst (Göttingen) geht es im Rückgriff auf eine kritische Lektüre von David Hume um die Frage, ob Gott und Mensch zugleich für moralisch böses Handeln verantwortlich sein können, und welche Konsequenzen das für unsere Begriffe von Freiheit und Verantwortlichkeit hat. Der hier erstmals auf Deutsch zugänglich gemachte Text von William Desmond (Leuven und Villanova) begibt sich auf eine Suche nach den Quellen des Ethischen. Und Christine M. Korsgaard (Cambridge/Mass.) diskutiert, inwieweit das Bewusstsein der Zugehörigkeit zu einer Spezies bei Lebewesen wie dem Menschen deren Blick auf das eigene Leben und den Tod verändert. Die Fachaufsätze greifen aktuelle Debatten aus der normativen sowie der Metaethik auf. So schaltet sich Susanne Boshammer (Osnabrück) in die Diskussion um das Problem der schmutzigen Hände ein. Stefan Fischer (Konstanz) stellt den metaethischen Konativismus, der an humeanische Einsichten anknüpft, als eine neue Theorie der Normativität vor und verteidigt ihn gegen historisch einflussreiche Einwände. Susanne Hiekel (Duisburg/Essen) setzt sich mit Susan Wolfs Überlegungen darüber auseinander, wann ein menschliches Leben ein sinnvolles Leben ist. Moritz Hildt (Tübingen) argumentiert für einen zeitgemäßen Hedonismus und dafür, diesen als Theorie des guten Lebens ernst zu nehmen. In der Diskussion debattieren David Owen (Southampton) und Matthias Hoesch (Münster) über ein drängendes Problem in der Migrationsethik. Und unsere Rezensionen stellen neue Bücher von Paula Boddington, Marc Borner und Christiane Mahr vor.

Hinter dem Herausgeberteam liegt eine lange Phase der inhaltlichen Vorbereitung und organisatorischen Planung. Ohne die gute Zusammenarbeit mit dem Verlag Metzler und den Verantwortlichen bei Springer VS, den Mitgliedern des wissenschaftlichen Beirats, den Gutachterinnen und Gutachtern der eingereichten Beiträge und vor allem den Autorinnen und Autoren dieser Ausgabe wäre das Heft in der vorliegenden Form nicht zustande gekommen. Bei allen Genannten möchten wir uns an dieser Stelle ganz herzlich bedanken.

Wir hoffen, dass diese erste Ausgabe der ZEMO unsere Leserschaft neugierig auf die weiteren Hefte macht. Zugleich laden wir alle Leserinnen und Leser herzlich dazu ein, unsere Arbeit mit Kommentaren und Beiträgen zu unterstützen. So kann die ZEMO hoffentlich zu einem weit beachteten Forum für die Diskussion aller Aspekte von Ethik und Moralphilosophie werden.

Viel Freude bei der Lektüre!

Das ZEMO-Herausgeberteam

Copyright information

© Springer-Verlag GmbH Deutschland, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • A. Bagattini
    • 1
  • K. Beier
    • 2
  • D. Borchers
    • 3
  • M. Hähnel
    • 4
  • S. Muders
    • 5
  • M. Rüther
    • 6
  1. 1.MünchenDeutschland
  2. 2.ErfurtDeutschland
  3. 3.BremenDeutschland
  4. 4.EichstättDeutschland
  5. 5.ZürichSchweiz
  6. 6.JülichDeutschland

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