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Pflegezeitschrift

, Volume 71, Issue 11, pp 60–60 | Cite as

Digitalisierung und Automatisierung: Fluch oder Segen für die Pflege?

  • Stephanie Mühlbauer
Impuls der Wissenschaft
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Was verändert sich durch die zunehmende Automatisierung und Digitalisierung für die Pflegeberufe? Diese Frage beantwortet der Report von Ashoka Deutschland und der McKinsey & Company.

In den nächsten 20 Jahren werden mehr als die Hälfte der Arbeitsplätze automatisiert und 65% komplett wegfallen. Jeder dritte Deutsche wird seinen Arbeitsplatz in den nächsten 30 Jahren verändern müssen. Insgesamt entstehen durch die höhere Wirtschaftskraft aber mehr Arbeitsstellen und bei den Pflegeberufen werden durch die Überalterung und Multimorbidität in Zukunft noch mehr Stellen angeboten als bisher. Die große Herausforderung in der Zukunft ist nach Ansicht der Wirtschaftsexperten nicht die Quantität der Arbeitsplätze, sondern die Anforderungen, die an Arbeitende im digitalen Zeitalter gestellt werden.

Menschliche Qualitäten und „Metaskills“ sind unersetzlich

Im 21. Jahrhundert sind keineswegs nur digitale Kompetenzen gefragt, sondern menschliche Qualitäten wie Kreativität, Innovationsgeist, kritisches Denken und Problemlösen, soziale Intelligenz, Kommunikationsfähigkeit, Teamgeist, Empathie, Verantwortungsbewusstsein und Produktivität sind wichtiger denn je. Ebenso bedeutsam bleiben Metafertigkeiten wie Flexibilität und Anpassungsfähigkeit, Selbstbewusstsein, eigenständiges Arbeiten und die Bereitschaft zum lebenslangen Lernen. Leider werden diese Fertigkeiten bei der Ausbildung bisher oft gänzlich vernachlässigt und es ist an der Zeit, hier in der Weiter- und Ausbildung diese Qualitäten mehr zu fördern. Umfangreiche Strukturveränderungen und ein Umdenken müssen in den meisten großen Betrieben erfolgen, um die Ausbildungslücken nicht nur im digitalen Bereich zu füllen. Wichtig bei einer modernen Schulung ist, mit dem zu beginnen, was die Auszubildenden können und gerne machen, damit sie lernen, ihre künftige Rolle selbst zu identifizieren und die erforderlichen Lerninhalte selbst zu definieren.

Eine wichtige Forderung der modernen Arbeitswelt ist, dass alle die Bereitschaft haben müssen, lebenslang weiter zu lernen. Ein erfolgreiches Beispiel wie dies bei ambulanten Pflegediensten umgesetzt wurde, gibt Jos de Blok in den Niederlanden mit seiner Gesellschaft Buurtzog von 14.000 ambulant tätigen Pflegern. 900 Pflegeteams bewältigen dort völlig autonom ihre Alltagsaufgaben. Für das gesamte Unternehmen sind insgesamt nur 50 Angestellte in der Verwaltung tätig. Buurtzog wurde mit diesem Modell viermal hintereinander in den Niederlanden zum attraktivsten Arbeitgeber gewählt und seine Angestellten waren deutlich zufriedener mit ihrem Job als andere Konkurrenten.

Quelle

  1. Hoell R, Ashoka Germany et al. The skilling challenge How to equip employees for the era of automation and digitization — and how models and mindsets of social entrepreneurs can guide us. Ashoka Deutschland gGmbH und McKinsey & Company, Inc.Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Stephanie Mühlbauer
    • 1
  1. 1.

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