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Pflegezeitschrift

, Volume 71, Issue 8, pp 60–60 | Cite as

Schmerzmanagement von Tumorpatienten — eine Herausforderung für ambulante Pflegedienste

  • Markus Meißner
  • Thomas Meißner
Impuls der Wissenschaft

Schmerz ist ein komplexes und rein subjektives Empfinden. Der Expertenstandard „Schmerzmanagement in der Pflege“ unterstützt Pflegende dabei, für den Patienten eine akzeptable Schmersituation zu schaffen. Was bei der Umsetzung des Standards in der ambulanten Pflege alles zu beachten ist, untersuchte nun eine pflegewissenschaftliche Studie.

Schmerzen - egal ob chronisch oder akut - wirken sich immer negativ auf das Wohlbefinden der Betroffenen aus. Um den richtigen Umgang mit den Schmerzen zu erlernen, könnenPflegende einen wichtigen Beitrag leisten. Der Expertenstandard „Schmerzmanagement in der Pflege“ gilt in diesem Zusammenhang als richtungsweisend. Mit Inkrafttreten des Pflegeweiterentwicklungsgesetzes (SGB XI) im Jahr 2008 sind auch ambulante Pflegedienste zur Umsetzung des Nationalen Schmerz-Expertenstandards verpflichtet.

Für die vorliegende Studie wurden im Jahr 2012 im Raum Münster die Mitarbeiter aus den Bereichen Alten-, Gesundheits- und Krankenpflege, Qualitätsmanagement und Pflegeleitung von insgesamt 14 ambulanten Pflegediensten in Form von fünf leitfadengestützten Gruppendiskussionen interviewt. Bei der Analyse der Ergebnisse lag der Fokus auf den zum Erhebungszeitraum gültigen fünf Ebenen des Expertenstandards: Schmerzeinschätzung, medikamentöse und nichtmedikamentöse Schmerztherapie, schmerzmittelbedingte Nebenwirkungen sowie Information, Schulung und Beratung.

Schmerzmanagement für mehr Lebensqualität

Die Interviews wurden mit der qualitativen Inhaltsanalyse nach Mayring analysiert, wobei zuvor deduktiv Kategorien festgelegt und anschließend durch eine induktive Herangehensweise Subkategorien gebildet worden waren. Im Ergebnis zeigen die Interviews, dass die Pflegenden den Anspruch haben, die Schmerzsituation von Tumorpatienten individuell zu erheben und den Schmerzverlauf kontinuierlich zu dokumentieren. Die von den Pflegenden genutzte NRS Skala zur Erfassung des Tumorschmerzes wurde dabei jedoch als unzureichend eingeschätzt. Die Kommunikation mit Hausärzten und darauffolgend fehlende Interaktionen, beispielsweise eine Anpassung der Schmerzmedikation, wurden bei der Zusammenarbeit mit einem Palliativnetz in der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV) positiver beschrieben. Auch wurde deutlich, dass die Einbindung von Angehörigen für die Sicherstellung der Versorgung einen hohen Stellenwert hat.

Die Autoren kommen zu dem Schluss, dass neben Kenntnissen und Kompetenzen zu den pflegerischen Aufgaben, die Strukturen und Prozesse im interprofessionellen Schmerzmanagement weiter aufzubauen sind. Auch eine Anpassung der gesetzlichen Rahmenbedingungen sei erforderlich, um die Kenntnisse und Kompetenzen pflegerischer Aspekte im Schmerzmanagement weiter zu entwickeln.

Kommentar

Es besteht kein Zweifel, Schmerzen haben einen großen Einfluss auf die Lebensqualität von Menschen. Wichtig dabei ist, die richtige und systematische Schmerzeinschätzung, die sich anschließende Schmerztherapie und die damit verbundene Beratung - von Umgang bis Auswirkung, von Alternativen und Konsequenzen. Es verwundert nicht, dass die NRS-Skala als unzureichend eingeschätzt wird, weil sie nur einen bestimmten Teil abdeckt, es z.B. für demente Patienten, die BESD (Beurteilung von Schmerzen bei Demenz) gibt. Diese Erkenntnis ist nicht neu. Wichtig ist bei der Betrachtung, dass nicht nur die Einschätzung über das richtige Instrument geschieht, sondern auch das Zusammenspiel zwischen den Akteuren in strukturierten Prozessen abläuft. In den letzten Jahren, ist auf diesem Gebiet sehr viel passiert. Der gerade über den Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) neu formulierte Verordnungsgrund 24 a (Symptomkontrolle bei Palliativpatienten) der Verordnungsrichtlinie Häusliche Krankenpflege nach § 92 Abs. 7 SGB V schafft hier auch neue gesetzliche Rahmenbedingungen, um eine Schmerzbehandlung im Rahmen der Häuslichen Krankenpflege durchzuführen. Ärzte und Fachpflegekräfte sind gut beraten, Inhalte und Anforderungen zu regeln, um so der Individualität des einzelnen Schmerzes gerecht zu werden und den Patienten mit seinen Sorgen und Nöten in den Mittelpunkt der Therapie zu stellen. Beratung und Aufklärung, egal, ob durch Arzt oder Fachpflegekraft, ermöglichen dem Patienten und seinen Angehörigen, den Gesamtprozess einschätzen zu können, um dann hinter den Entscheidungen zu stehen, die gemeinsam — Patient, Angehörige und therapeutisches Team — getroffen werden. Professionelle Pflege hat hier eine hohe und zentrale Verantwortung.

Quelle

  1. Gnass I, Krutter S., Nestler N. Herausforderungen ambulanter Pflegedienste im Schmerzmanagement von Tumorpatienten. Eine qualitative Untersuchung. Der Schmerz; online 21. März 2018.Google Scholar

Copyright information

© Springer Medizin Verlag GmbH, ein Teil von Springer Nature 2018

Authors and Affiliations

  • Markus Meißner
    • 1
  • Thomas Meißner
    • 1
  1. 1.

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