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Orthopädie und Unfallchirurgie

, Volume 9, Issue 2, pp 3–3 | Cite as

Notfallversorgung — der Anfang ist gemacht

  • Springer Medizin
Editorial
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Prof. Dr. Dietmar Pennig, Generalsekretär der DGU und stellvertretender Generalsekretär der DGOU, erwartet, dass die Finanzierung der Notfallversorgung noch nicht ausreichend ist.

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Die zunehmende ungesteuerte Inanspruchnahme der Notaufnahmen stellt uns vor große Herausforderungen, ist für Patienten jedoch hochattraktiv wegen der jederzeit vorhandenen interdisziplinären Versorgung. Die jüngste Statistik des Versorgungsraumes München mit einem Einzugsgebiet von 1,5 Millionen Einwohnern zeigt, dass über 40 % der in den Notaufnahmen behandelten Patienten aller Altersgruppen in unser Fachgebiet fallen. Etwa jeder Fünfte musste stationär aufgenommen werden; andererseits konnten etwa vier Fünftel der Patienten in die ambulante Weiterbehandlung entlassen werden. Der Aufwand unter Vorhaltung des Facharztstandards an 365 Tagen im Jahr ist entsprechend groß, nicht zu vergessen ist hier die Unterstützung durch die Pflege und Administration. Vor diesem Hintergrund ist es zu begrüßen, dass eine Neubewertung und -ordnung der Notaufnahmestrukturen in Deutschland erfolgt ist. Das vorgesehene dreistufige Modell orientiert sich an der Systematik der Traumazentren und übernimmt zumindest teilweise deren Vorgaben. Es ist damit zu rechnen, dass etwa 35 – 40 % der Krankenhäuser nicht beziehungsweise nicht mehr an der Notfallversorgung teilnehmen werden.

Die Basisnotfallversorgung stellt den Regelanspruch dar, flächendeckend ist zu fordern, dass dieser Standard von somatischen Krankenhäusern mit einem allgemeinen Versorgungsauftrag erreicht wird. Die erweiterte Notfallversorgung wird an künftig entsprechend ausgestattete Kliniken vergeben werden. Die Forderungen hinsichtlich vorzuhaltender Fachabteilungen, Verfügbarkeit von Fachärzten sowie komplexer Infrastruktur lassen ahnen, dass die Investitionen zur Erreichung dieses Standards für viele Häuser nicht zu realisieren sind.

Der größte finanzielle Aufwand liegt zweifellos bei den Kliniken, deren Notaufnahmen für die umfassende Notfallversorgung qualifiziert sind, welche in vielen Fällen identisch sind mit den überregionalen Traumazentren der DGU. Die Versorgungsstrukturen im Rahmen des dreistufigen Modells bedürfen der gleichen Koordination wie die Traumanetzwerke. Die Abläufe — gerade bei einem Massenanfall von Patienten im Rahmen von Großschäden oder Terroranschlägen — müssen trainiert werden, die Sicherstellung gehört zu der von der Politik zu gewährleistenden Daseinsvorsorge. Aus diesem Grunde können die Kosten nicht im Rahmen des ohnehin nicht ausreichenden Budgets der Kliniken gedeckt werden, sondern bedürfen der externen Finanzierung. Gleiches gilt für die Ausstattung mit Notfallmaterialien, die für den Massenanfall von Verletzten vorzuhalten sind.

Die aktuell ausgelobten Zuschläge sind ein Anfang, decken aber keinesfalls die hohen Vorhaltekosten der Krankenhäuser. Die gesamte Breite und Tiefe des unfallchirurgisch-orthopädischen Fachgebietes im Rahmen einer 24-Stunden-Versorgung vorzuhalten, ist ein hoher Anspruch, der von Kostenträgern und Politik entsprechend vergütet werden muss. Ohne diese Unterstützung wird die Sicherung des Versorgungsstandards in Zukunft nicht möglich sein.

Prof. Dr. Dietmar Pennig

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© DGOU und BVOU 2019

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