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, Volume 5, Issue 2, pp 31–31 | Cite as

Lastwagen verlängert Leben

  • Julica Jungehülsing
Schwerpunkt International
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Australien: Wie Kardiologe Dr. Rolf Gomes mit mobiler Klinik im umgebauten Truck entlegene Regionen im Hinterland anfährt, um die bessere medizinische Versorgung zu garantieren.

Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems zählen auch in Australien zur häufigsten Todesursache. „Doch die Wahrscheinlichkeit, auf dem Land an einer Herzerkrankung zu sterben, ist um 44 Prozent höher als in der Stadt“, sagt Dr. Rolf Gomes, ein Kardiologe, der dies nicht länger akzeptieren wollte. Er erfand Australiens größte mobile Klinik „The Heart of Australia“. Das maßgefertigte Wunderwerk auf Rädern bringt Diagnosegeräte und Mediziner ins Hinterland sowie Jobs und für viele Menschen ein längeres Leben.

© Heart of Australia

Mobil im Einsatz: Kardiologe Dr. Rolf Gomes vor seiner rollenden Klinik.

Rund 4.300 Menschen leben in der Region rund um Longreach, mitten in Australiens nordöstlichem Bundesstaat Queensland. Der Landstrich ist besonders berühmt für seine Küste mit dem Great Barrier Reef im Korallenmeer, aber auch berüchtigt für Dürren und Überschwemmungen, für Farmland und Outback. Zur nächsten Klinik in Brisbane fährt man von hier zwei Tage. Am Ortsrand von Longreach hält der Herz-Lastwagen mit dem Anhänger so lang wie ein Schwimmbecken. Per Knopfdruck schiebt sich der Behandlungsraum auf sechs Meter Breite heraus. Eine Krankenschwester prüft Telefon und Diagnosegeräte — Echokardio-graf, Laufbandmonitor und Spirometer. Der Lkw ist bereit für den ersten Patienten des Tages.

Den Ingenieur reizte die Lkw-Konstruktion

„Viele Menschen hier haben nie einen Facharzt gesehen“, sagt Dr. Gomes. Farmarbeit, Geldmangel und enorme Distanzen sorgen dafür, dass Patienten notwendige Check-ups ausfallen lassen. Gomes kam als Zehnjähriger aus Indien nach Australien, wurde erst Elektroingenieur, dann Mediziner. „Den Ingenieur in mir hat die Konstruktion des Lkw gereizt“, lacht Gomes, der als Assistenzarzt im Hinterland sah, mit welch beschränkten Mitteln Ärzte arbeiten mussten. Gomes ließ sich in Brisbane nieder, doch das Outback vergaß er nicht: „Ich sah mich in der Praxis um: Laufbänder, Ultraschallgeräte, Herzrhythmus-Monitore — und dachte: Was spricht dagegen, all das in ein Fahrzeug zu packen und zu Leuten zu bringen, die es dringend brauchen?“

Fünf Jahre vergingen zwischen Idee und Realisierung. Er fand Sponsoren, Staat und Bundesland gaben als Startfinanzierung eine halbe Million australische Dollar dazu. Für 700.000 Euro baute er den Anhänger zur Klinik aus, ebenso viel veranschlagte er für den Betrieb im ersten Jahr. Gomes selbst nahm eine zweite Hypothek auf sein Haus auf. „Wer Geld von anderen erbittet, muss auch selbst bereit sein zu investieren.“

Seit 2014 legt der „Herzbus“ jeden Monat 8.000 Kilometer zurück und hält in 13 Orten. Eine Firma wechselt die Reifen, eine andere füllt den Tank, ein Hauptsponsor zahlt Honorare, Logistik und Management, andere bestreiten laufende Kosten. In die Regionen bringt der Bus zugleich Arbeit: Sonografinnen, die im Ort keine Stellen fanden, arbeiten jetzt regelmäßig im Herzbus.

Gomes und sein Team haben seither mehr als 3.000 Patienten gesehen, zu OPs am offenen Herzen geschickt, dringende Eingriffe veranlasst und Leben gerettet. Gomes freut der Erfolg: „Ich weiß jeden Abend, etwas Sinnvolles getan zu haben.“

Nicht verstehen kann er, wieso die Gesundheitsbehörden sein Projekt nicht langfristig unterstützen. Er würde den Dienst gerne um andere Spezialisten erweitern und auf andere Regionen ausweiten. „Wir können nicht verantworten, dass die Landbevölkerung auf einfache medizinische Leistungen verzichten muss, die für Städter selbstverständlich sind — wenn es offenbar anders geht.“ Auftrieb gab ihm im vergangenen Jahr eine private Millionenspende, mit der er jetzt einen zweiten Lastwagen finanziert, um mehr Patienten zu erreichen.

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© Springer Fachmedien Wiesbaden 2018

Authors and Affiliations

  • Julica Jungehülsing
    • 1
  1. 1.Deutschland

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